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18.11.2007 Volkstrauertag 2007

Denkmal für Frieden unter den Völkern

Freiwillige Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz standen Ehrenwache bei der zentralen Waldbronner Gedenkstunde zum Volkstrauertag, die beim Gefallenehrenmal am Brunnenplatz stattfand

Fast an seinen alten Platz am Brunnenplatz zurückgekehrt ist das Gefallenenehrenmal, das vormals am Raiffeisenplatz stand. Dahin war es schon einmal "umgezogen", nachdem es vorher beim alten Reichenbacher Rathaus stand, nicht weit von seinem neuen Platz entfernt. So lag es nahe, in diesem Jahr die zentrale Waldbronner Gedenkfeier zum Volkstrauertag bei diesem Mahnmal abzuhalten. Im Rahmen der Feier wurde es von Pfarrerin Bettina Roller und Pfarrer Josef Dorbath gesegnet.
Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde durch den Gesangverein "Concordia" und den Musikverein "Lyra" Reichenbach. Restauriert hatte das Denkmal der Oberkircher Bildhauermeister Michael Huber. An den Frieden als höchstes Gut solle das Ehrenmal ständig erinnern. Huber schilderte den auf klassischen Elementen beruhenden Aufbau des Denkmals mit fein ausgearbeiteten Ornamenten. Auch der Adler an der Spitze sei eine gekonnte Treibarbeit. Die Instandsetzungsarbeiten bestanden darin, versandete Teile zu ersetzen. So wurde ein Profilbereich komplett ergänzt und fehlende Kleinteile an den Ornamenten und Buchstaben nachgearbeitet. "Mögen sich die nachfolgenden Generationen durch dieses Denkmal der Friedenspflicht verpflichtet fühlen", schloss Michael Huber.
Bürgermeister Harald Ehrler sagte in seiner Ansprache zum Volkstrauertag:
"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend!
Zur Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages begrüße ich Sie sehr herzlich und danke Ihnen, dass Sie zur heutigen Feierstunde gekommen sind. Wie auch in den Vorjahren wollen wir in unserer Gemeinde Waldbronn gemeinsam mit Ihnen, dem Gemeinderat und den mitwirkenden Vereinen und Vereinigungen, diese zentrale Feier begehen.
In diesem Jahr hat die Feierstunde am Volkstrauertag für uns in Waldbronn einen weiteren Hintergrund und ist damit von besonderer Bedeutung: Wir wollen heute das frisch renovierte und in der Nähe des ursprünglichen Standortes versetzte Denkmal einweihen und als Mahnmal für den Frieden der Öffentlichkeit freigeben. Dieser zentrale Platz ist genau der richtige Standort für dieses Denkmal und mit Sicherheit bekommt diese Stätte hier an der Reichenbacher Ortsdurchfahrt eine größere Beachtung geschenkt als auf dem Raiffeisenplatz an einer Wohnstraße. Einige Mitbürger haben sich für einen zentralen Standort und den Erhalt des Denkmal eingesetzt, die Mehrheit des Gemeinderates hat diese Pläne unterstützt und so haben wir jetzt eine neue Gedenkstätte inmitten von Reichenbach. Die beteiligten Handwerker und zuletzt die Gemeindegärtnerei haben sehr gute Arbeit geleistet, diese Anlage wurde wirklich sehr ansprechend gestaltet.
Die Feier zum heutigen Volkstrauertag ist der richtige Rahmen zur Einweihung durch unsere beiden Pfarrer, Frau Roller und Herr Dorbath. Ich danke dem Restaurator, Bildhauer Michael Huber aus Oberkirch, dass er später einige Sätze über das Denkmal zu uns sprechen wird. Woran soll uns das Denkmal erinnern, was können uns die Namen, die Botschaften und die Gestaltung der einzelnen Elemente noch mitteilen?

