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03.09.2002 Waldbronner Woche: Musikkabarett mit Piano Paul

Dietrich Piano Paul in voller Aktion.

Dietrich "Piano" Paul in voller Aktion.

Kunst muss wehtun - oder:
das Unendliche, hier wird's Ereignis

Dietrich "Piano" Paul bereits zum zweiten Mal in Waldbronn

Im Spannungsfeld zwischen Bach und Pythagoras siedelte Dietrich "Piano" Paul sein neues Programm an, "für einen Kabarettabend etwas seltsam, aber für die Volkshochschule passend", so sein Eingangsstatement. Und sein Satz, "Kleinkunst ist einfach anstrengender als Großkunst" bewahrheitete sich an diesem Abend, den der Kulturring zur Waldbronner Woche beisteuerte.
Zwischen Tageslichtprojektor und Flügel wechselnd entführte der Münchner Kabarettist sein Publikum in die höheren Sphären von Mathematik und Musik, gespickt mit aktuellen Anspielungen aus Politik und Zeitgeschehen, ließ sein Publikum –mit Nachhilfe- raten zu den Ave Marias von Gounod und Schubert -"Wenn der Tenor gleich zu Beginn knödelt, ist's von Gounod"- und kam vom Kanon –musikalisch- zum Bildungskanon und den Quizsendungen als "Bildungskanon für Bildungskanonen", während den Bücherkanon nach Piano Paul drei B markieren: Bibel, Blechtrommel, Buddenbrooks.
"Der größte Tabu-Bruch auf der Bühne ist nicht Unzucht, sondern Mathematik zu betreiben", war eine seiner Thesen getreu dem Adorno-Satz "Kunst muss wehtun!". Und dazu passend seine mathematischen Sätze zur Fußball-Bundesliga, der "Ligativitäts-Theorie", mit der er schlagend bewies: "Gauß hatte Recht!"
Und doch war bei aller Scharfzüngigkeit Dietrich Paul am Besten, wenn er am Klavier saß und mit stupender Technik seine musikalischen Belegstücke präsentierte, und dabei mit oft "verwirrender Einfachheit" musikalisch-mathematische Grundstrukturen offen legte, was aber leider an diesem Abend zu selten passierte. Dafür entschädigte aber sein "Happy Birthday" nach Bach und Mozart, oder seine "Euro-Hymne" zum 1. Geburtstag der neuen Währung auf die Melodie von Freude schöner Götterfunken". Höhepunkt dabei war das gute alte Kinderlied "Hoppe, hoppe, Reiter", kombiniert mit den bekanntesten Themen aus Beethovens neun Sinfonien.
Das Publikum im Kulturtreff Waldbronn jedenfalls folgte Piano Paul willig bei der teilweise nicht ganz leichten Kost, bei der auch die Mengenlehre und moderne Erziehung ihr Fett abbekamen. Besonderer Beifall brandete immer dann auf, wenn Dietrich Paul Musik und Kabarett am Klavier zu einer Einheit verschmolz.

 

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