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05.02.2011 Hisako Kawamura beim Kulturring

Ein denkwürdiger Klavierabend im Kulturtreff

Die japanische Pianistin Hisako Kawamura gab einen zu Recht umjubelten Klavierabend beim Kulturring Waldbronn

Um es vorwegzunehmen: Der vom Kulturring veranstaltete und von einer Waldbronner Mitbürgerin großzügig gesponserte Klavierabend mit Hisako Kawamura wird als etwas Besonderes, vom Konzertalltag Abgehobenes in Erinnerung bleiben. So sahen das wohl auch die begeisterten Zuhörer im nahezu voll besetzten Saal des Kulturtreffs. Schon das Programm ging ungewohnte Wege. Abgesehen von einem wunschkonzertgängigen Liebestraum (Nr. 3) von Franz Liszt offerierte es überwiegend Kompositionen, denen man heute im Konzertsaal - aus welchen Gründen auch immer - nur noch selten  begegnet. Vollends ungewöhnlich aber war die Art und Weise, wie die Pianistin diese kleinen, größeren und teils bis in großmächtige Klangdimensionen hinein gesteigerten Raritäten ins rechte Licht rückte.
Da ging es bei der einem Gedicht Victor Hugos folgenden Dante-Sonate von Franz Liszt nicht nur um eine Demonstration pianistischer Allmacht, die Frau Kawamura überhaupt keine Mühe zu machen schien; ihr ging es noch viel mehr darum, in dem eher vordergründigen Virtuosenglanz die ganze Skala von Licht und Schatten, von Empfindungen und Erregungen zwischen Inferno und Paradies im Klavierklang so aufscheinen zu lassen, dass die Zuhörer dieses kompositionstechnische Wundergebilde als ein Hauptwerk musikalischer Romantik erleben und begreifen durften. Ähnlich nachhaltige Eindrücke hatte zuvor schon Johann Sebastian Bachs Chaconne aus der Partita Nr. 2 für Violine solo vermittelt, die Ferruccio Busonis Klavier-Bearbeitung zu bisweilen geradezu orchestraler Harmonie- und Klangfülle aufmischte. Gleichwohl entglitt Hisakos Kawamuras Interpretation nirgendwo ins Massige, sondern war stets bis in die feinste Detailzeichnung durchhörbar. Diese Qualität blieb dann wie selbstverständlich Franz Liszts Bearbeitung der Schlussszene von Richard Wagners Oper „Tristan und Ilsolde“ erhalten.
Ihre noble künstlerische Haltung, die Delikatesse ihres Klavierspiels, ihr feinfühliges Hinter-die-Noten-Hören brachte die Pianistin vollends mit Franz Liszts Bearbeitungen von Schubert- und Schumann-Liedern sowie mit den Klavierstücken op. 3 des hier noch auf dem Tugendpfad der Tradition verweilenden 16-jährigen Gymnasiasten Richard Strauss zur Geltung. Schöner und bewegender hätte der Abend jedoch nicht beginnen und enden können als mit Bearbeitungen eines Chorals und eines Kantatensatzes von Bach. Da weckte die schlichte, beseelte Klangrede Frau Kawamuras gar Erinnerungen an große Vorbilder des letzten Jahrhunderts, die – wie etwa Wilhelm Kempff - mit Bach-Transkriptionen auf ihre jeweils eigene Weise kleine Wunder vollbrachten.

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