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23.07.2003 Gemeinderat im Wald

Waldrand stand im Mittelpunkt
Gemeinderat informierte sich über Gemeindewald

Forstdirektor Hermann Schäfer informierte Gemeinderäte und
interessierte Bürger über die Situation im Waldbronner
Gemeindewald.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Waldbegehung des Gemeinderats standen ein
Bericht zur Situation des Waldes nach dem Sturm "Lothar" und die Möglichkeiten für Ausgleichsmaßnahmen im Wald sowie die Situation an den Waldrändern.
Forstdirektor Hermann Schäfer und Revierleiter Harald Mohr hatten dabei für die
Gemeinderäte und zahlreiche Bürger interessante Informationen aufbereitet.
Eröffnet wurde die Sitzung durch Bürgermeisterstellvertreter Helmut Völkle,
Bürgermeister Harald Ehrler war noch bei einer Sitzung des
Nachbarschaftsverbandes und stieß erst zu den Schlussberatungen in der
Wiesenfesthalle dazu.
"Es ist ihr Wald, wir vom Forstamt haben nur die Betriebsleitung", sagte
Forstdirektor Hermann Schäfer mehrfach zu den Waldbronner Gemeinderäten.
Insbesondere hatte er die von der Planungsgesellschaft Götte vorgeschlagenen
Ausgleichsmaßnahmen näher unter die Lupe genommen, soweit sie den Wald
betreffen. Solche Maßnahmen muss die Gemeinde als ökologischen Ausgleich für
das Wohngebiet im Gewann "Heubusch" durchführen.

Ausgleichsmaßnahmen an Waldrändern
Götte habe dazu eine ökologische Aufwertung des Kurparks sowie des den Kurpark umgebenden Gemeindewaldes vorgeschlagen. Die den Kurpark, die Hetzelwiesen und die Odenwiesen umgebenden Waldränder wiesen alle einen schroffen Übergang vom Wald zu den Freiflächen auf. Die im Rahmen der Landschaftspflege gemähten Wiesen werden seit Jahren an der Waldgrenze nur noch extensiv bewirtschaftet. Gehölze und Hecken dehnen sich vom Wald aus immer stärker in die Wiesen aus und engen diese ein. Als erste Maßnahme ist eine Beseitigung dieser Gehölze und Hecken erforderlich. Schäfer machte dies an Beispielen im Kurpark und den Odenwiesen deutlich.
Allerdings meldete er bei den Waldrändern auch Bedenken an. Ausgegangen
werde von Modellvorstellungen für einen gestuften Waldrand. Bei den meisten
Waldrändern dominiere die Buche, die Hauptbaumart der natürlichen
Waldgesellschaft. Sie same sich auch in den Randzonen an und überwachse nach
und nach alle Sträucher und dunkle sie aus. Mit ihren langen Ästen reiche sie oft
weit in die Freiflächen hinaus. Der Forstdirektor dazu: "Die Buche hält sich nicht an
die ökologischen Modellvorstellungen über den Aufbau von Waldaußenrändern!"
Eine nachträgliche Herstellung solcher gestufter Waldränder sei aber mit Aufwand
verbunden und gewährleiste auch keinen dauerhaften Zustand. Möglich sei die
Fällung fast aller Buchen an den Waldrändern, Eichen und Kirschbäume aber
sollten erhalten bleiben.

Schaffung einer Bachauenvegetation
Einen zweiten Schwerpunkt setzte Schäfer im Wald bei den Odenwiesen. Hier
lasse sich in einem schmalen Band entlang Oden- und Hetzelbach eine
Bachauenvegetation mit Schwarzerlen ansiedeln. Ein solcher Erlen- Eschenwald
könne als "prioritärer Lebensraumtyp" besonders gefördert werden. Und dafür so
Schäfer, müsste es bei den Ausgleichsmaßnahmen auch eine hohe Punktzahl
geben.
Eine Absage erteilte Schäfer dagegen dem von der Planungsgesellschaft Götte
vorgeschlagenen Rückbau überdimensionaler Wege. Sie dienten unterschiedlichen Nutzungen. Vorrangig seien sie Spazier- und Radwege, würden aber auch für die Holzabfuhr benötigt. Ein Rückbau der Treppe von der AVG-Haltestelle Richtung Etzenrot sei zwar möglich, doch dürfte er mehr Kosten verursachen als er Ökopunkte einbringt, warnte der Forstdirektor.

Der Wald nach "Lothar"
Über den Waldhaushalt seit "Lothar" informierte Revierleiter Harald Mohr. Von den
100 Hektar, die der Sturm in Mitleidenschaft gezogen habe, seien 60 Prozent
wieder mit Laub- der Rest mit Nadelwald bestanden. Dabei sei ein Drittel
nachgepflanzt worden, der Rest durch Naturverjüngung entstanden. Gepflanzt
wurden bisher rund 80.000 Bäume, eine Überprüfung habe nun ergeben, dass
etwa 2 Hektar nicht ausreichend verjüngt sind, hier müsste im Lauf der kommenden
fünf Jahre noch mit rund 7.000 Pflanzen nachgebessert werden. Parallel müsse
Konkurrenzvegetation weggenommen werden. Die Aufgabe der kommenden Jahre
sei dann die Regulierung des Mischwuchses.
Letzte Station war am Waldrand nördlich von Etzenrot, wo Sicherungsmaßnahmen
im Winterhalbjahr hohe Wellen schlugen (wir berichteten). Forstamtsdirektor
Schäfer und Revierleiter Mohr erläuterten nochmals die Maßnahmen und betonten
ihre Notwendigkeit, zumal sich gezeigt habe, dass mehrere Bäume von innen
heraus bereits faul waren und so eine Gefahr für Anwohner und Spaziergänger in
diesem Bereich darstellten.
Bürgermeister Harald Ehrler gab zum Schluss der Sitzung noch bekannt, dass
auch der Waldbronner Gemeindewald inzwischen zertifiziert sei. Dafür hatte sich
der Gemeinderat bei der letztjährigen Waldbegehung ausgesprochen. Die
Zertifizierung bedeute ein Gütesiegel für das Holz, wenn auch in Waldbronn die
Erholungsfunktion des Waldes im Vordergrund stehe.

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