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19.08.2011 Fachwerkhaus in Busenbach

Fränkische Hofanlage in Busenbach

Noch heute zeigt das Anwesen in der Ettlinger Straße 82 in Busenbach die typische fränkische Hofanlage mit Wohnhaus, Scheune im Hintergrund und Remise/Stallungen


Wer weiß, dass in der Ettlinger Straße in Busenbach eine klassische fränkische Hofanlage mit Wohnhaus, Scheune und Remise um den Innenhof steht? Wer weiß, dass sich genau in diesem Anwesen Ende des 18. Jahrhunderts wahrscheinlich ein Mord aus Eifersucht abgespielt hat? Das alles geschah in einem der ältesten Waldbronner Häuser, erbaut vor etwa 300 Jahren, das im heutigen Ortsteil Busenbach in der Ettlinger Straße 82 steht.
Erbaut wurde es wahrscheinlich 1710-1711. Darauf jedenfalls weist ein dendro-chronologisches Gutachten bei den Holzbalken hin, die 1710 geschlagen wurden. Da man damals nur sägefrisches Holz verarbeiten konnte, ist der Erstbezug des Hauses mit 1711 der wahrscheinlichste Termin. Im Feuerversicherungsbuch ist das Gebäude erstmals 1735 eingetragen.

Das wahrscheinlich 1711 erbaute
Fachwerkhaus, in dem sich früher auch eine
Gaststube und Fremdenzimmer befanden,
besitzt als typisches Merkmal noch heute
einen durchgehenden Balkon, einen so
genannten Umgang

Aber schon die Entstehungsgeschichte ist interessant. Erbaut wurde es nämlich von dem wohlhabenden Bauern Karl Marggraf aus dem Fränkischen, der vom Markgrafen Karl Wilhelm von Baden-Durlach zur Jagd eingeladen war. Dem Jagdgast gefiel es in der Durlacher Umgebung so gut, dass er beschloss, mit seiner Familie nach Busenbach zu übersiedeln. Sein Sohn baute zehn Jahre nach ihm und nach den gleichen Bauplänen schräg gegenüber am "Milchweg" die gleiche Hofanlage, die aber heute nicht mehr erhalten ist. Durch Realteilungen, die auch mitten durchs Haus gingen, und Anbauten war eine Rekonstruktion nicht mehr möglich. In den 90er Jahren blieb trotz zahlreicher Bemühungen durch die Gemeinde und den damaligen Bürgermeister Martin Altenbach nur der Abriss.
Dieses Schicksal blieb dem "Schwab Franze Haus" erspart, das bis 1980 in der Erbnachfolge der Familie Marggraf stand. Vor 1889 ist bei der Gemeinde noch eine Monika Schwab, geb. Marggraf bekannt, ab 1889 ist ein Franz Anton Schwab eingetragen.
1980 gelangte das gesamte Anwesen in den Besitz der Gemeinde Waldbronn, die mehrere Pläne mit dem Haus hatte. Als Standort des Bauhofs war es im Gespräch, Asylbewerber sollten hier untergebracht werden, richtig konkret war aber nur der Plan, das gesamte Ensemble abzureißen, um Platz für eine Straße zur Kinderschulstraße und mehrere Reihenhäuser zu schaffen. Durch einen Nachbarn wurde der Denkmalschutz eingeschaltet und das Anwesen unter Schutz gestellt. Nach langer Suche fand die Gemeinde 1983 in Franz Csernalabics einen Interessenten, der auch willens war, die hohen Auflagen des Denkmalsschutzes zu erfüllen.
Abgerissen werden durfte die Scheune, die den Hof hinten abschließt, allerdings mit der Auflage, sie in gleicher Kubatur wieder neu zu errichten. In ihr fand das heutige Wohnhaus Platz, das 1986 bezogen wurde. Am 7. Dezember 1991 wurde die gesamte Anlage eingeweiht. In ihr befinden sich heute drei Wohnungen, ein Büro und ein Ausstellungsraum. Die Kosten, so Franz Csernalabics, konnten durch zahlreiche Eigenleistungen und Zuschüsse vom Denkmalsamt gedrückt werden. Sein Vater war fast täglich auf der Baustelle und die Handwerkerfamilie mit Zimmermann und Malern half auch sonst zusammen.

Auf eine Mordtat, die sich wahrscheinlich
gegen Ende des 18. Jahrhunderts ereignet hat,
soll das Sühnekreuz vor dem Anwesen hinweisen

Das Haus hat aber eine interessante Geschichte. Neben der Landwirtschaft beherbergte das Gebäude auch eine Gaststätte mit Fremdenzimmern. In ihr soll Ende des 18. Jahrhunderts ein Kurier Napoleons übernachtet und mit einer Magd ein "Techtelmechtel" angefangen haben. Ein Knecht, der ebenfalls einen Blick auf die Magd geworfen hatte, war so eifersüchtig, dass er den Kurier mit der Axt erschlug. Daran erinnert wahrscheinlich das Sühnekreuz vor dem Haus. In den alten Büchern war auch festgeschrieben, dass der Eigentümer des Anwesens das Kruzifix zu unterhalten hatte.
In der Scheune, die auf der Südseite die Hofanlage abschließt, stand die erste Häckselmaschine in Busenbach, durch Pferde angetrieben, die hinter dem Haus im Kreis laufen mussten. Wenig bekannt ist auch, dass im Vorgarten des Fachwerkhauses ein heute zugeschütteter Brunnen ist, für den seit 1891 ein Brunnenrecht für die Gemeinde eingetragen war.

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