Bürgermeister Harald Ehrler bei seiner Ansprache zum Volkstrauertag

Es ist unsere Aufgabe, die Botschaft des Denkmals ernst zu nehmen, zu erinnern und zu mahnen. Das Denkmal kann nur Symbol sein, seine Aussage lebt nur in uns und durch uns. Vergangen ist die Vergangenheit nicht, aber je mehr sie vergessen wird, umso grausamer werden die Formen sein, in die sie sich verwandelt. Vergessen wir die Vergangenheit, schaffen wir neue Formen der Gewalt, weltweit.
Vergeben wir die Chance der weiteren Aussöhnung mit unseren Nachbarn und den Völkern in Europa, verspielen wir die Möglichkeit, die wir als erste Generation in Deutschland überhaupt haben, eine höhere Kultur eines friedvollen Miteinanders, eines menschenwürdigen Zusammenlebens in Frieden und Freiheit, als es unsere Eltern, Großeltern und deren Vorfahren hatten, zu erlangen.
Dieses Denkmal trägt die alte Inschrift: "Zur Erinnerung an die ruhmreichen Kämpfe der Großherzoglich-Badischen Felddivision im Kriege gegen Frankreich 1870/71, gewidmet von dem Militärverein und der Gemeinde Reichenbach.“
Aus Anlass der Renovierung und Wiederaufstellung dieses Denkmals haben wir von Gemeinde folgende Worte in den Sandsteinsockel meißeln lassen: "Dieses Ehrenmal wurde im Jahr 2007 nach erfolgter Renovierung  in der Nähe des ursprünglichen Platzes wieder aufgestellt. Es dient dem Gedenken der Opfer von Gewalt und Krieg und der Hoffnung auf Versöhnung der Völker und dem Frieden in der Welt. - Waldbronn, zum Volkstrauertag 2007.“
Um nicht zu vergessen, stellen wir Gemeinden solche Denkmäler auf und führen Feierstunden wie heute am Volkstrauertag durch. Wir legen im Anschluss an diese Feierstunde auch noch in Etzenrot und Busenbach Kränze an den Denkmälern nieder. Damit die gefallenen und vermissten Soldaten des 2. Weltkrieges aus Busenbach nicht ins Vergessen geraten, unterstütze ich ausdrücklich die vor kurzem ins Leben gerufene Initiative von Gedenktafeln auf dem Busenbacher Friedhof.
Der heutige Volkstrauertag ist für unsere Gesellschaft wichtig, die Botschaft des Friedens in unserer Gemeinde, unserem Land, in Europa und der ganzen Welt, quasi hinaus zu posaunen. Denn nur wenn immer wieder die Friedensbotschaften gepredigt werden, können wir auch Aktionen zum Frieden erleben und sogar mit gestalten.
So will ich Ihnen heute von einer jungen Abiturientin aus Waldbronn berichten, die seit Mitte September als Freiwillige im "centre de la memoire d´Oradur“ im Rahmen des Friedendienstprogramms der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. tätig ist. Dieser Verein setzt sich für eine Verständigung zwischen den Generationen, Kulturen, Religionen und Völkern ein. "Oradur sur Glane“ bei Limoges in der Mitte Frankreichs wurde am 10. Juni 1944 Tatort eines unbeschreiblichen Massakers durch die deutsche Waffen-SS. Ein Dorf wurde regelrecht dem Erdboden gleichgemacht und alle Menschenleben dort ausgelöscht; 642 Menschen, darunter 147 Kinder.
An diesem Ort des Schreckens wurde 1999 eine Gedenkstätte eingeweiht, dort wiederum führt unsere junge Waldbronnerin Gruppen durch die Ausstellung. Daneben ist sie wissenschaftlich tätig, recherchiert, übersetzt manche Texte vom Französischen ins Deutsche oder umgekehrt. Wie sie mir per Mail mitgeteilt hat, sei diese Tätigkeit im Rahmen eines freiwilligen Jahres für sie sehr intensiv, lehrreich, interessant aber auch sehr berührend. Sie schreibt mir, sie "möchte als Deutsche ihren Beitrag zur Erinnerungsarbeit leisten, um solche Geschehnisse in der Zukunft zu verhindern.“ Diesen persönlichen Einsatz finde ich bemerkenswert, sie verdient unser aller Dank und besondere Anerkennung.
Wenn wir uns nach weiteren Erinnerungsstätten umschauen, so entdecken wir z. B. gemeinsame Projekte mit Bundeswehrsoldaten und den Streitkräften auf Kriegsgräberstätten in Polen und Russland. Junge Soldaten pflegen gemeinsam die Gräber und Kreuze und tragen damit einen großen Beitrag zur Völkerverständigung bei. Gerade heute am Volkstrauertag sollten wir auch an die mehr als 7000 deutschen Soldaten denken, die zu Friedensmissionen in der ganzen Welt unterwegs sind.
Als Zeichen des Friedens und der Völkerverständigung sehe ich auch die Partnerschaften unserer Gemeinde, mit Frankreich, England oder Polen. Beachtenswert finde ich die Tatsache, dass bereits im Jahr 1968 die kleine Gemeinde Etzenrot die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich ernst genommen hat und die Partnerschaft mit Esternay in der Champagne begründet hat. Und das 23 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, wo sich Franzosen und Deutsche noch nicht so gut gegenüber standen, wie das heute zum Glück der Fall ist. Hierzu hat die Europäische Union viel beigetragen, ehemalige Feinde stehen heute als Freunde neben einander und bemühen sich mit großem Einsatz um Integration auch der neu hinzu gekommenen Staaten, z.B. aus dem Baltikum.
"Die Deutschen sind die Garanten für den Frieden in Europa“, das sagte ein Staatsoberhaupt beim letzten EU-Gipfel in Heiligendamm. Ja – es stimmt. Wir Deutschen wurden quasi in diese Rolle gedrängt, haben aber sehr schnell eigene Initiativen zur Friedensicherung in Europa und der Welt ergriffen. Hierbei soll auch der Einsatz des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge Beachtung finden, den wir gerne bei der jährlich im November stattfindenden Sammelaktion unterstützen.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem Männerchor vom Gesangverein Concordia Reichenbach  und dem Musikverein Lyra Reichenbach für die gesanglichen und musikalischen Beiträge, der Freiwilligen Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz für die Ehrenwache und Ihnen allen für Ihren Besuch.
Die heutige Feierstunde zum Volkstrauertag, die Einweihung und Öffnung des Denkmals, das Totengedenken und die Kranzniederlegungen und schließlich das gemeinsame Singen unserer Nationalhymne sollen als Botschaft des Friedens gesehen werden. Der ärgste Feind des Friedens ist das Vergessen.
Das Erinnern und Begreifen unserer Geschichte und damit der Vergangenheit hilft uns, die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft zu gestalten. Hierzu sind wir alle aufgerufen! Einigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden, soll die Zukunft aller Menschen dieser Erde bestimmen.
Auch wir in Waldbronn wollen hierzu unseren Beitrag leisten."
Die Gedenkfeier schloss mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit".

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