Herzlich Willkommen.
Sie sind Besucher Nr.:
11.879.494

Volltextsuche



 

11.05.2002 Kunst im Kurhaus: Ausstellung Mia Leinberger

Bei der Vernissage: Aufmerksam lauscht Mia Leinberger der Musik von Sigrid und Frank Reich aus Karlsruhe, um anschließend zahlreiche Glückwünsche entgegenzunehmen.

Bei der Vernissage: Aufmerksam lauscht Mia Leinberger der Musik von Sigrid und Frank Reich aus Karlsruhe, um anschließend zahlreiche Glückwünsche entgegenzunehmen.

Rückblick auf ein Künstlerleben

Ausstellung zu Mia Leinbergers 85. Geburtstag in Waldbronn

Fünfundachtzig ist sie in diesen Tagen geworden - und noch immer voller Temperament und (fast) noch so fleissig wie in jungen Jahren. Die Farben des letzten Bildes, das Mia Leinberger schuf, wurden gerade noch trocken vor der Ausstellung, die ihr zu Ehren jetzt im Kurhaus Waldbronn gezeigt wird. Nicht willkürlich übrigens gerade an diesem Ort, denn in der heutigen Waldbronner Teilgemeinde Reichenbach ist Mia, geborene Anderer, aufgewachsen, hat in dem damals bescheidenen kleinen Dorf noch Natur pur erlebt und ihre hier gewachsene Naturverbundenheit prägend mit hinüber genommen in ihr späteres künstlerisches Schaffen.
Im Auftrag des wegen eines Berlin-Besuchs des Gemeinderats verhinderten Bürgermeisters Harald Ehrler hieß der Leiter der Waldbronner Kurverwaltung, Bruno Kraski, die in überraschend großer Zahl zur Ausstellungseröffnung gekommenen Gäste willkommen. Er wies bei dieser Gelegenheit beiläufig darauf hin, dass bei den von der Kurverwaltung mehrmals im Jahr veranstalteten Ausstellungen wiederholt auch schon Schülerinnen und Schüler der Jubilarin zum Zuge kamen.
Karl Breh, seit langem mit Mia Leinberger befreundet, hatte es übernommen, deren Leben und Werk in Kürze zu würdigen – nicht als Experte vom Fach, der er nicht sein will, sondern als einer, welcher der bildenden Kunst wie auch der Musik gleichermaßen passioniert und erlebnisoffen gegenübersteht. Aus dieser Sicht fasste Breh das Wesentliche dahingehend zusammen, dass Mia Leinbergers Malerei nicht der analytischen Verstandesarbeit bedürfe. Viel mehr löse sie spontan überwiegend heitere, beschwingte, kontemplative Gefühle aus, Gefühle ästhetischen Wohlbefindens bis hin zur Lust und Freude an einer Schönheit, die sich bisweilen im Trivialen verstecke. Dies mache ihre Kunst so unproblematisch und liebenswert. Im Übrigen verwies der Laudator auch bewundernd auf die Kraft und Ausdauer, die sich die Künstlerin zutraute, um als Ergänzung zur Ausstellung auch noch ein schönes Buch mit einem konzentrierten Überblick auf ihr Schaffen herauszubringen (im Selbstverlag, € 20,--).

Mia Leinberger in ihrer Geburtstagsausstellung.

Mia Leinberger in ihrer Geburtstagsausstellung

Mia Leinbergers in Waldbronn wohnhafte Malerkollegin Beate Busch überbrachte die Geburtstags-Glückwünsche der Karlsruher GEDOK-Gruppe, und dies auf eine Weise, die spüren ließ, wie herzlich sich dieses Künstlerinnenforum der Jubilarin verbunden weiß. Frau Busch wies denn auch darauf hin, dass Mia Leinberger zu den Frauen der ersten Stunde nach der Wiedergründung der GEDOK im Jahre 1949 gehörte und 1950 als Fachberatin für Malerei für sie tätig wurde.
Ein leichtes Leben war es gerade nicht, das die junge Frau bis zu dieser Zeit schon hinter sich hatte. Ihr Vater war im ersten Weltkrieg gefallen, ihre Mutter verlor sie mit 18. Eine Schneiderlehre bis zur Meisterprüfung, danach die ebenfalls abgeschlossene Ausbildung zur Kostümbildnerin an der Karlsruher Kunstakademie waren ihre ersten Schritte ins Berufsleben, das schließlich zur Malerei führte. Sie studierte bei Rolf Lang Grafik und Aquarell, bei August Kutterer Aquarell und Ölmalerei und in einem weiteren Schritt bei Oskar Hagemann Ölmalerei. Auch Schöpflin und Huppert gehörten zu ihren Lehrern. Unterricht in Englisch und Französisch, Literatur- und Kunstgeschichte ergänzte die praktische Ausbildung.
Sehr viel an aufbauender Kritik, an Anregung und Ermutigung hatte die bis zum heutigen Tag lernwillig Gebliebene ihrem 1972 früh verstorbenen Mann, dem Juristen, Kunstsammler und Kunstförderer Dr. Wilhelm Leinberger zu verdanken. Einige Jahre nach dessen Tod entwickelte sich in zweiter Ehe mit dem Malerkollegen Ernst Rehmann noch einmal eine ähnlich fruchtbare Partnerschaft Studienreisen um die halbe Welt und zahlreiche Ausstellungen gehören zu den Wegmarken eines Künstlerlebens, dessen Erfahrungen Mia Leinberger viele Jahre lang auch als Dozentin an den Volkshochschulen Ettlingen und Germersheim sowie als Vorstandsmitglied mehrerer Künstlervereinigungen weitergab.
Die Ausstellung im Foyer des Kurhauses Waldbronn ist bis einschließlich 26. Mai täglich von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
(Karlheinz Ebert)

[<< Übersicht]