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20.04.2007 Armin Fischer beim Kulturring

Mozarts Liebeskugeln explodierten im Kulturtreff

Armin Fischer bei seinem musikalisch anspruchsvollen und doch äußerst kurzweiligen Mozartabend

Mit Armin Fischer hatte der Kulturring Waldbronn nicht nur einen Klaviervirtuosen, wie es auf den Plaketen hieß, verpflichtet, Fischer entpuppte sich auch als ein Musikkabarettist von hohen Graden. Auf der Bühne ein Plakat mit Armin Fischer als Mozart, ein Flügel und darauf ein Notenbuch mit dem Titel "Mozart", und dann Armin Fischer selbst, ganz im Stile großer Pianisten im Frack, die Klaviersocken und ebensolche Hosenträger aber weisen schon in die kabarettistische Richtung, geht es doch an diesem Abend des Kulturring Waldbronn um "Mozarts Liebeskugeln".
Und da feuert Fischer ein mehr als munteres Zweistunden-Programm ab, mit vielen überraschenden Einsichten, mit brillanten Gags und virtuosem, fast artistischen Klavierspiel. E- und U-Musik fügen sich bei ihm nahtlos ineinander. Niemand von seinen Zuhörern ahnte sicherlich, dass Mozart beim Komponieren des Requiem gleichsam nebenbei die Filmmelodie zu "Spiel mir das Lied vom Tod" einfiel, Fischer machte es ebenso hörbar wie die Tatsache, dass der Musical-Melodie "Chim Chim Cheree" aus "Mary Poopins" ein Barock-Menuett zugrunde liegt.
So fügte sich nach und nach ein mehr als vergnügliches Mozart-Portrait mit vielen seitlichen Verästelungen, das zeigte, dass an Mozart kein Komponist nach ihm, aber auch keiner vor ihm vorbeikam. Dass Mozart viel auf Reisen komponierte hatte Auswirkungen auf seine Kompositionen. Die Rache-Arie der Königin der Nacht hätte ohne das Postkutschengeholpere sicher anders geklungen. Und auch bei Bach, Beethoven oder Schubert hatte Fischer manch überraschende Einsicht zur Entstehung berühmter Kompositionen. Wer hätte geahnt, dass Bach beim Schreiben seiner "Tokkata" beschwipst gewesen sein muss, oder Schubert vor dem "Forellenquintett" offenbar ein Fischgericht nicht so ganz bekommen war. Fischer machte es musikalisch deutlich.
Dazwischen erinnerte er immer wieder mit dem berühmten "As time goes by", gleichsam der Running-Gag des Programms, an seine Zeit als Pianist auf Kreuzfahrtschiffen. Auf den Arm genommen wurde auch Richard Clayderman, der eigentlich nur zwei Finger für seine Hits benötigte, und Fischer bewies es mit "Für Elise".
Was bei Fischer aber besticht, ist seine hohe Gabe der Improvisation. Ob er sich zwei Kinderlieder aus dem Publikum zurufen lässt und dann "Hänsel und Gretel" und "Alle Vögel sind schon da" beidhändig aber rückwärts vermischt und variiert, das ist große Kunst genau so wie sein Musette Walzer, gleichzeitig auf der Melodica und dem Klavier gespielt.
Fischer wilderte in fast allen Regionen der Musik. Auch die Oper wurde nicht ausgespart mit einer steppenden Elfenkönigin und der Arie des Helden auf den Text "O Qual, o Pein". Oder wer hätte gewusst, dass aus den Klängen des Martinshorns Mozarts "Kleine Nachtmusik" entstanden ist. Armin Fischer zeigt es. Dazwischen erklang ein verschollenes Stück von Mozart -"ich spiele es trotzdem"- als veritables Klavierkonzert und dem Kommentar: "Mist, jetzt haben wir doch noch einen Klavierabend hier!".
Das Fischersche "Meisterwerk" kam aber zum Schluss. Aus so unterschiedlichen Musikstücken, die wieder die Zuhörer nennen durften, wie das Thema aus dem Dritten Mann, der Mondschein-Serenade, Frank Sinatras "I did it my way", der "Unvollendeten" von Schubert und Beethovens "Pathetique" -"Mein Gott, das Wort muss man ja erst mal schreiben können"- mischte Fischer einen höchst amüsanten musikalischen Cocktail, dem er als Zugabe seinen musikalischen Lebenslauf in Reimen und Musik folgen ließ, der nach einigen Irrungen und Wirrungen endete mit der Feststellung: "So hat er es mit letzter Kraft, in den Kulturtreff Waldbronn geschafft!" Lang anhaltender Beifall dankte Armin Fischer für einen mehr als vergnüglichen Abend. Wie meinte doch ein Besucher bereits in der Pause: "Da kann einem jeder Leid tun, der diesen geistsprühenden Abend verpasst hat."

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