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01.03.2013 Benefiz fürs Hospiz

Mit Erich Kästner durch deutsche Geschichte 

Sehr gut besucht war die Benefizveranstaltung zu Gunsten des Hospiz "Arista" mit Gerlinde Hämmerle und der Combo Symbadico.

In aller Eile wurden vor dem Benefizabend im Kurhaus noch Tische und Stühle herbeigeschafft. Niemand hatte nach dem eher schleppenden Vorverkauf mehr mit einer solchen Resonanz gerechnet. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen eher strahlende Minen zur Schau trugen angefangen von Gerlinde Hämmerle die bereits ihren Platz auf der Bühne eingenommen hatte über Helma Hofmeister vom Förderverein bis hin zum Hausherrn und Schirmherrn der Veranstaltung Bürgermeister Franz Masino.
Freudestrahlend "ob des überwältigenden Besuchs" begrüßte Waldbronns Bürgermeister alle Besucher. Sein besonderer Gruß galt Regierungspräsidentin i.R. Gerlinde Hämmerle und der Combo Symbadico des Regierungspräsidiums. Zunehmend würden Fragen zum humanen Sterben gestellt. Die Arbeit der Sterbebegleiter ob ehrenamtlich oder hauptberuflich, könne nicht hoch genug gewürdigt werden. Für seine Arbeit brauche das Hospiz Arista die volle Unterstützung.
Danach ging das weitere Programm auf die Bühne über. Hier stellte Gerlinde Hämmerle zuerst die "Combo Symbadico" vor, "keine Profis, alles hochqualifizierte Mitarbeiter des Regierungspräsidiums", wie sie sagte. Mitwirkende waren Birgit Kuisel (Trompete), Michael Ambrosoli (Akkordeon), Volker Eichhorn (Alt- und Tenorsaxophon), Manfred Etzkorn (Bass), Heinz Filippi (Schlagzeug), Siegfried Fischer und Volker Nelson (Gitarre) und Klaus Schäfer (Saxophon, Klarinette und Leiter der Band). Bei vielen Liedern griff auch Gerlinde Hämmerle selbst zur Gitarre.

Gerlinde Hämmerle (3.v.li.) rezitierte nicht nur, sie griff auch selbst zur Gitarre

Der Abend stand im Zeichen Erich Kästners. Aus seinen Texten, so Hämmerle in ihrer Einführung, könne man viel über Deutschlands Weg im vergangenen Jahrhundert erfahren. Vor alle schätze sei seine Epigramme, kleine sprachliche Kunstschöpfungen: "In vier oder manchmal auch nur drei Zeilen sagt Kästner mehr über einen Sachverhalt aus als lange Artikel."
Das Programm "Leben und leben lassen" lebte einmal von der fesselnden Vortragsweise Gerlinde Hämmerles, zum anderen aber auch von der "Combo Symbadico", die die Texte mit Musik aus der jeweiligen Zeit begleitete. Von "Folies Bergere" von Paul Lincke, über den "Original Charleston" von Jimmy Johnson, den Haifisch-Song von Kurt Weill bis hin zu einem Abba-Medley spannte sich der Bogen. Dazwischen waren auch die Besucher gefordert, sie wurden eingeladen, mitzusingen, so bei dem Lied "Zogen einst fünf wilde Schwäne" oder bei dem Hannes Wader Song "Heute hier, morgen dort".
Der erste Teil des Programms werde nicht heiter, kündigte Hämmerle an. Er drehte sich um die Jugend des 1899 in Dresden geborenen Schriftstellers, die geprägt war vom Ersten Weltkrieg. "Die Krieg hatte begonnen und meine Kindheit war zu Ende", schrieb Kästner. "Primaner in Uniform" und "Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn" waren eindrückliche Texte aus dieser Zeit. Unter den Nationalsozialisten wurden auch die Bücher Erich Kästners verbrannt. Kästner emigriert nicht, er bleibt in Deutschland und wird dafür scharf kritisiert, zum Beispiel von Thomas Mann. Der zweite Teil zeigte Kästner als Satiriker, der den Menschen seiner Zeit den Spiegel vorhielt, so beim "Maskenball im Hochgebirge" oder der "Entwicklung der Menschheit". Mit Kästner-Zitaten kam Gerlinde Hämmerle auch auf das Thema Hospiz so in dem Gedicht "Die zwei Gebote", wo Kästner formuliert:
"Liebe das Leben, und denk an den Tod!
tritt, wenn die Stunde da ist, stolz beiseite.
Einmal leben zu müssen,
heißt unser erstes Gebot.
Nur einmal leben zu dürfen,
lautet das zweite."
Eine kleine Korrektur gab es am Ende noch von Gerlinde Hämmerle: das i.R. hinter ihrem Namen bedeute nicht, wie vom Bürgermeister in der Begrüßung gesagt "im Ruhestand", sie interpretiere es immer als "in Rufweite". Für den Förderverein dankte Prof. Dieter Daub den Mitwirkenden und auch den Besuchern für ihr Kommen. Beide hätten damit zur Unterstützung des Hospizes beigetragen. Lang anhaltender Beifall dankte Gerlinde Hämmerle und der "Combo Symbadico" für einen gehaltvollen, gut gestalteten Abend.

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