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15.11.2009 Gedenktafel in Etzenrot

"Die Toten mahnen den Frieden"

Ergänzt durch eine Tafel mit den Namen aller Etzenroter Opfer des Zweiten Weltkriegs wurde das Ehrenmal bei der Herz-Jesu-Kirche

Unter einem besonderen Vorzeichen stand in diesem Jahr die zentrale Gedenkfeier der Gemeinde beim Etzenroter Ehrenmal. Eingeweiht wurde die Tafel, die die 46 Opfer des Zweiten Weltkriegs aus Etzenrot namentlich nennt. Nachdem in den beiden anderen Ortsteilen solche Tafeln vorhanden waren, bildete sich auf Anregung von Willi Becker die Etzenroter Initiative. Umrahmt wurde die Feierstunde durch den Musikverein "Harmonie" Etzenrot unter der Leitung von Michael Weber.
Die Ansprache hielt Bürgermeister Franz Masino, der ausführte:
"Meine sehr geehrten Damen und Herren,
liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger
Ich darf Sie heute, am 15. November 2009, 91 Jahre seit Ende des 1. Weltkrieges, 70 Jahre seit Beginn und 64 Jahre seit Ende des Zweiten Weltkrieges, zu unserer alljährlich stattfindenden Gedenkfeier am Volkstrauertag und dieses Jahr in Etzenrot, recht herzlich begrüßen.
Mein besonderer Gruß gilt Ihnen, liebe Frau Pfarrerin Roller und Ihnen, lieber Herr Pfarrer Peisker, die Sie Beide das neue Ehrenmal einweihen werden.
Begrüßen darf ich auch die Herren der Etzenroter Initiative für die Namenstafeln, welche da sind:
Herr Willi Becker, Herr Josef Breinlinger, Herr Alfons Kiecherer, Herr Alfons Lumpp, Herr Walter Rabold, Herr Erhard Schück und Herr Gebhard Ziegler.
In dieser Reihe möchte ich auch Herrn Huber, Bildhauer aus Oberkirch, nennen. Sie Herr Huber haben in Zusammenarbeit mit der vorgenannten Initiative und nach einem Modell unseres Mitbürgers Erich Mangler von der Firma Modellbau Mangler, diese Namenstafeln geschaffen und gesetzt. Seien Sie Beide herzlich begrüßt.
Weiter begrüßen möchte ich unseren Ehrenbürger Martin Altenbach, unsere Bürgermeisterstellvertreter, sowie die anwesenden Damen und Herren des Gemeinderats.
Zuletzt, aber dafür nicht weniger herzlich begrüße ich alle Mitbürgerinnen und Mitbürger. Schön dass sie dieser Feierstunde beiwohnen wollen.
Heute begehen wir den Volkstrauertag. Ein Tag des Gedenkens, aber auch der Mahnung. Gemeinsam halten wir an diesem Tag die Erinnerungen wach und rufen uns das dunkelste Kapitel unserer Geschichte ins Gedächtnis. Wir gedenken der Opfer von Krieg und Gewalt, von Völkermord, Verfolgung und Vertreibung, aber auch des Widerstands.

Viele Bürger Waldbronns nahmen an der Gedenkfeier in Etzenrot teil

Wir erinnern uns an das unsägliche Leid, das Millionen Menschen in unserem Land und in anderen Teilen der Erde zugefügt wurde.
Niemals dürfen wir damit aufhören, uns die Sinnlosigkeit von Krieg und Gewalt vor Augen zu führen. Der Volkstrauertag hat seine uneingeschränkte Berechtigung, denn er mahnt die heutige Generation zum Frieden. Auch wenn bei uns in Europa die Grenzen verschwimmen und der Friedensprozess keiner Ermahnung zu bedürfen scheint: Jahr für Jahr erinnert uns der Volkstrauertag dass Frieden und Versöhnung keine Selbstverständlichkeit sind. Vielmehr fordert gerade dieser Tag uns alle dazu auf, nicht nachzulassen in unseren Bemühungen um Frieden und Freiheit.
Freundschaften, Partnerschaften im Inland wie auch ins benachbarte Ausland müssen gehegt und gepflegt werden. Menschen die diese Gedanken leben sind ein wichtiger Bestandteil für den Frieden.
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, bedenken wir an diesem Tag, um wie vieles diese Welt menschlicher und lebenswerter wäre, wenn es endlich gelingen könnte, Terror, Gewalt und Krieg schon in ihren Ansätzen zu ersticken. Dies wünschen sich zwar sehr viele Menschen, die Realität sieht aber leider anders aus. Nahezu täglich wird darüber in den Medien berichtet: über Soldaten der Bundeswehr, die in Kriegen fern der Heimat, die sie nicht zu führen haben, gefallen sind.
Auch Polizisten wurden außerhalb Deutschlands im dienstlichen Einsatz getötet. Somit beschränkt sich das Gedenken sowie das Mahnen nach Frieden leider nicht allein auf die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts.
Wir können nicht dankbar genug sein, dass Deutschland seit mehr als 64 Jahren Frieden hat. Doch dürfen wir auch nicht vergessen, dass sich dieser Frieden mit einer Verantwortung verbindet. So wie für uns das Recht auf Frieden und Freiheit selbstverständlich geworden ist, dürfen wir nicht nachlassen, es für andere Staaten zu fordern, die es nicht haben. Wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass diese Welt mit uns Menschen eine andere, eine bessere werden kann.
Gegen das Vergessen und um uns Menschen daran zu erinnern, dass Gott uns die Freiheit geschenkt zu wählen zwischen Gut und Böse, zwischen Vertrauen und Angst, auch dafür stehen unsere Gedenkstätten und Mahnmale.

