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30.03.2014 Fastenessen beim Eine-Welt-Kreis

"Sie will etwas von dem Guten, das sie erfahren hat, weitergeben"

Xandra Pantoja stellte im Gottesdienst in Reichenbach ihr Projekt "Escuela Caminante" vor.


„Hilfe zur Selbsthilfe“, das ist Entwicklungshilfe im Idealfall. In Peru gibt es eine Frau, deren Geschichte beispielhaft für eine erfolgreiche Umsetzung dieser Idee steht:. Xandra wuchs in Lima auf, wo sie auch zur Schule ging und hervorragende Leistungen erbrachte. Sie wurde von ihrer Familie im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt, doch als der Vater arbeitslos wurde, drohte Xandras Traum vom Studieren zu platzen und sie benötigte dringend Unterstützung, um ihren Weg weitergehen zu können. Tatsächlich bekam sie Hilfe von Dr. Marianne Stark, einer in Lima lebenden Deutschen, die mit ihren Entwicklungshilfeprojekten vielen Menschen unbürokratisch helfen konnte.
Elke Heumann aus Waldbronn, pensionierte Lehrerin des Albertus-Magnus-Gymnasiums Ettlingen, engagiert sich seit Jahren im Eine-Welt-Kreis Waldbronn und ist aktives Mitglied des Fördervereins „Freunde des Entwicklungshilfeprojekts Dr. Marianne Stark“. Dieser Förderverein trägt seinerseits dazu bei, die Projekte von Marianne Stark in Lima voranzutreiben und Patenschaften nach Deutschland zu vermitteln. Elke Heumann knüpfte schließlich den Kontakt zwischen der jungen Peruanerin Xandra und dem AMG Ettlingen: Die Schule übernahm eine Patenschaft für Xandra und ermöglichte ihr so den erfolgreichen Abschluss ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften.

Am Stand des Eine-Welt-Kreises, an dem auch Xandra Pantoja aktiv war, gab es wie immer fair gehandelte Produkte und diesmal dazu peruanische Handarbeiten.

Xandra ist mittlerweile 30 Jahre alt und hat Deutschland und ihre Unterstützerin Elke Heumann 2011 zum ersten Mal besucht. Inzwischen verdient Xandra als Eventmanagerin ihren eigenen Lebensunterhalt. Sie ist unendlich dankbar für die Hilfe, die ihr während ihrer Ausbildung zuteil wurde. Nach dem Tod von Dr. Marianne Stark übernahm sie weitestgehend deren Arbeit und engagierte sich besonders für die Kinder In ihrem Umfeld. Bei ihrem ersten Besuch in Deutschland sprach sie von ihrer Vision eines eigenen Projektes, damit sie etwas von dem Guten, das sie erfahren hatte, weitergeben könnte: Die Idee der „Escuela Caminante“ war geboren.
Übersetzt bedeutet das Wort so viel wie „Mobile Schule“. Xandras Plan war, die Kinder, die sich aus unterschiedlichsten Gründen auf den Straßen der Slums herumtrieben und nur eine mangelhafte oder gar keine Schulausbildung erhielten, direkt auf der Straße zu unterrichten. Sie wollte ihnen einen Ort bieten, wo sie neben Grundwissen auch vor allem Lebensqualität erhalten konnten. Bereits ein halbes Jahr nach Geburt dieser Idee zogen Xandra und ihre Helfer – befreundete Lehrer und Studenten als Volontäre – mit Zelten, Tischen und Stühlen die Slums am Hang der Anden hinauf und sprachen mit Kindern und deren Eltern, um Schützlinge für ihre „Escuela Caminante“ zu gewinnen. Aus anfänglich 20 Kindern zwischen 5 und 15 Jahren wurden bis heute 127 Kinder, und die Kapazitäten der „mobilen Schule“ wurden eindeutig gesprengt. Deshalb zog Xandra mit ihrem Team in ein nunmehr zweistöckiges  Haus, das bald fertig ausgestattet werden soll.
 Dort finden für die Kinder der Pflichtunterricht (Mathe, Spanisch und Sozialkunde), sowie viele kreative Workshops und Events statt. Die Kinder können musizieren, gemeinsam Sport machen, spielen, Englisch lernen, tanzen, sich in Handarbeiten üben oder einfach nur lesen. Kurz gesagt: Sie lernen den Spaß am Lernen kennen und erfahren von den vielen Mitarbeitern der „Escuela Caminante“, dass sie wertvoll sind.
Neben dem Angebot für die Kinder trifft sich der Ortspfarrer seit einiger Zeit möglichst einmal wöchentlich mit den Eltern und steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite.
Der Eine-Welt-Kreis Waldbronn-Karlsbad veranstaltete wieder sein alljährliches Fastenessen, das im Anschluss an den Gottesdienst in St. Wendelin Reichenbach stattfand. Trotz verschiedener Parallelveranstaltungen war der Gottesdient und das Solidaritätsessen gut besucht. Im Gottesdienst erläuterte Xandra die Ziele ihres Projekts und freundlicherweise übersetzte Frau Gamio aus Waldbronn den Text.
Die Spendengelder sollen in die Möblierung und Erweiterung des neuen Schulgebäudes fließen. Außerdem besteht Bedarf an einem weiteren, einfachen Gebäude, das der Pfarrer beispielsweise für Kommunionunterricht nutzen möchte. Von seinem Brief an Pfarrer Torsten Ret hing eine übersetzte Kopie aus. Beide Geistliche benutzten die Gelegenheit, mit ihren Gläubigen eine spirituelle Verbindung einzugehen.

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