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28.07.2010 Gemeinderat über Wald informiert

"Zukunftsbäume" weiter entwickeln

Revierförster Josef Mayer weist hier auf Schwierigkeiten alleinstehender Buchen hin. Die Buche im Hintergrund hat es bisher auf 160 Jahre gebracht

Um "Zukunftsbäume" und "Bedränger", um Naturverjüngung und Waldrandpflege ging es bei der jährlichen Waldbegehung des Waldbronner Gemeinderats. Dabei erläuterten Forstamtsleiter Thomas Rupp und Revierförster Josef Mayer den Gemeinderäten und zahlreichen Bürgern vor Ort die Situation. Neu war bei der diesjährigen Waldbegehung, dass es teilweise heftig regnete. An eine solche Wetterlage konnten sich selbst altgediente Gemeinderäte nicht erinnern.
An den Waldrändern solle eine stabile, stufige und artenreiche Zone den Übergang zur freien Landschaft herstellen. Waldränder, in Waldbronn summieren sie sich auf 20 km, sind aber auch unter sicherheitsrelevanten Aspekten zu behandeln. Bei der Ausdehnung der Wohngebiete wurde oft der Waldabstand von 30 m unterschritten, so eine Situation in Etzenrot. Die  Nähe des Waldes werde zunächst als angenehm empfunden, aber die Bäume wachsen und dann gehe es nicht mehr ohne größere Eingriffe ab. Eine regelmäßige Inaugenscheinnahme finde hier statt, um auch die Verkehrssicherungspflicht zu erfüllen. Da sich hier Anwohner an die Gemeinde gewendet hatten, sagte Bürgermeister Franz Masino mit Zustimmung der Forstleute eine Überprüfung der Situation für den Herbst zu.

An mehreren Stationen im Waldbronner Gemeindewald erläuterten Forstamtsleiter Thomas Rupp und Revierförster Josef Mayer Gemeinderäten und Bürgern die Situation, hier Alteichen am Waldrand

"Zukunftsbäume" sind mit einem gelben Ring markiert. Sie sollen weiter entwickelt werden. Auf der alten Deponie in Etzenrot ist das vor allem der Spitzahorn. "Bedränger" aber, die diesen Bäumen das Licht nehmen, werden rot markiert und herausgenommen. Zweimal jährlich finden solche Durchforstungen statt, erfuhren die Gemeinderäte von den Forstleuten. Aber auch Altholzpflege ist am Waldrand wichtig. Dabei geht es vor allem um den Schutz der Alteichen. "Stehen lassen, solange sie gesund bleiben", sagte Mayer bei einer alten Eiche am Waldrand.
Bei Durchforstungen in einem von Sturm "Lothar" ausgedünnten Gebiet gehe es um das Ziel, dass Bereiche, die geschlossen sind, auch geschlossen bleiben. Offene Bereiche sollen durch gezielte Naturverjüngung oder Nachpflanzungen geschlossen werden. Besonders gefördert werden soll hier die Weißtanne. Dabei erläuterte Mayer auch die Preise für die einzelnen Holzarten. Gute Preise seien für Walnussstämme mit etwa 30 cm Durchmesser zu erzielen. Gezahlt werden hier bis zu 150 Euro für den Festmeter. Douglasien ohne Astung, so Mayer, bringen bis zu 170 Euro. Brennholz wird mit 48 Euro pro Festmeter abgegeben.
Hier setzte Gerhard Knobloch (Bündnis 90/Die Grünen) mit Kritik an. Der Wald werde zu sehr unter dem Gesichtspunkt der Wirtschaftlichkeit gesehen, anderswo sei der Wald geschlossener. Die Forstleute hielten dagegen, dass durch die Entnahmen die Natur gefördert werde, da nur so bestimmte Bäume das zum Wachsen eminent wichtige Licht erhalten und die Chance bestehe, in Zukunft dicke und gesunde Bäume zu erhalten. Zu berücksichtigen sei auch, dass durch "Lothar" im Waldbronner Wald große Lücken entstanden.
Wie lange ein Baum stehen bleiben könne, erläuterten Rupp und Mayer anhand einer Buche, die etwa 160 Jahre alt sei. Buchen seien ab einem Alter von 80 Jahren anfällig für eine Rotkernbildung, die ab 130 Jahren sprunghaft zunehme, das Holz sei dann weniger wert. Der Zeitraum, in der der Rohstoff "Holz" nutzbar ist, liege bei der Buche bei 140 Jahren.
Die beiden Forstleute nannten aber auch konkrete Zahlen: 887 Festmeter Holz wurden zu Kosten von 22.000 Euro, einschließlich Nachhieben, eingeschlagen, pro Festmeter 24,83 Euro. Verkauft wurde der Festmeter für 54 Euro. Eine Lanze brach Mayer auch für Holz als Brennstoff, da es nur so viel CO2 abgebe, wie vorher gebunden wurde. In Zahlen bedeute das, dass durch einen Festmeter 315 l Öl und dadurch erheblich CO2 eingespart werden könne. Als Fazit zogen Rupp und Mayer, dass im Waldbronner Gemeindewald ein laufender Zuwachs stattfinde. Es werde deutlich weniger Holz eingeschlagen als nachwachse.
Einen Teil des Waldbronner Waldes solle zum Bannwald erklärt werden, regte Gerhard Knobloch an. Ein echter Bannwald, so Forstamtsleiter Thomas Trupp darauf, solle eine zusammenhängende Mindestgröße von 50 ha nicht unterschreiten. Der Waldbronner Wald sei dazu zu klein und verfüge nicht über solche zusammenhängenden Flächen. Außerdem seien entlang der Wege auch Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen.

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