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14.11.2010 MV Etzenrot: Kirchenkonzert

Musik aus fünf Jahrhunderten

Musik aus fünf Jahrhunderten boten Michael Weber und die Musiker des Musikverein "Harmonie" Etzenrot bei ihrem Kirchenkonzert


Zum Abschluss des 90. Geburtstagsjahres gestaltete der Musikverein "Harmonie" Etzenrot ein Kirchenkonzert. Hoch erfreulich war nicht nur die musikalische Seite, ebenso fällt positiv ins Gewicht, dass auf Eintritt verzichtet wurde und die Zuhörer am Schluss mit ihrer Spende von insgesamt 1046,21 €uro die Mukoviszidose Stiftung unterstützten. Über diese immer noch unheilbare Krankheit wurden die Besucher während des Konzerts unterrichtet. Ein Wehmutstropfen war allerdings, dass es der letzte Auftritt von Dirigent Michael Weber mit den Etzenroter Musikern war. Durch das Programm führte Ralf Wittmann, der auch die Zuhörer und unter ihnen Bürgermeister Franz Masino begrüßte.
Michael Weber, so Ralf Wittmann in seinen Dankesworten, übernahm den Etzenroter Musikverein im Jahr 2000. Schon bei seiner Verpflichtung habe er angekündigt, dass er seine Tätigkeit auf zehn Jahre begrenzen wolle. Länger solle ein Dirigent nach seiner Meinung nicht bei einem Verein tätig sein. Die aktiven Musiker hätten in dieser Zeit Weber als akribischen Arbeiter kennengelernt, der mit Mittelmaß nie zufrieden war. Dies sei sicher einer der Gründe, warum sich das Orchester in den zurückliegenden musikalisch enorm weiter entwickelte. "Michael Weber war, ist und bleibt unser Freunde", sagte Wittmann, ehe er selbst zum Taktstock griff und den Choral "Es blüht der Blumen eine" dirigierte, eines der Lieblingsstücke von Michael Weber, der sehr oft in den Proben Choräle zum Einspielen nutzte. Ebenfalls verabschiedet wurde nach 55 Jahren im Orchester Josef Breinlinger, Erich Müller war 50 Jahre beim Etzenroter Musikverein aktiv.

Ralf Wittmann verabschiedete im Konzert Michael Weber (re.), der nach zehn Jahren den Musikverein "Harmonie" Etzenrot verlässt

Für das Kirchenkonzert hatte Michael Weber Musik aus fünf Jahrhunderten zusammengestellt, die auch chronologisch erklang. Dabei zeigte sich zum wiederholten Male, dass unter Michael Weber die einzelnen Werke in ihrer musikalischen Originalität dynamisch exakt ausgearbeitet und transparent erklingen, wenn auch bei manchen -jedoch immer kultivierten- Fortis der Kirchenraum fast zu klein schien für die Klangfülle, die die 42 Musikerinnen und Musiker entfalten konnten.
Mittelalterliche Motive von drei im 16. Jahrhundert lebenden Komponisten hatte Jan de Haan in seiner viersätzigen "Suite 1500" verwendet. Ihr folgte, schön ausmusiziert, "Marche pour la ceremonie des Turcs" von Jean-Baptiste Lully aus dem Jahr 1670. Oft bei Hochzeiten zu hören ist der Kanon von Pachelbel aus dem Jahr 1689. Hier wird das Thema zuerst durch die Tuba vorgetragen und nach und nach fallen die übrigen Instrumente ein, bis sich das Ganze zu einem jubelnden Forte steigert. Nicht fehlen durfte auch Georg Friedrich Händel mit "Let me weep", einer Arie aus seiner Oper "Rinaldo", die 1711 entstand. Den barocken Schlusspunkt setzte Weber mit der Arie "Bist du bei mir" von Johann Sebastian Bach, die der Thomaskantor um das Jahr 1734 komponiert hat.
Von Ludwig van Beethoven erklang danach der "Türkische Marsch", der leichtfüßig daherkam und mit schöner Steigerung von Michael Weber und seinen Musikern bis hin zum leisen Verdämmern gespielt wurde. Mit voller Wucht erklang zum offiziellen Abschluss des Programms die Filmmusik zu "Exodus". Die Zuhörer in der voll besetzten Herz Jesu-Kirche dankten den Musikern bereits nach den einzelnen Stücken mit lebhaftem Beifall. So blieben am Schluss Zugaben nicht aus. Zuerst "My secret lovesong" von Kees Vlak, mit dem Flügelhorn-Solo, tonschön von der Empore aus gespielt von Stephan Gremsperger. Nach diesem gefühlvollen Liebeslied verabschiedeten sich die Etzenroter Musiker von ihren Zuhörern und Michael Weber von seinen Musikern mit der Ballade "Too much love will kill you" der Rockgruppe Queen.
Nachdem Michael Weber mit Standing Ovations verabschiedet wurde, wird nun zunächst Ralf Wittmann die Leitung des Orchesters übernehmen. Für die Suche nach einem "Nachfolger, der genau zum Orchester passt", wolle man sich jedenfalls die nötige Zeit nehmen. Wittmann versäumte es aber nicht, schon bei diesem Konzert auf das nächste "Konzert zum Frühlingsanfang" hinzuweisen, das auf jeden Fall am 20. März 2011 im Etzenroter Gesellschaftshaus stattfinden wird.

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