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18.01.2014 Auftakt zu 175 Jahre Kirche St. Wendelin

"Kirchengebäude ist Sinnbild für Gemeinschaft der Gläubigen"

Der Innenraum der Reichenbacher Pfarrkirche vor der 1968 erfolgten Erweiterung. Erhalten blieben in der neuen Kirche die Altaraufbauten.


175 Jahre alt wird die Pfarrkirche St.-Wendelin in Reichenbach. Dazu wurde eine Festschrift mit vielen Details erstellt, die vor allem die letzten 25 Jahre in den Blick nimmt und so die Fortführung der Festschrift zum 150-jährigen Jubiläum darstellt. Geplant sind zum Kirchenjubiläum zahlreiche Veranstaltungen.
Im Herbst 1839 war es, als die Bauarbeiten an der Reichenbacher Kirche abgeschlossen waren. Davor gab es einige Hindernisse zu beseitigen. Seit 1798 gehörten Reichenbach und Etzenrot zur Pfarrei Busenbach. Die Reichenbacher wurden aber nicht müde, um ihre kirchliche Selbständigkeit zu kämpfen. Dagegen wehrte sich Busenbach, bis 1837 der Landesherr das entscheidende Machtwort sprach und verfügte, "die Trennung der Filialgemeinden Reichenbach und Etzenroth von der Mutterkirche zu Busenbach und die Errichtung einer eigenen katholischen Pfarrei … gnädigst zu genehmigen".
In Reichenbach wurden unverzüglich Pläne und Kostenvoranschlag des Regierungsbaumeisters Schwarz gebilligt und als Bauplatz der heutige Standort festgelegt, dies auch aus praktischen Gründen, weil gleich dahinter die Steinbrüche lagen. Die Baukosten beliefen sich auf 19.658 fl (Gulden), zu denen die staatliche Domänenverwaltung 10.000 fl gab, 1.000 musste die Gemeinde außerdem für die Instandhaltung anlegen.
Nun hatte Reichenbach zwar seine eigene Kirche, war aber immer noch Filialort von Busenbach, dessen Entschädigungsansprüche von Reichenbach noch befriedigt werden mussten. 1843 schließlich zog mit Karl Kast der erste Pfarrer ins ebenfalls neu erbaute Pfarrhaus ein. Kast spielte anschließend in der Revolution von 1848 eine bedeutende Rolle und musste aus der Gemeinde fliehen.
Seit Beginn des 20.Jahrhunderts beschäftigte man sich in Reichenbach mit einer Erweiterung der Pfarrkirche. 1966 war es dann soweit, dass die Bauarbeiten begannen. Der Kirche wurde ein Querschiff vorgebaut, die bisherigen Altäre wurden in den Neubau einbezogen, der Hauptaltar in den Schnittpunkt der Kirchenschiffe gestellt. 1968 markierte die Einweihung die Krönung des vielfältigen Wirkens von Dekan Karl Walter, der insgesamt 38 Jahre Pfarrer in Reichenbach war.
Nachdem die Pfarrei Reichenbach die Kirchenbauten in Langensteinbach und Spielberg finanziell gefördert hatte, erhielt sie zur Kirchenerweiterung auch einen großzügigen Zuschuss der Diözese. Inzwischen sind die Pfarreien Waldbronns und Karlsbads zu einer Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen.
Den Beginn des großen Veranstaltungsreigens markierte jetzt die Auftaktveranstaltung, bei dem die Festschrift vorgestellt wurde. Musikalisch umrahmt wurde sie durch Julia Münch (Querflöte) und Katja Polyakova (Klavier), beide von der Musikschule Waldbronn.

Viele Gemeindemitglieder waren zur Auftaktveranstaltung in das Pfarrzentrum gekommen, bei der die Festschrift vorgestellt wurde.

