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10.10.2007 Waldbegehung des Gemeinderats

Erholungsfunktion des Waldes hat Vorrang

Vor Ort erläuterte Johannes Fünfgeld, Forsteinrichter bei der Forstdirektion, Gemeinderäten und Bürgern die Situation im Waldbronner Wald

Über die Forsteinrichtungserneuerung hatte der Waldbronner Gemeinderat zu entscheiden. Das von der Forstverwaltung erarbeitete umfangreiche Planwerk wurde nach kurzer Diskussion einstimmig gebilligt. Der Debatte voraus ging eine Waldbegehung, bei der wesentliche Punkte vor Ort verdeutlicht wurden.
Von der Forstverwaltung standen neben Forstamtsleiter Thomas Rupp auch Gebietsleiter Paul Hepperle und Forsteinrichter Johannes Fünfgeld, beide von der Forstdirektion, sowie der "Mann vor Ort", Revierförster Josef Mayer den Gemeinderäten Rede und Antwort. Bürgermeister Harald Ehrler wies zu Beginn darauf hin, dass dieser Waldrundgang im Zusammenhang mit dem Forsteinrichtungswerk stehe, das die Holzbewirtschaftung im Waldbronner Gemeindewald für die kommenden zehn Jahre regle. Paul Hepperle ergänzte, dass seit 1833 die öffentlichen Waldbesitzer verpflichtet seien, in einem zehnjährigen Rhythmus die Forsteinrichtung zu erneuern. Dabei werde eine "Inventur" erstellt, die dann mit der letzten Inventur verglichen wird. Auf dieser Grundlage wird der Plan für die kommenden zehn Jahre entwickelt.
Danach erläuterte Johannes Fünfgeld die Waldbilder an mehreren Standorten. Zustand und Alter des Waldes kamen ebenso zur Sprache, wie Vorschläge für die weitere Pflege. Thomas Rupp sagte dazu, dass für den Waldbronner Wald typisch sei, dass seit dem Orkan "Lothar" Bäume unter einer mangelnden Wasserversorgung leiden. Dabei wurde betont, dass man nur dort eingreifen werde, wo der Gesundheitszustand von Bäumen kritisch sei. Dafür hatte Fünfgeld Beispiele parat, wie eine mächtige Buche, die durch "Lothar" freigestellt inzwischen von der Sonneneinstrahlung so geschädigt ist, dass sie gefällt werden muss.

Bei der Waldbegehung (v.li.) Forstamtsleiter Thomas Rupp, Gemeinderat Jens Puchelt, Protokollführerin Sabine Primoschitsch, Revierförster Josef Mayer, Bürgermeister Harald Ehrler, Johannes Fünfgeld und Bürgermeisterstellvertreter Helmut Völkle