Walter Rabold (li.) und Bürgermeister Franz Masino hielten bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag die Ansprachen

Der Toten zu gedenken heißt auch, ihnen Aufmerksamkeit zu schenken und sich Gedanken zu machen. Die Toten haben es verdient, dass wir ihrer gedenken, und wir haben die Pflicht, darum zu bemühen, dass so etwas oder vergleichbares nie wieder geschieht.
Als Mahnung, Erinnerung und Auftrag steht diese neue Namenstafel für die Gefallenen des letzten Weltkriegs. Tod und unsägliches Leid hat dieser Zweite Weltkrieg in die Etzenroter Familien gebracht. So wie in Reichenbach und seit einem Jahr in Busenbach, wird uns mit dieser Namenstafel der Irrsinn von Kriegen vor Augen geführt.
Wir, die Angehörigen der Nachkriegsgeneration, haben die moralische Verpflichtung, dafür zu sorgen, dass ihre Namen nicht vergessen werden, dass sie für immer in unserer Erinnerung bleiben. Ob wir sie gekannt haben oder nicht, ob wir mit ihnen verwandt sind oder nicht, die Toten des zweiten Weltkrieges sind Teil der Deutschen Geschichte und gehören zu unseren Wurzeln.
Deshalb ist es wichtig, Stätten zu haben um ihrer zu gedenken und nicht zu vergessen.
"Nicht die Erinnerung“, so schrieb unser ehemaliger Bundespräsident Richard von Weizsäcker“, sondern das Vergessen ist und bleibt die größte Gefahr.“
Dieser Gefahr wird mit diesen Namenstafeln in aller Deutlichkeit entgegen getreten. Wir Menschen brauchen solche Tafeln, solche Mahnmale, um uns an unsere wichtigste Aufgabe zu erinnern."

Segensgebet und Weihe durch Pfarrerin Bettina Roller (li.) und Pfarrer Bernd Peisker

Für die Initiative blickte sichtlich bewegt mit Walter Rabold ihr ältestes Mitglied zurück, der noch jeden der 46 Opfer eines "sinnlosen Krieges" persönlich kannte. Auch bei vielen Teilnehmern standen Tränen in den Augen, als Rabold die Namen von der Tafel verlas. Nachdem in den beiden anderen Ortsteilen solche Tafeln vorhanden waren, bildete sich auf Anregung von Willi Becker die Etzenroter Initiative, der außer ihm selbst noch Willi Becker, Josef Breinlinger, Alfons Kiecherer, Alfons Lumpp, Erhard Schück und Gebhard Ziegler angehörten. Bürgermeister Harald Ehrler und der Gemeinderat "mussten nicht erst überzeugt werden", sie stellten dafür 10.000 Euro zur Verfügung und Bürgermeister Franz Masino unterstützte das Projekt ohne Kompromiss weiter. Rabold mahnte, an der Gedenktafel nicht achtlos vorüberzugehen und zu bedenken, dass es gerade die heute oft gescholtenen Politiker waren, den "wir es verdanken, dass wir heute in Frieden leben und dass aus Erzfeinden Freunde wurden".

46 Namen verzeichnet die neugeschaffene Tafel

Gestaltet wurde der Gedenkstein von dem Oberkircher Bildhauer Michael Huber, die Vorlage für die Messingtafel fertigte Erich Mangler. Geweiht wurde es durch die Pfarrer Bettina Roller und Bernd Peisker, während Feuerwehr und Rotes Kreuz mit Fackeln Mahnwache standen.

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