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10.04.2011 Lilian Huynen als Lola Blau

"Heute Abend: Lola Blau" mit Lilian Huynen

Lilian Huynen und Dieter Klug gastierten beim Kulturring mit "Lola Blau" von Georg Kreisler

Lilian Huynen vom Stadttheater Pforzheim und Dieter Klug, 1. Kapellmeister am Theater Annaberg, brachten in einem Gastspiel beim Kulturring Waldbronn mit "Lola Blau" Georg Kreislers "Musical für eine Schauspielerin" auf die Bühne des Kulturtreff. Es war nach dem Piaf-Abend die zweite Begegnung mit beiden Künstlern im Waldbronner Kulturtreff, der trotz starker Konkurrenz durch andere Veranstaltungen gut besucht war.
Georg Kreislers Solostück über das Leben der jüdischen Sängerin Lola Blau ist in seiner Erzählweise irgendwo zwischen Wahrheit und Illusion, Humor und Betroffenheit und viel Eigenbiografischem angesiedelt. Es zeichnet den Lebensweg einer jungen jüdischen Schauspielerin nach, die sich auf ihr erstes Engagement am Linzer Landestheater freut. Der Einmarsch Hitlers zerstört ihre Träume. Sie flieht in die Schweiz, um sich da mit ihrem Freund Leo zu treffen, wartet aber vergeblich. Um Geld zu verdienen singt Lola Blau in Nachtclubs. Die Ausweisung aus der Schweiz lässt nicht lange auf sich warten, aber schon kurz darauf erhält sie eine Einreisegenehmigung in die USA. Während der Überfahrt singt sie für die Passagiere der Ersten Klasse. Sie macht in Amerika Karriere als Sexsymbol, verdrängt jedoch ihre Einsamkeit mit Alkohol und Tabletten. In ihr werden immer mehr die Erinnerungen an Leo wach. Nach Ende des Krieges erhält sie einen Anruf von ihm. Sie kehrt sofort nach Wien zurück. Entsetzt von dem Anblick der Trümmer in ihrer Heimat wendet Lola sich von der unkritischen Bühne ab und geht zum Kabarett. Enttäuscht vom Starrsinn ihres Publikums, bleibt Lola Blau resignierend zurück.
Dieses Schicksal zeichnet Kreisler in 20 Liedern nach. Der Spannungsbogen erstreckt sich dabei zwischen dem freudigen "Im Theater ist was los" zu Beginn des Abends und dem resignierenden "Im Theater ist nichts los" gegen Ende, mit dem Lola beschließt sich vom Theater abzuwenden und auf die Kabarett-Bühne zu wechseln. Aber auch hier macht sich bald Frust breit, ausgedrückt in den Zeilen "Ich sing vom Frühling und von Liebeslust im Grünen, auch von Politikern und manchem krummen Ding. Die Leute lachen und sie klatschen wie Maschinen, aber ihnen ist es vollkommen egal, warum ich sing."
Dazwischen hat Kreisler einige seiner bekannt schwarzhumorigen Texte platziert, wie das bitterböse "Sie ist ein herrliches Weib" oder das Lied vom "Zweitältesten Frauenberuf: Dame". Die Texte um Emigration und Rückkehr waren von einer großen Nachdenklichkeit, fast schon Resignation gezeichnet.
Lilian Huynen braucht für dieses "Einfrauen-Musical" keine großen Versatzstücke. Ein Hut mit Zotteln, zwei Federboas und eine Schnapsflasche reichen. Mit Gestik, Mimik und einer anpassungsfähigen Stimme zeichnet sie die Station von Lola Blau eindrücklich nach. Am Klavier war ihr Dieter Klug nicht nur ein aufmerksamer musikalischer Begleiter, er war auch als Partner und Stichwortgeber und das in mehreren Dialekten, je nachdem wo die Szene gerade spielte. Lang anhaltender Beifall dankte beiden Künstlern für eine interessante Begegnung mit Georg Kreisler.

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