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28.10.2007 Winterreise beim Kulturring

Schuberts "Winterreise“ im Kulturtreff

Mit Franz Schuberts Liederzyklus „Die Winterreise“ haben sich namhafte Sänger oft ein Leben lang befasst und dabei immer wieder neue Färbungen in den Bildern einer Reise entdeckt, die kein Ziel mehr hat und uns an einer letzten Wanderschaft durch eine Welt der Entfremdung und Unbehaustheit Anteil nehmen lässt. Diese Lieder der Verzweiflung, von denen Schubert selbst sagte, sie hätten ihn weit mehr angegriffen als jede andere seiner Liedschöpfungen, stellen die beiden Interpreten, den Sänger wie den Pianisten, vor eine der anspruchsvollsten Aufgaben in diesem Fach. Dessen wohl eingedenk, versuchten der Bassbariton Clemens Morgenthaler und der Pianist Roland Uhl, die der Kulturring Waldbronn zu sich in den Kulturtreff eingeladen hatte, erst gar nicht, sich den Anschein eines über allen Schwierigkeiten stehenden Umgangs mit der „Winterreise“ zu geben. Umso sympathischer berührte es, wie sie das gewohnte räumliche Arrangement verändert hatten und in der Saalmitte die Zuhörer im Kreis um sich und um den Flügel versammelten – ganz so, als sei man wie bei einem Hauskonzert zu Freunden gekommen, die man mit Musik erfreuen wollte.
Zu erleben war eine sorgfältig erarbeitete und von Morgenthaler mit angenehmer, oft bemerkenswert schön aufblühender Stimme vorgetragene, von Uhl auch nicht nur beiläufig begleitete, sondern aufmerksam mitgestaltete Wiedergabe der 24 Lieder. Dass der Klavierpart oft zu laut wirkte, war möglicherweise dem ungewöhnlichen Umstand zuzuschreiben, dass der Pianist – anders als das Publikum - den unmittelbar neben ihm sitzenden (!) und ihm die Noten umblätternden Sänger akustisch am intensivsten wahrnahm. Dessen ungeachtet zeigten sich die erfreulich zahlreichen Zuhörer sehr dankbar für die relativ seltene Gelegenheit einer Wiederbegegnung mit der „Winterreise“, und die beiden Interpreten andererseits durften sich freuen, dass ihre redliche Bemühung um dieses Werk die verdiente Anerkennung fand.

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