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13.09.2009 Partnerschaft mit Reda

Mit dem Jugendgemeinderat in Reda


Die gesamte Gruppe mit Betreuern, Bürgermeister Franz Masino und Gemeinderat Prof. Dr. Kristian Kroschel

Es hat lange gedauert, bis der Vorschlag von Monika Skazynska, in Reda verantwortlich für Presse und Werbung, umgesetzt wurde: Jugendliche aus Reda und Waldbronn sollten gemeinsam eine Webseite über ihre Heimatorte erstellen. Der vor einem Jahr im Rathaus von Waldbronn amtierende Chef hatte es nicht eilig und vom Jugendtreff kam auch keine Antwort. Anders die Mitglieder des neu gewählten Jugendgemeinderats und unser neuer Bürgermeister. Der Sprecher des Jugendgemeinderats, Michael Hild, lud zu einer Vorstellung des Projekts ein, einige Mitglieder des Jugendgemeinderats gaben gleich ihre Zusage zur Teilnahme an dem Projekt und Bürgermeister Franz Masino nahm das Projekt positiv auf.
Es fehlte nur noch die Finanzierung. Ein Antrag beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk in Potsdam, von Gemeinderat Dr. Kristian Kroschel zusammen mit den Jugendlichen  an einem langen Abend formuliert und von der Gemeindeverwaltung unbürokratisch unterzeichnet und schnell nach Potsdam – er musste drei Monate vor Antritt der Reise dort sein – geschickt, hatte Erfolg: Die Reisekosten wurden zugesagt und termingerecht an die Gemeinde überwiesen, die Partner in Reda erhielten Mittel zur Organisation des Projekts und eine Beihilfe für Unterkunft und Verpflegung der Besucher aus Waldbronn, der Rest wurde aus Mitteln von Reda bestritten.
Damit konnte die Reise stattfinden. Aber wo liegt Reda? Reda liegt in Kaschubien, in der Umgebung der drei Städte Danzig oder polnisch Gdansk, Sopot und Gdynia. Vor 12 Jahren wurde unter Bürgermeister Martin Altenbach auf dem Kurparkfest ein Dokument über die Zusammenarbeit mit Reda unterzeichnet. In der Zwischenzeit besuchte Bürgermeister Martin Altenbach gemeinsam mit Rektor Helmut Zahnleiter die polnische Gemeinde anlässlich der Namensgebung der Schule. Danach weilte eine Gruppe von Schülern aus Reda in Waldbronn und es fand ein Besuch von Bürgermeister Harald Ehrler mit Mitgliedern des Gemeinderats in Reda statt und eine kaschubische Folkloregruppe gastierte in unserem Kurhaus.

Die beiden Bürgermeister Krzysztof Krzeminski aus Reda (stehend) und Franz Masino beim Empfang im Rathaus von Reda

Am 7. September 2009 trafen sich 6 Mitglieder des Jugendgemeinderats mit dem Bürgermeister und Gemeinderat Dr. Kristian Kroschel vor dem Rathaus, um nach Hahn in der Eifel zu fahren und von dort mit einer Billigfluglinie nach Reda zu fliegen. Vom Flughafen Lech Walensa ging es in einer knappen Stunde nach Reda, wo die Unterbringung nach der herzlichen Begrüßung durch den Redaer Bürgermeister Krzysztof Krzeminski und Monika Skazynska in einem der Stadt Reda gehörenden Sport- und Freizeitzentrum erfolgte. Auf einem Empfang der Gruppe am Dienstag im Rathaus von Reda stellten sich beide Gemeinden in Anwesenheit der lokalen Presse durch Bildpräsenationen vor. Nach dem Austausch von Geschenken unterstrichen die beiden Bürgermeister den Willen zu einer vertieften Kooperation, insbesondere durch Begegnungen von Jugendlichen. Die gemeinsam von Redaer und Waldbronner Jugendlichen zu erstellende Webseite  soll ein erster Schritt auf diesem Wege sein.
Das Besichtigungsprogramm, das in Zusammenarbeit beider Partner erstellt wurde,  führte an geschichtsträchtige Orte Kaschubiens. So konnte man in Puck – auf Deutsch Putzig, ein Name der den Jugendlichen lange in Erinnerung bleiben wird – eine Kirche sehen, die aus der Zeit des Deutschen Ritterordens stammt, oder in Krokowa/Krokow das gut restaurierte und eine deutsch-polnische Begegnungsstätte beherbergende Herrenhaus der Krokows besichtigen. All diese Orte liegen im so genannten polnischen Korridor, der nach dem ersten Weltkrieg das deutsche Pommern von der Freien Stadt Danzig mit Zoppot trennte. Geschichte wurde auch auf der Halbinsel Hel/Hela an Befestigungsanlagen der deutschen Wehrmacht deutlich, die heute in ein Museum einbezogen sind. Ein besonders schönes Erlebnis nicht weit davon war das Bad in der fast glasklaren Ostsee bei angenehmer Temperatur und sanftem Wellengang.. Geschichte wurde auch in Szymbark im südlichen Kaschubien an den Nachbauten von Lagern in Sibirien erlebbar, in die viele Polen nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee in den Ostteil des damaligen Polens im September 1939 verschleppt wurden. Das dortige Museum zeigte viel von der Volkskunst der Kaschuben und ihrer Heimatverbundenheit, die sich in jährlichen Treffen von nach Kanada auegewanderten Kaschuben in ihrer alten Heimat manifestiert. Wir Baden-Württemberger wunderten uns über die vielen schwarz-gelben Fahnen dort und erfuhren, dass dies auch die Farben der Kuschuben sind. In Szymbark werden heute attraktive Holzhäuser gefertigt, deren Rohmaterial aus den ausgedehnten Wäldern des südlichen Kaschubiens stammt. Besichtigt wurden auch die Städte Danzig/Gdansk, Zoppot/Sopot und Gdingen/Gdynia, die das wirtschaftliche und touristische Herz der Region darstellen. Wie im Norden Deutschlands hat die dortige Werftindustrie große Probleme, so dass man neue Industrien anzusiedeln sucht. Gelungen ist der Aufstieg von Sopot zu einem quirligen Touristenzentrum mit neuen Hotels der Oberklasse, einen Neubau des Kurhauses und der alten Mole, die gut einen halben Kilometer in die Danziger Bucht reicht und damit die längste an der Ostsee ist.

