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06.05.2012 Lisztig vergriffen: WOW!

Kabarettistische Randnotizen zu Franz Liszt

Armin Fischer gastierte beim Kulturring mit seinem Programm "Lisztig vergriffen: WOW!"

Auf der Bühne des Kulturtreff steht ein Flügel, den eine Büste von Franz Liszt ziert. Armin Fischer betritt die Bühne in Frack und Fliege, wie ein Konzertpianist. Das ist aber nur ein Teil des Abends, gewissermaßen die mehr als virtuose Grundlage. Auf ihr baut Fischer ein umwerfend komisches Programm mit vielen musikalischen Verästelungen bis in unsere Tage.
Dabei verblüfft der Musikkabarettist bei der gut besuchten Veranstaltung des Kulturrings Waldbronn mit seinem pianistischen Können, das aber nie zum Selbstzweck wird, sondern immer augenzwinkernd konterkariert wird durch gesprochene Erläuterungen oder durch das pathetische Gehabe mancher Pianisten, das Fischer gekonnt karikiert: "Als ich klein war, wusste ich noch nicht, dass man das Interpretation nennt!"
Zu Beginn aber wurden er und die zahlreichen Gäste von Christina Rieker begrüßt, der Geschäftsführerin des Kulturring Waldbronn. Fischer gastiere bereits zum dritten Mal mit einem seiner Programme im Waldbronner Kulturtreff und die Resonanz zeige, dass er in Waldbronn inzwischen eine große Fangemeinde habe.
Dann aber war Armin Fischer an der Reihe. Franz Liszt, 1811 geboren, wäre heute ein Popstar. Daran erinnert Fischer immer wieder. Er beginnt mit einer "Kurzfassung der 2. Rhapsodie in cis-moll", bei der alle Stellen ausgelassen werden, die doppelt vorkommen. Dann unternimmt er eine Zeitreise, um die musikalischen Wurzeln Liszts offen zu legen. In Beethovens "Pour Eloise" mischt er auf der Mundharmonika Ennio Morricones "Spiel mir das Lied vom Tod", um schließlich in einem furiosen Kasatschok zu enden.

Auch rückwärts spielen geht, wenn man es kann... und Armin Fischer beherrscht diese Kunst meisterlich

Und so geht es heiter vergnüglich zur Freude der zahlreichen Zuschauer und Zuhörer weiter: Chopins Regentropfen-Prelude wird einhändig aus dem Regenschirm gespielt, und dass Schuberts Forelle zum Schluss verspeist wurde, machte Fischer musikalisch hörbar, und er fand Parallelen zwischen Schubert und Konstantin Wecker. Eingestreut war immer wieder typische Barmusik, wie er sie nach eigenem Bekunden bei Kreuzfahrten zum Besten gab.
Bei Liszts "Heiligem Franz über das Wasser wandelnd" entfesselt Fischer einen wahren Sturm und dann bekam auch Clayderman sein Fett weg, dessen "Pour Adeline" sich, wie Fischer bewies, mit zwei Fingern spielen lässt, wenn man sie "richtig einstellt".
Dass sich auch rückwärtsgewandt gekonnt Klavier spielen lässt, bewies Fischer. Atemberaubend im Tempo seine Czerny-Etüde mit verschiedenen Metronom-Einstellungen. Sein Keyboard entpuppte sich als Melodica –"ein modernes Instrument, mit Windkraft betrieben"- und mit Klavier und Melodica gleichzeitig erklang das berühmte "je t'aime".
Höhepunkt war aber der furiose Schluss, wo sich Fischer Musiktitel zurufen ließ und Musik von Grieg, Beethoven, Katchaturian und moderne Popsongs zu einer stupenden Einheit verschmolz. Für den lang anhaltenden Beifall bedankte sich Fischer mit zwei Zugaben.

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