Herzlich Willkommen.
Sie sind Besucher Nr.:
11.882.567

Volltextsuche



 

17.04.2003 Holzeinschlag im Gemeindewald

Holzeinschlag im Gemeindewald
Das Staatliche Forstamt Karlsbad nimmt Stellung

Holzstämme warten
auf die Abfuhr.

Warum wird auch nach den großen Verlusten, die der Orkan „Lothar" im Wald
verursacht hat, weiter so viel Holz eingeschlagen? Fragen viele um ihren Wald
besorgte Bürger. Darauf möchte das für die Bewirtschaftung des Waldbronner Waldes zuständige Forstamt einige Erläuterungen geben.
Neufestsetzung der Nutzungen nach Lothar
Nachdem das Sturmholz aufgearbeitet war, wurde im Sommer 2001 von der
Forstdirektion zusammen mit dem örtlichen Forstamt der Hiebsatz für alle vom Sturm betroffenen Wälder neu festgesetzt. Dies erfolgte im Anhalt an den Verlust an Holzvorrat in Höhe von 35%. Der bisherige jährliche Nutzungssatz für den Gemeindewald wurde von 3500 Fm auf 2450 Fm herabgesetzt. Die durch den Orkan entstandene Lücke im Gesamtvorrat kann damit in einem Zeitraum von ca. 30 Jahren wieder aufgefüllt werden.

Warum ein Ausgleichszeitraum von 30 Jahren?
Bis auf den freigelegten Sturmflächen wieder ein ansehnlicher Wald heran-
wächst, dauert es weit mehr als 30 Jahre. Ein Teil des Vorratswiederaufbaus
muss daher durch eine geringere Nutzung in den von Orkan wenig oder nicht
betroffenen Waldteilen erfolgen. Dies ist aber nur beschränkt möglich, sollen in
diesen Waldteilen Schäden durch Überalterung oder Dichtschluss vermieden
werden. Überalterung bewirkt Schäden am Nutzholz. Dichtschluss gefährdet
die Stabilität der Bäume, verringert die Strukturvielfalt und erschwert einen na-
turnahen fließenden Übergang in die nächste Generation. Hinzu kommt, dass
die Lücken vor allem (zu 70%) in den mittelalten (60 - 100 jährigen)  Waldbe-
ständen entstanden sind, weniger in über 100 - jährigen Waldbeständen. In
den Althölzern sind aber heute schon Altersschäden deutlich sichtbar: Rotkern
bei Buche und Stockfäule bei Kiefer und Fichte.

Was wird nach „Lothar" genutzt?
„Lothar" hat auf vielen Flächen Einzelbäume hinterlassen, die ohne das Stütz-
gefüge ihrer Nachbarbäume, nicht mehr stabil sind. So gibt es nach jedem
„normalen" Sturm Einzelwürfe, die aufgearbeitet werden müssen. Andere Be-
standesteile haben den Schutz des Nachbarbestands verloren und lösen sich
nach und nach auf. In diesen Fällen ist es sowohl aus eigenwirtschaftlichem In-
teresse des Waldeigentümers wie auch aus volkswirtschaftlichem Interesse
sinnvoll, die gefährdeten Bäume zu nutzen, ehe sie der Zufall entwertet.
Von den Nutzungen des Jahres 2002 entfielen nahezu zwei Drittel auf solche
„zufälligen Ergebnisse", wie das in der forstlichen Fachsprache heißt.

Die „Nachhaltigkeit" als oberste Verpflichtung der Forstleute
Zur nachhaltigen Bewirtschaftung des Waldes, das bedeutet, dass nicht mehr
Holz genutzt wird, als nachwächst, gehört nicht nur die Pflicht zum Wiederauf-
bau eines angemessenen Holzvorrats. Hierzu gehören auch
- eine kontinuierliche Belieferung der Holzkunden. Schließlich wird nicht nur
nach Sturmkatastrophen Brennholz benötigt oder Häuser gebaut und Möbel
gekauft.
- eine Mindestbeschäftigungsgarantie für die im Wald Tätigen, die wir ja für die
Beseitigung von laufenden kleineren Sturmschäden immer wieder kurzfristig
brauchen,
- ein halbwegs gesicherter Deckungsbeitrag für die nach Lothar stark gestiege-
nen Kosten der Pflege der Kulturen und Jungbestände sowie der
Wegeunterhaltung.

[<< Übersicht]