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17.11.2013 Volkstrauertag 2013

Der Krieg hat viele Gesichter
Für eine Welt mit Toleranz, gegenseitiger Achtung und Humanität

Am Ehrenmal in Reichenbach fand in diesem Jahr die zentrale Gedenkveranstaltung der Gemeinde statt.


Die zentrale Feierstunde zum Volkstrauertag fand in Waldbronn am Ehrenmal in der Reichenbacher Ortsmitte statt. Umrahmt wurde sie von Musikverein "Lyra" unter der Leitung von Eugen Endres und vom Gesangverein "Concordia" Reichenbach, dessen Männerchor Erich Brandel dirigierte. Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr und des Deutschen Roten Kreuzes Reichenbach standen Mahnwache mit Fackeln.
In seiner Ansprache sagte Bürgermeister Franz Masino:
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend, sehr geehrter Herr Pfarrer Ret.
Das Gedenken am Volkstrauertag führt uns heute hier zusammen mit völlig unterschiedlichen Lebenserfahrungen, Erinnerungen und Schicksalen. Unter uns befinden sich solche, die den NS-Terror miterlebt haben, den Weltkrieg, die Bombennächte sowie Flucht und Vertreibung. Ebenso Angehörige der Nachkriegsgeneration, die in friedlichen Zeiten aufwuchsen, und junge Leute, die so leben können, als wären Frieden und Freiheit das Normalste auf dieser Welt.
Dass dem aber so nicht ist wird uns täglich durch die Medien vermittelt. Ganz gleich ob in Europa, Afrika, Asien oder wo immer auf der Welt - die meisten Menschen wünschen sich nichts sehnlicher, als in Frieden und Freiheit leben zu können. Niemand möchte, dass Eltern, Kinder, Freunde in einem Krieg verwundet oder gar getötet werden. Aber genügt hier die herkömmliche Definition von Krieg? Also Raketen, Bomben, Panzer, Armeen. Es gibt tausende Tote durch rivalisierende Drogenkartelle. Im Nahen Osten riskieren Menschen Leib und Leben, um skrupellose Machthaber durch demokratische Strukturen zu ersetzen. In nicht wenigen Staaten Afrikas gehört das Morden und Raubschatzen zur Tagesordnung.
All dies sind Beispiele für Kriege, denen keine Kriegserklärung vorausging, die viele unschuldige Opfer forderten und immer noch fordern und wo der Frieden für die Menschen weit weg ist.
Aber auch Frieden kann unterschiedlich definiert werden. Für die einen ist es Frieden, wenn sie nicht jeden Tag heftigen Streit zwischen den Eltern oder mit dem Nachbarn erleben müssen. Andere sind über die Zerstörung der Umwelt empört und fordern Frieden für die Natur. Wieder andere denken, dass Hunger und Armut den Frieden verhindern. Oder denken wir an die Näherinnen in Bangladesch. Die Ausbeutung dort, mit dem schrecklichen Unglück im April, mit mehr als 1000 Toten. Die Bootsflüchtlinge aus Eritrea und anderen Staaten, die vor Hunger und Terror fliehen und eine lebensgefährliche Bootsfahrt riskieren. Viele von ihnen bezahlen  ihren Wunsch nach Frieden und Freiheit mit dem Leben.
Wir alle wissen, der Krieg hat viele Gesichter. Natürlich gedenken wir heute am Volkstrauertag zuerst der Toten der beiden Weltkriege im vorigen Jahrhundert. Der 10 Millionen Toten des Ersten Weltkriegs sowie der über 55 Millionen Toten des Zweiten Weltkriegs. Wir gedenken unserer gefallenen Soldaten ebenso wie der vielen Millionen Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Und wir gedenken derjenigen, die bei oder in Folge von Vertreibungen ihr Leben lassen mussten.
Der Volkstrauertag mahnt uns jedes Jahr, Lehren aus den Schrecken der Geschichte zu ziehen. Zumindest auf unserem Kontinent scheint dies gelungen zu sein. Es ist nicht nur Glück, dass wir seit mittlerweile über 60 Jahren in Frieden leben, es ist auch dem steten Bemühen um Ausgleich, Verständnis und Freundschaft zwischen den Völkern zu verdanken.
Krieg ist etwas undenkbar Fernes geworden – und gelegentlich doch so nah. Es ist gut gegen den Krieg zu sein. Es ist aber noch besser, etwas für den Frieden zu tun.

Bürgermeister Franz Masino bei seiner Ansprache.


