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18.11.2012 Volkstrautertag 2012

Volkstrauertag muss Mahnung lebendig halten

Mitglieder von Freiwilliger Feuerwehr und Deutschem Roten Kreuz bildeten die Ehrenwache am Etzenroter Ehrenmal, wo Bürgermeister Franz Masino die Gedenkrede hielt.


Die Feierstunde der Gemeinde zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr am Ehrenmal bei der Etzenroter Kirche statt. Umrahmt wurde die Feier durch den Musikverein "Harmonie" Etzenrot unter der Stabführung von Ralf Wittmann.
Bürgermeister Franz Masino sagte in seiner Ansprache zum Volkstrauertag:
"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend!
67 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges fällt es vielen Menschen – insbesondere den jüngeren – schwer, die Bedeutung, die der Volkstrauertag für die Kriegs- und Nachkriegsgeneration hatte, zu begreifen oder gar zu teilen. Schon allein deshalb freue ich mich ganz besonders, dass auch einige Jugendliche und junge Erwachsene an dieser Veranstaltung teilnehmen. Denn es kann und darf nicht sein, dass der Volkstrauertag in nicht allzu ferner Zukunft ein Gedenktag ohne Volk wird. Zeitzeugen und noch direkt betroffene Nachkommen der Kriegsgeneration sterben aus, aber die Mahnung an uns Menschen muss gerade am Volkstrauertag lebendig bleiben. Die Selbstverständlichkeit an diesem Sonntag im November, wie an allen anderen Tagen des Jahres, in Frieden und Freiheit zu leben, dieses für uns Alle doch seit Jahrzehnten so Selbstverständliche, ist nicht selbstverständlich.
Es ist wichtig, heute am Volkstrauertag der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Es ist wichtig für uns, die wir uns hier in Etzenrot versammelt haben, gemeinsam an das Unrecht der Willkürherrschaft und an die Schrecken des Krieges, an das Leiden der Menschen, die verfolgt, verschleppt, vertrieben, gedemütigt, verwundet oder getötet wurden, zu erinnern. Die Unmenschlichkeit hatte unglaublich viele verschiedene Gesichter. Wir gedenken heute hier unserer Toten. Ausdrücklich schließen wir auch die Opfer der anderen Nationen in unser Gedenken mit ein.

Mit Fahnenabordnungen nahmen die Etzenroter Vereine an der Gedenkstunde zum Volkstrauertag teil.

Leider herrscht auch heute kein Frieden auf der Welt. Unser Blick geht nach Syrien in Nahost, nach Mali in Afrika. Dem Machtstreben oder dem Machterhalt einiger Potentaten werden tausende und abertausende Menschenleben geopfert. In stiller Ohnmacht stehen wir hier und gedenken auch dieser Opfer.
Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr leisten an der Seite verbündeter Streitkräfte einen gefährlichen Dienst im Ausland für den Frieden. Über 100 Bundeswehrangehörige haben dabei bisher ihr Leben verloren. Unser Gedenken am Volkstrauertag gilt auch diesen Opfern, und unsere Gedanken sind bei ihren Familien. Die Trauer der Angehörigen um die durch Krieg und Gewalt ums Leben gekommenen Menschen war in der Vergangenheit und ist auch heute unermesslich und überall in der Welt gleich.
Zwar neigen wir in zunehmendem Maße zum schnellen Vergessen und Verdrängen, doch zumindest an diesem Tag sollten wir innehalten und uns an das Leiden und Sterben während der Kriege und der Gewaltherrschaft erinnern. Das sind wir den Opfern schuldig.
Am heutigen Tag sollten wir nicht nur zurückblicken, um aus der Geschichte zu lernen sondern der Volkstrauertag fordert uns auf, unsere Zeit heute kritisch zu prüfen. Gerade in Bezug auf die vielen Vorurteile zwischen Nationen, Völkern, Rassen und Religionen. Diese müssen abgebaut werden. Dazu müssen Verbindungen, Freundschaften aufgebaut und gepflegt werden. Waldbronn kann stolz sein auf seine Partnerschaften mit Kommunen in Frankreich, Großbritannien, Polen und im Gebiet der früheren DDR. Das ist zumindest unser Beitrag zu Frieden und Freiheit in Europa.
Wie dankbar können wir sein, seit Jahrzehnten in Frieden und Freiheit zu leben. Der Volkstrauertag ist ein Tag der Selbstkritik und der Mahnung, aber auch der Hoffnung und Zuversicht für eine friedliche Zukunft auf der ganzen Welt.
Trotz des traurigen Gedenkens an Krieg und Gewalt am Volkstrauertag ist der Tag heute auch ein Tag der Hoffnung.
Der Sonntag ist nach unserem christlichen Verständnis der erste Tag einer neuen Woche. Er gibt uns immer wieder die Chance in einem christlichen Miteinander für Frieden und Freiheit zu kämpfen. Denn es gibt keinen gerechten Krieg und es gibt keine gerechte Gewalt. Tun wir etwas dagegen."
Um Frieden betete auch Pfarrer Torsten Ret, der betonte, dass wir mit vielen Menschen vereint um Frieden beten. Wer aber Frieden suche, appellierte Pfarrer Ret, müsse vorgefasste Meinungen zurücklassen und zu seiner eigenen Schuld stehen.

Der Musikverein "Harmonie" Etzenrot umrahmte die Feierstunde am Ehrenmal.

Am Ende dankte Bürgermeister Franz Masino allen, die zum Gelingen der Feierstunde beigetragen haben und schloss darin auch die Anwesenden mit ein. Er dankte auch den Vereinen, die wie der Musikverein die Feierstunde musikalisch umrahmten, oder wie Rotes Kreuz, Feuerwehr und Gesangverein mit Fahnenabordnungen zugegen waren. Für die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge bat er um eine Spende. Die stimmungsvolle Feierstunde klang aus mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne.
Im Anschluss an die Feierstunde wurden an den Ehrenmalen in Busenbach und Reichenbach ebenfalls Kränze zum Gedenken niedergelegt.

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