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02.10.2009 30 Jahre Heimatstuben

"Waisch noch Kalle domols"
30 Jahre Heimatstuben in Reichenbach

Das gesamte Team der Heimatstuben war beim Mundartabend auf der Bühne des Kulturtreff versammelt: (v.li.) Günther Sperl, Horst Weber, Stefan Becker, Reiner Kraft, Helmut Völkle, Waltraud Kieweg, Wally Anderer, Norbert Mayer, Helmut Scheib, Harald Jung und Kurt Bechtel


"E altes Haus, aber noch ganz jung", das sind die Heimatstuben im vor 307 Jahren erbauten Grimmschen Haus. Seit 30 Jahren haben sie dort ihr Domizil. Mit einem Mundartabend feierten jetzt die Heimatstübler den runden Geburtstag. Neben dem Eintritt wurde um eine Spende für das Indien-Projekt der Bäckerei Richard Nußbaumer gebeten.
Nicht in den Heimatstuben fand die Geburtstagsfeier statt, sondern im benachbarten Kulturtreff, und das war gut so. Denn die beiden Abende waren im Nu ausverkauft, und keiner der Heimatstubenfans brauchte sein Kommen zu bereuen. Viele Einrichtungsgegenstände aus den Heimatstuben waren für diesen Abend in den Kulturtreff gewandert. Und vom Programm her war es ein erweiterter Heimatabend, nur ohne Bauernvesper und Flammkuchen.

Für 30 Jahre Engagement in den Heimatstuben erhielt Helmut Scheib (re.) vom Vorsitzenden Helmut Völkle eine Ehrenurkunde

Reiner Kraft und seine Truppe liefen schnell zu Hochform auf. Lieder aus der alten Zeit mit dem Kultschlager der Heimatstuben "Waisch noch Kalle domols", der als Motto auch über dem Mundartabend stand. Vorgetragen oder begleitet wurden die Lieder von der Stubenmusik mit Kurt Bechtel, Harald Jung und Helmut Scheib, einem Heimatstübler fast der ersten Stunde. Er wurde vom Vorsitzenden Helmut Völkle mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. und die Zuhörer dankten ihm mit Standing Ovations.
Zwischen den Liedern, die sie auch gemeinsam mit ihrem Publikum sangen, kam immer wieder Heiteres oder Besinnliches aus der "guten alten Zeit", die so gut aber auch wieder nicht war, wenn man die Lebensverhältnisse der Menschen damals näher beleuchtete, wie es Reiner Kraft tat, um zum Schluss zu kommen, dass die Zeit nicht besser war, aber eben anders als heute. Jugenderinnerungen frischte Horst Weber als Drachenbauer oder Krautschneider auf. Ein Gedicht aus alter Zeit hatte Waltraud Kieweg parat. Heiteres und Besinnliches aus Alt-Reichenbach steuerte Stefan Becker bei. Günter Sperl klärte mit den Zuhörern alte Namen und veranstaltete mit den Zuhörern ein Quiz, wozu alte Gegenstände gut waren.

Lange stand das Gerüst an Heimatstuben
bis Helmut Scheib eingriff

Den Rückblick auf das Leben des Geburtstagskinds hielt Reiner Kraft. Bis 1969 bewohnt ging es in den Besitz der Gemeinde über. Damals suchte der 1992 verstorbene Etzenroter Kunsthandwerker Walter Schreier Räume für seine Aktivitäten. Bürgermeister Alfred Ohl stellte ihm dazu das leer stehende Haus in der Stuttgarter Straße 23 zur Verfügung, allerdings verbunden mit der Auflage, es zu renovieren und dort ein Museum einzurichten. In Norbert Schönherr, einem Zahntechniker, der 1982 verstarb, fand Schreier einen gleichgesinnten Partner. Bald erkannten jedoch beide, dass für die gestellte Aufgabe auch Handwerker erforderlich sind.
Helmut Scheib, Malermeister aus Reichenbach, war von der Idee angetan und stellte beiden sein Gerüst unentgeltlich zur Verfügung. Nachdem sich ein halbes Jahr nichts getan hatte, packte Scheib notgedrungen selbst mit an, um, wie er selbst schon erzählte, sein Gerüst endlich wiederzubekommen. Für die anfallenden Holzarbeiten konnte Schreinermeister Josef Taller, gestorben 1984, begeistert werden.

Walter Schreier legte oft selbst Hand an, wenn in den Heimatstuben etwas zu tun war

Das vierköpfige Team wirkte daraufhin drei Jahre lang mit rund 3.000 ehrenamtlich erbrachten Arbeitsstunden im Haus. Im Mai 1979 konnte schließlich das Museum eröffnet werden. Die Verleihung einer Medaille durch den damaligen Ministerpräsidenten Dr. Hans Filbinger waren die Anerkennung für diese "Kommunale Bürgeraktion". Helmut Scheib, noch einziger aktiver Mitbegründer, wurde 1989 für seine Verdienste auch mit der Landesehrennadel in Silber ausgezeichnet.
Heute sind die Heimatstuben vollständig eingerichtet, mit Küche, zwei Stuben, einer Spinnstube, Schlafkammer, Kinderzimmer und Geräteraum - so wie es früher in diesem Haus ausgesehen hatte. Viele der Einrichtungsgegenstände wurden von Waldbronner Bürgern zur Verfügung gestellt.

Beim ersten Heimatabend 1979 war Helmut Scheib (re.) schon aktiv dabei. Unter den Teilnehmern auch der damalige Bürgermeister Alfred Ohl (hinten li.).

Doch das Erreichte ließ die Vier nicht ruhen. Könnte man nicht in den Wintermonaten Heimatabende veranstalten? Bürgermeister Ohl war begeistert und hatte auch gleich das richtige Rezept: "Ein Wirtshaus darf's nicht werden!" Schnaps und Most, ein deftiges Vesper, Lieder und originelle Begebenheiten aus den alten Zeiten sollten das Programm markieren. Auch die Frage nach dem Most war bald geklärt: "Die Gemeinde hat viele Obstbäume, dieses Obst kann gesammelt werden!" Also machten sich die Heimatstübler daran Obst zu sammeln, wobei es, wie Helmut Scheib erzählt, auch zu einem kleinen Problem kam: "Einer meinte, alle Obstbäum ghören der Gemeinde!" Das Obst jedenfalls mosteten die Heimatstübler selbst und im September 1979 fand der erste Heimatabend statt.
Das Museum ist auf Anfrage bei Norbert Meyer, T. 07243-609-210 zu besichtigen. Auch die über den Winter stattfindenden Heimatabende können über Norbert Meyer angefragt und gebucht werden.

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