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19.09.2008 Naturklassenzimmer übergeben

Naturschutz spielerisch und in der Praxis

Auch die Klassen neun der Albert-Schweitzer-Schule waren zur offiziellen Einweihung gekommen. Sie hatten zusammen mit ihrem Lehrer Bernhard Löhlein die Mauern errichtet

Wenn Schülerinnen und Schüler in der Feldflur Holz stapeln, Hecken pflanzen, Reisig zu einem Haufen auftürmen oder aus Sandstein Naturmauern errichten, dann geht es um ein "Natur-Klassenzimmer". Die Idee dazu ist mehr als zwei Jahre alt und stammt von Hartmut Stech, dem Naturschutzwart des Schwarzwaldvereins Waldbronn.

Grundschüler der Anne-Frank-Schule vor dem Hinweisschild auf das Naturklassenzimmer mit den offiziellen Gästen (hinter Reihe v.li.) Carmen Eckert, Eugen Dieterle, Herbert Müller, Harald Ehrler, Ralph Schlusche, Bernhard Löhlein, Hartmut Stech, Peter Hepperle, Karola Keitel, Jens Puchelt, Isa Weinerth und Rolf Nold


Das Vorhaben, Naturschutz mit Jugendarbeit zu verbinden, fiel beim damaligen Vorsitzenden Kurt Moser auf fruchtbaren Boden, zumal dieser zuvor schon in Grünwettersbach ein ähnliches Projekt initiiert hatte. In mehreren Sitzungen mit Gemeinde und Vereinen wurde das Projekt vorgestellt. Als Gelände stellte die Gemeinde mit Bürgermeister Harald Ehrler den ehemaligen Motoballplatz zwischen Reichenbach und Langensteinbach gelegen, zur Verfügung, der durch Tausch mit dem MSC in das Eigentum der Gemeinde gekommen war. Die Fläche für das Naturklassenzimmer umfasst derzeit etwa 220 auf 140 m. Beteiligt an der Einrichtung haben neben Gemeinde und Schwarzwaldverein auch die Antares-Pfadfinder, der BUND Karlsbad-Waldbronn, die Jugendgruppe des Nabu und die Waldbronner Schulen.

Zwei Mauern legten Schüler der Albert-Schweitzer-Schule als Nistmöglichkeiten für viele Tierarten an. Sie sind teilweise schon "bezogen"

Ab November 2006 wurde dann auf dem Gelände gearbeitet. Es wurden Rodungen durchgeführt, Holz- und Baumaterialien galt es zu entsorgen, dabei leisteten die Pfadfinder wertvolle Hilfe. Aber auch der Bauhof und die Gärtnerei der Gemeinde unterstützten das Vorhaben, indem sie gefährliche Holzfällarbeiten übernahmen oder sogar an Samstagen Rodungsarbeiten durchführten.
Vor allem die Abschlussklassen der Albert-Schweitzer-Schule legten sich danach ins Zeug, wie Hartmut Stech und Schwarzwaldvereins-Vorsitzender Herbert Müller anerkennend feststellten. Sie bauten Mauern und legten Hecken an. So entstanden in insgesamt 700 freiwilligen Arbeitsstunden 53 Nistgelegenheiten im "Natur-Klassenzimmer", die zu den unterschiedlichsten Naturbeobachtungen einladen. Kleinsäuger, Vögel, zahlreiche Insekten, Igel bis hin zu Fledermäusen sollen hier einmal heimisch werden. Stolz ist Stech, darauf, dass einige Tierarten schon in ihre neuen Behausungen eingezogen sind. Diese Nistmöglichkeiten sollen dann von den Schülern gemeinsam mit dem Schwarzwaldverein betreut werden.

Mit einem Rucksack dankte Bürgermeister Harald Ehrler Hartmut Stech (li.), dem Initiator des Naturklassenzimmers, auch Herbert Müller (re.), Vorsitzender des Schwarzwaldvereins, erhielt dieses Utensil

Damit die Schüler bei ihrem Unterricht im "Natur-Klassenzimmer" aber auch ausruhen oder ihre Beobachtungen festhalten können, wurde auch eine Sitzgruppe eingebaut. Den Eichenstamm dazu stiftete der Forst, in einem Sägewerk in Ellmendingen wurde er passend zurechtgesägt und von Kurt Moser fachgerecht eingebaut.
Aber auch für die Zukunft ist noch Einiges zu tun. So ist gemeinsam mit dem Forst angedacht, in unmittelbarer Nachbarschaft zum "Natur-Klassenzimmer" einen Walderlebnispfad anzulegen.
"Wann kann ich hier einziehen?" schien der Turmfalke zu fragen, der zu Beginn der offiziellen Eröffnung des Naturklassenzimmers am Himmel seine Kreise zog. Er schien zu ahnen, dass dabei auch durch Bürgermeister Harald Ehrler und Vorsitzenden Herbert Müller in sieben Metern Höhe ein Turmfalkennest in einem der Bäume untergebracht wird.
Genutzt werden kann es jetzt von den Waldbronner Schulen. Es ist jetzt, wie Umweltbeauftragte Isa Weinerth sagte, ein fester Bestandteil des Agenda-Schulprojekts "Naturerfahrung für Kinder im Grundschulalter". Aber auch weitere Projekte für Kindergärten und Jugendgruppen sind hier möglich.
Herbert Müller, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Waldbronn, konnte in Vertretung des Landrats den ersten Landesbeamten Ralph Schlusche, den Präsidenten des Schwarzwaldvereins Eugen Dieterle, Waldbronns Bürgermeister Harald Ehrler und die Rektoren der drei Waldbronner Schulen begrüßen. Müller erinnerte an die Vorarbeiten gemeinsam mit den Schulen, dem Bauhof und der Gemeindegärtnerei.
Bürgermeister Harald Ehrler hob die Arbeit des Schwarzwaldvereins hervor, der neben dem Wandern immer stärker den Naturschutzgedanken pflege. Die Idee eines Naturklassenzimmers habe er sofort begeistert aufgegriffen. Das Gelände des ehemaligen Motoballplatzes, das brach lag, habe sich angeboten. Er hoffte, dass die Schulklassen das Klassenzimmer in der Natur eifrig nutzen.
Natur- und Landschaftsschutz werde immer wichtiger, betonte Erster Landesbeamter Ralph Schlusche. Jeder müsse die Natur kennen lernen, denn "schützen kann man nur, was man auch schätzt". "Das Naturklassenzimmer ist eine Gemeinschaftsaktion zu Gunsten des Naturschutzes", hob Eugen Dieterle, Präsident des Schwarzwaldvereins, hervor. Hier finde Naturschutz spielerisch und ohne Zwang in der Praxis statt. In Zeiten des Klimawandels müsse jeder seinen Beitrag leisten, um die Erderwärmung zu stoppen. Er hoffte und wünschte, dass das Naturklassenzimmer "nachhaltig" genutzt und gepflegt werde.
Danach unternahm dann Hartmut Stech mit den Grundschülern der Anne-Frank-Schule und den am Aufbau beteiligten Neuntklässlern der Albert-Schweitzer- Schule einen ersten Rundgang durch das Naturklassenzimmer. Dabei lauschten auch die "offiziellen" Gäste der Einweihung interessiert den Ausführungen Stechs.

Hartmut Stech, einer der Initiatoren des Waldbronner Naturklassenzimmers und Naturschutzbeauftragter beim Schwarzwaldverein Waldbronn, zeigt Grundschülern die ersten Bewohner eines Nistkastens für Insekten

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