Eine große Zahl von Gästen konnte Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gaby Seiberlich begrüßen. Unter ihnen hieß sie namentlich Pfarrer Torsten Ret, Leo Oechsler, Vorsitzender des Gemeinsamen Ausschusses, Pfarrerin Bettina Roller, Bürgermeister Franz Masino und Musikschulleiter Armin Bitterwolf willkommen. Die Festschrift, so ihr Blick zurück, sei ursprünglich mit einem Umfang von 60 Seiten geplant gewesen, herausgekommen seien 120 Seiten.
"Wir feiern ein Jubiläum, 175 Jahre Kirche St. Wendelin, wir feiern aber auch das Jubiläum einer Gemeinschaft", betonte Pfarrer Torsten Ret in seinem Grußwort. Der Kirche seien mit der Erweiterung Flügel gewachsen, der Altar sei damit ins Zentrum gerückt. In den 175 Jahren habe es viele Veränderungen gegeben, von denen gerade in unserer Zeit auch die Kirche betroffen sei. "Die aus Stein gebaute Kirche hat sich nicht verändert, aber die Menschen in ihr", so der Pfarrer. Das Kirchengebäude sei geradezu ein Sinnbild für eine Kirche aus lebendigen Steinen der Gläubigen. Im Jubiläumsjahr gehe es auch darum, Kirche zu gestalten und zu zeigen, dass Christen in der Gesellschaft vertreten sind.
Die reich bebilderte Festschrift mit ihren insgesamt 120 Seiten stellte anschließend Hubert Kuderer vom Redaktionsteam vor. Die Festschrift gliedere sich in drei Blöcke. Nach einleitenden Worten und den Grußworten der Gratulanten folge ein Abriss der Entwicklungen in den zurückliegenden 25 Jahren. Der gesellschaftliche Wandel habe dabei auch vor der Kirche nicht Halt gemacht und tiefgreifende Veränderungen in das kirchliche Leben gebracht. Sichtbares Zeichen sei die Seelsorgeeinheit, die auf den Weg gebracht wurde. Eine Beschreibung der baulichen Maßnahmen rundet diesen Teil ab.
Im nächsten Teil stellt sich die heutige Pfarrgemeinde als Teil der Seelsorgeeinheit Waldbronn-Karlsbad vor. Alle 25 Gruppierungen haben sich und ihre Arbeit dargestellt. Berichtet wird über Begegnungen und Feiern im kirchlichen Jahreskreis. Mit einer Auflistung der Veranstaltungen und Ereignisse im Jubiläumsjahr, sowie einer Auswahl von Bildern mit Details der Pfarrkirche endet die Festschrift. Die ersten Exemplare übergab Kuderer anschließend Pfarrer Ret und Gaby Seiberlich.

Die ersten Exemplare der Festschrift 175 Jahre katholische Pfarrkirche St. Wendelin Reichenbach übergab (von links) Hubert Kuderer an Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gaby Seiberlich und Pfarrer Torsten Ret.

Grußworte und Glückwünsche zum Jubiläum überbrachten Leo Oechsler, Vorsitzender des gemeinsamen Ausschusses in der Seelsorgeeinheit, der einen der Schwerpunkte für die kommenden Jahre im Ausbau der Seelsorgeeinheit sah, in der jede Gemeinde ihr bisheriges Leben weiterführen solle, aber offen gegenüber anderen sein sollte. In diesem Sinn wünschte er Reichenbach zu seinen Veranstaltungen viele Besucher, gerade auch aus anderen Gemeinden.
"Wir feiern gerne mit und freuen uns auch mit", sagte Pfarrerin Bettina Roller von der evangelischen Kirchengemeinde. Eine Kirche sei ein Stein gewordenes Zeichen, das jetzt seit 175 Jahren als Hinweis auf das Christentum in Reichenbach stehe. Reichenbachs Kirche präge seit 175 Jahren das Ortsbild, sagte Bürgermeister Franz Masino für die politische Gemeinde. Die Kirchengemeinde St. Wendelin habe sich mit ihren zahlreichen Gruppierungen stets segensreich ins Gemeindeleben eingebracht.
Für die Reichenbacher Vereine gratulierte Bernhard Becker. Das Zusammenwachsen der Seelsorgeeinheit werden die Reichenbacher Vereine auch in der Zukunft begleiten, versprach Becker. Zum Abschluss war Gelegenheit zur Begegnung und zu Erinnerungen bei einer Bilderschau.
Zum Jubiläum ihrer Pfarrkirche hat die Pfarrei ein großes Programm geplant. Am 25. Mai spricht in einer Matinee Stephan Langer zum Thema "Ein neuer Aufbruch in der Kirche - Das erste Jahr mit Papst Franziskus". An Fronleichnam findet ein großes Pfarrfest rund um die Kirche statt, das von kirchlichen Gruppen und Vereinen getragen wird und mit einem Fest im Pfarrhof bereits am Vorabend beginnt. Zum Patrozinium am 19. Oktober ist ein Festgottesdienst geplant, zu dem sich Reichenbach wünscht, dass er von einem Bischof zelebriert wird. Insgesamt listet das Programm 21 Veranstaltungen auf.

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