Frieden gründet in guter Nachbarschaft. Wie erfreulich ist doch die Lage Deutschlands heute im Vergleich zu früher, als noch die Rede vom Erbfeind war. Heute sind wir mit all unseren Nachbarstaaten in Partnerschaft und Freundschaft verbunden. In Westeuropa schon bald nach Kriegsende, insbesondere mit Frankreich. Erfolgt aus der beiderseitig tiefen Einsicht, dass die Staaten in Europa, und das gilt doch für die ganze Welt, nur miteinander eine Zukunft haben. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, nach der wiedergewonnenen deutschen Einheit und dem politischen Wandel im Osten haben wir neue Freunde im ehemals sowjetischen Machtbereich gewonnen.
Es bedarf einer großen Verantwortung, sich aktiv für die Erhaltung von Sicherheit und Frieden, sich aktiv für freiheitliche Demokratie einzusetzen. Aber es lohnt sich. Gerade wir in einem freien und friedlichen Europa haben allen Grund,  nachhaltig dafür einzustehen. Und Zivilcourage darf nicht nur eine Worthülse sein. Dem leider immer mal wieder aufblitzenden, nationalsozialistischen Gedankengut gilt es mit allem Nachdruck die Stirn zu bieten. Hier stehen gerade wir Deutschen in der Pflicht.
Wir Deutschen stellen uns der Verantwortung. Wir leisten Entwicklungsarbeit in armen Ländern, wir helfen bei Naturkatastrophen, wir stellen uns dem Flüchtlingsproblem und gewähren Asyl. Wir entsenden Polizeibeamte und die Bundeswehr in Regionen, wo Frieden und Freiheit erst noch durchgesetzt werden müssen. Sie tun dies in unserem Auftrag unter schwierigsten Bedingungen. Deshalb ist es kein Widerspruch, am Volkstrauertag auch Rückhalt für sie einzufordern. Wohlwollendes Desinteresse entgegenzubringen, das ist zu wenig.
Überall bei uns im Land gibt es Mahnmale zur Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewalt. Das beste Denkmal aber, das wir uns selbst schaffen können, ist der Aufbau einer Welt, die über alle Grenzen hinweg von Toleranz, gegenseitiger Achtung und Humanität geprägt ist.
Von Theodor Heuss stammen die Worte:
„Sorgt ihr, die ihr noch im Leben steht, dass Frieden bleibe. Frieden zwischen den Menschen, Friede zwischen den Völkern.“

Pfarrer Torsten Ret ging von einer Lesung aus dem ersten Johannesbrief mit einem Aufruf zur Bruderliebe aus Diese Lesung bekomme in unseren Tagen einen ganz anderen Geschmack. Wir lebten seit vielen Jahren im Frieden und uns gehe es gut. Die Toten vor Lampedusa aber und die vielen Tausenden unter Krieg weltweit Leidenden lösten vielleicht noch eine Betroffenheit aus, aber zu viele Bilder, zu viele Nachrichten seien es, die uns täglich erreichten: Unruhe, Unfrieden, Hass, Gewalttat.
Das betroffene Schweigen sei zu wenig. Wenn sich der Volkstrauertag nur um unsere eigene deutsche Geschichte drehe, sei das zu wenig.
Das öffentliche Begehen des Volkstrauertages seit nur dann sinnvoll, wenn wir damit zeigen: Mit uns soll es nie wieder Krieg geben!- und ich tu meinen Teil dazu. Wenn wir damit nicht nur mit Wort und Zunge die Kriege weltweit bedauerten und
verurteilten. Wir müssten vielmehr alles dafür tun, dass die Ursachen wie Ungerechtigkeit, Hunger und Armut beseitigt würden. Den Menschen aus den Kriegsgebieten sollten wir unsere Hilfe anbieten, damit sie für eine Zeit des Übergangs Schutz und Sicherheit erfahren können.
In einem Gebet bat Pfarrer Ret, dass Gott den Schrei nach Gerechtigkeit, Hoffnung und Freiheit für alle Unterdrückten, Ausgebeuteten, Verfolgten, Vertriebenen und Diskriminierten höre. Zur Melodie von "Ich hat einen Kameraden" legte der Bürgermeister einen Kranz nieder. Die Feierstunde endete mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne.

Ehrenwache standen Mitglieder von Rotem Kreuz und Freiwilliger Feuerwehr.

Einen herzlichen Dank richtete der Bürgermeister zum Ende an farrer Ret für die würdevolle pastorale Umrahmung der Feierstunde, ein Dankeschön ging an den Musikverein "Lyra" Reichenbach für die musikalische Umrahmung und an den Gesangverein "Concordia" Reichenbach für die Gesangsbeiträge. Einen ebenso einen herzlichen Dank richtete er an die Freiwillige Feuerwehr Reichenbach und die Ortsgruppe des Deutschen Roten Kreuzes aus Reichenbach für die feierliche Gestaltung, sowie ein Dank an die Gemeindegärtnerei für den gelungenen Blumenschmuck. Dank sagte er auch allen Waldbronnern für ihre Spende zu Gunsten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Im Anschluss an die zentrale Feier in Reichenbach wurden an den Ehrenmalen in Busen und Etzenrot ebenfalls Kränze niedergelegt.

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