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16.10.2009 rum un num bei der Sparkasse

Reich-Ranicki als "Stargast"

Harald Hurst (li.) und Gunzi Heil beim Jubiläumsabend der Sparkasse Ettlingen

Eine Bank, die älter ist als die Badische Revolution, "des is kei Bad Bank", spielte Harald Hurst zu Beginn auf den Anlass des Abends an. Die Jubiläumszahl 175 errechnete anschließend Gunzi Heil in einem unglaublich komplizierten Verfahren aus dem Tagesdatum. "rum un num" ging es dann bei Harald Hurst und Gunzi Heil im restlos ausverkauften Kurhaus Waldbronn. Ehe es aber soweit war, begrüßte Vorstandsvorsitzender Kurt Rößler die Anwesenden und unter ihnen besonders Waldbronns Ehrenbürger Martin Altenbach, sowie die Oberbürgermeister Gabriela Büssemaker (Ettlingen) und Sebastian Schrempp (Rheinstetten). Der Abend sei, so Rößler, auch ein Dank an die "Generation, die die Sparkasse zu dem gemacht hat, was wir heute sind". Der Abend war Teil der Veranstaltungsreihe zum 175-jährigen Jubiläum der Sparkasse Ettlingen.
Danach übernahmen dann Harald Hurst und Gunzi Heil das Kommando auf der Bühne. Ein Tisch mit einem Glas und einer Flasche Rotwein, eine alte, zerkratzte Flügelattrappe mit einem Keyboard drin und eine Puppenbühne, mehr brauchten die Beiden nicht, um einen höchst unterhaltsamen Abend zu gestalten, dem aber auch kritische Töne nicht fehlten. Beide zusammen, so jedenfalls der einhellige Tenor vieler Besucher, sind eine geballte Ladung badischer Power.
Harald Hurst lief in der ihm eigenen Art an diesem Abend zu Hochform auf. Mindestens so unterhaltsam wie seine Texte waren die immer mit einem Augenzwinkern gebrachten Überleitungen, mit denen er ungeheuer viel Lokalkolorit erzeugte. So, wenn er den guten Kontakt zur Sparkasse lobte: "wenn i was hab, renn i halt niwwer!", oder die Erinnerung an eine Lesung im BGH, dem "Freigehege in de Stadt" oder über ihren Auftritt bei SWR4 im Mannheimer Luisenpark, "einem Woodstock für ältere Leut" mit vielen Ohrwürmern. Das, so Hurst, seien so Lieder, wenn "ma net uffpasst, singt ma se selber mit". Oder sein Bekenntnis: "Wer heut kei Email-Adress hat, is sowas wie obdachlos!"
Und dazwischen dann die Hurstschen Texte, von den Anglizismen, die alle auf ing enden wie Freeclimbing, Mountainbiking, Bungee Jumping und dem Stoßseufzer: "Alle mache was G'fährliches, nur ich bin en Feigling!" Oder sein schon klassischer Kartoffelsalat oder die Erziehung früher, besser sollte es Dressur heißen, oder die Geschichte vom "Hocke und Schwitze". Auch einen Automatismus entdeckte Hurst bei sich: Wenn er abends heimkomme, mache er den Kühlschrank auf, weil das der Einzige Ort sei, wo um diese Zeit in Ettlingen noch Licht brenne.
So warfen sich die beiden zum Vergnügen der Zuhörer die Bälle zu. Gunzi Heil hatte viele seiner Texte spontan auf den Abend zugeschnitten, wie im Song "Jubiläum heut in Reichenbach"!, wo er den Saal nebst Dekoration unter die Lupe nahm –"selbst die Blumengestaltung ist in Sparkassen-Rot, nur mit ein wenig Commerzbank-Gelb". Zu sich selbst bekannte er, dass er schon früh mit dem Klavier als Beruf geliebäugelt habe, ihm aber zur Banklehre geraten wurde: "Bu, lern doch was Gscheits!". Die Zeiten hätten sich geändert, den gleichen Rat erhalte heute ein Jugendlicher, der Banker werden wolle.
Dazwischen brillierte Heil mit seinen Liedern. Hursts Kartoffelsalat zum Beispiel toppte er mühelos mit dem Lied vom Wurstsalat an Fasching. Oder sein Lied von der "Fee von der Schalterhalle", sie war eine Klasse für sich, "aber nicht für mich!"
Höhepunkte bei ihm neben vielen Anderen das Zwiegespräch zwischen Äffle und Pferdle mit dem Hafer- und Bananenblues in der Heilschen Fassung. Zur Hochform lief er aber am Schluss auf, als er mit Puppe und Tonfall von Reich-Ranicki den Abend insgesamt und die Sparkasse im Besonderen aufs Korn nahm, den Sparkassenprospekt mit durchaus kritischen Untertönen zerpflückte. Oder auf die Finanzkrise eingehend: "Das Geld ist nicht verloren, es gehört jetzt nur jemand Anderem!" Oder, ebenfalls aus dem Prospekt: Menschlich solle sie sein, die Sparkasse, aber Irren ist menschlich.
Nicht verwunderlich, dass das Ende für Viele viel zu schnell kam, obwohl der Zeiger bereits die elfte Stunde deutlich überschritten hatte. Die Zuhörer erklatschten sich mühelos zwei Zugaben, eine von Hurst und eine von Heil.

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