Insgesamt setzt der Forst sehr stark auf die fast überall sichtbare Naturverjüngung. Komplette Flächen gelte es zu erhalten, eingegriffen werden soll nur dort, wo der Gesundheitszustand der Bäume kritisch ist. Eingebunden werden sollen aber Kirschbäume, derzeit ein gesuchtes Möbelholz, Esskastanien und verstärkt auch Douglasien. Die Douglasie, so Hepperle ergänzend, sei stabil: "Wenn wir auf Risikominderung wegen des Klimawandels setzen, führt kein Weg an der Douglasie vorbei!"
Insgesamt war immer wieder die Naturverjüngung das beherrschende Thema. Gerade der Buchenbestand lasse sich auf diesem Grundgerüst ergänzen, finde doch auf rund 50 ha Naturverjüngung statt. Dabei kommt als positiver Effekt hinzu, dass der Bestand aus dem gleichen Gebiet kommt und hier in Ruhe wachsen kann und nicht mehrfach umgepflanzt wird wie ein Baum aus einer Baumschule. Pflanzungen sollten künftig auf Ergänzungen des Baumbestandes beschränkt bleiben.
Bei der anschließenden Sitzung im Kurhaus wurde die Forsteinrichtung im Detail vorgestellt. Im Waldbronner Wald mit 345,4 ha Fläche, davon 13,9 ha Dauerwald, dominieren mit 76% durchschnittliche Standorte. Den größten Flächenanteil nimmt dabei der Erholungswald ein. Bei den Baumarten ist die Buche mit 35% am Stärksten vertreten. Das soll auch so bleiben. Zurückgedrängt werden sollen Kiefern und Lärchen von 21 auf 15% zugunsten der Douglasie, die von 11 auf 20% aufgestockt werden soll. Fichten sollen von 12 auf 13% leicht zunehmen. Aufgestockt von 8 auf 10% sollen auch die Eichen werden.
Die im Waldbronner Wald vorhandenen Holzvorräte haben bedingt durch den Orkan "Lothar" seit der letzten Forteinrichtung 1997 um ein Drittel von 122.995 auf 82.476 Festmeter abgenommen. Als "sehr unausgeglichen" wird die Altersklasseneinteilung des Waldbronner Waldes eingestuft. Ein Überhang bestehe bei Bäumen bis 20 Jahre, während Bestände zwischen 81 und 120 Jahre deutlich unterrepräsentiert sind. Allerdings gibt es auch große Flächen an Kiefern- und Buchenaltbeständen, die über 140 Jahre zählen. Bei der Naturverjüngung überwiegt mit 83% die Buche.
Bei den Hiebsergebnissen hat Lothar im Jahr 2000 für eine deutliche Spitze gesorgt. Der Anteil zufälliger Nutzung, dahinter verbergen sich die Sturmschäden, wird mit 69% oder 45.500 fm beziffert. Interessant auch, dass Nadelholz daran mit 71% vertreten ist, obwohl Nadelbäume nur 46% der Fläche einnehmen. Grund ist, dass von den Sturmschäden vor allem die Fichte betroffen war. Dennoch schließt das Betriebsergebnis der Jahre 1998 bis 2007 mit 368.110 € positiv ab.
Aufgelistet werden auch die Maßnahmen zur Bestandspflege wie Jungbestandspflege oder Durchforstung. Definiert wurden auch die Einzelziele für die Waldbewirtschaftung. Dabei hat die Funktion des Waldes als Naherholungsgebiet deutlich Vorrang vor der Vermeidung eines Defizits im Forsthaushalt, das erst an letzter Stelle nach dem Schutz- und Artenschutzfunktion, der Produktion des nachwachsenden Rohstoffes Holz und der Beachtung des Wirtschaftlichkeitsprinzips genannt wird.
Der neue Plan sieht einen Hiebssatz von 20.000 fm über zehn Jahre vor und liegt damit deutlich unter dem Wert von 1998 (35.000 fm) und dem auf 24.000 fm korrigierten Satz von 2001. Insgesamt prognostiziert das Planwerk, dass als Betriebsergebnis "eine schwarze Null" nur unter sehr günstigen Voraussetzungen zu erzielen sei.
Zustimmung zu den Planungszielen signalisierte Helmut Völkle (CDU). Er beneide die Gemeinden, die aus ihrem Wald Gewinn erzielen. Bei einem Mittelweg zwischen Wirtschafts- und Erholungsfunktion solle Letztere Vorrang haben, deshalb könne man auch mit einem Defizit leben, so Jens Puchelt (SPD). Trockene Sommer könnten bereits eine schwarze Null verhindern, befürchtete Prof. Dr. Kristian Kroschel (FW). Gerhard Knobloch (Bündnis 90/Die Grünen) sah die Planung in Übereinstimmung mit der Zielsetzung, setzte aber ein Fragezeichen hinter die Baumartenverteilung, insbesondere den Zuwachs der Fichte. Der langfristige Nadelholzanteil solle nicht unter 50% liegen, so Hepperle, allerdings solle die Douglasie den Hauptanteil übernehmen.

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