Konzentrierte Arbeit an der Homepage, vorne rechts Michael Hild, der Vorsitzende des Waldbronner Jugendgemeinderats

Umrahmt wurden diese Besichtigungen durch Arbeiten der Jugendlichen an der Homepage, die sich u.a. mit dem Thema „Schule“ befasst. Die Texte sollen auf Polnisch und Deutsch erscheinen und wurden unter der Regie des Lehrers Lukasz Kaminski erstellt, der mit Englisch die sprachliche Brücke lieferte. Einen Höhepunkt der Begegnung stellte das Musical „Ein Freund vom lustigen Teufel“  dar, das in der Schule von Reda von Schülern der aller Stufen, von der Grundschule bis zum Gymnasium, vorgetragen wurde. Auch wenn man die polnischen Texte nicht verstand, konnte man sich an der schönen Inszenierung, der von Lehreren und Schülern selbst komponierten Musik erfreuen. Erstaunlich war dfabei, mit welchen einfachen Mittel das Stück inszeniert wurde.

Fertig! Die Ergebnisse werden präsentiert

Am Sonntag, dem 13. September, stellten die Jugendlichen erste Versionen der Homepage in Anwesenheit der beiden Bürgermeister vor und es wurden Möglichkeiten der künftigen Zusammenarbeit diskutiert. Auf die Zusammenarbeit der Schulen soll besonderes Gewicht gelegt werden, so dass zu hoffen ist, dass die Werkrealschule in Reichenbach, die Realschule und das Gymnasium in Langensteinbach dies unterstützen. Reda hat mit einer Schule in Zwolle in den Niederlanden eine langjährige, gut funktionierende Zusammenarbeit, die als Modell dienen kann. Auch die Begegnung von Erwachsenen – z.B. Künstlern oder Vereinen – soll nicht vergessen werden, wie Bürgermeister Franz Masino in seinem Beitrag betonte. Schließlich kann man die Partnerschaften von Reda  mit Orten in Masovien und Schlesien sowie die von Waldbronn mit Esternay, St. Gervais, Monmouth und Stadtilm mit in die Kooperation einbeziehen. Für derartige, auf drei Ländern beruhenden Partnerschaften kann man Hilfen der Europäischen Union erhalten.
Nach einem gemeinsamen Essen im Restaurant kam der Abschied, der bei den Jugendlichen mit vielen Umarmungen, bei den offiziellen Vertretern der beiden Gemeinden von der Zusicherung, die Zusammenarbeit zu vertiefen, begleitet war und Bürgermeister Franz Masino lud seinen Kollegen mit Vertretern des Redaer Gemeinderats zu einem Gegenbesuch nach Waldbronn ein. Für deutsche Zungen ist Polnisch eine echte Herausforderung, aber einige Jugendliche aus Waldbronn verabschiedeten sich schon mit "do widzenia“ – auf Wiedersehen! 
(Text: Prof. Dr. K. Kroschel)

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