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14.02.2007 25 Jahre Waldbronner Hexen

25 Jahre Waldbronner Hexen
Sammeln für den Mutter-Teresa-Kreis

Die Waldbronner Hexen - fertig zum Einsatz

Immer am Schmutzigen Donnerstag kommt die Zeit der Hexen, auch für die Waldbronner Hexen, die in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag feiern. An diesem Tag ziehen die zur Zeit 19 Hexen Holzmaske und Hexenkleider an, marschieren durch die Waldbronner Ortsteile Busenbach und Reichenbach und sammeln, aber nicht in die eigene Tasche, sondern für den Waldbronner "Mutter Teresa Kreis".
Angefangen hat alles in Neurod, wo Rosi Schroff damals die Gaststätte betrieb. Sie hatte 1982 spontan die Idee geboren, mit einer Hexengruppe das Rathaus zu stürmen. Das scheinbare Problem war nur, dass Rosi Schroff erst am Morgen des Schmutzigen Donnerstag begann, Mitstreiterinnen um sich zu scharen. Innerhalb von zwei Stunden waren zehn Frauen zusammen, die beim Rathaussturm mitmachen wollten. Danach wurden die Kleiderschränke durchwühlt nach alten Klamotten, die aus einer Waldbronnerin eine glaubhafte Hexe machten. Da vorher niemand etwas wusste, kam die Aktion für das Rathaus völlig überraschend, zumal die Hexen den damaligen Bürgermeister Albrecht Glaser festsetzten und nach Neurod verschleppten. Da an diesem Nachmittag aber auch Sprechstunde im Rathaus war, versuchte man von dort, den Schultes freizukaufen. Das wurde von den Hexen zwar nicht gestattet, aber völlig überraschend hatten sie bei ihrem Besuch im Rathaus von anderen Geld erhalten und standen vor der Frage: "Was tun mit dem Geld?" Die rettende Idee hatte Lene Becker. Mit den damals erlösten 150 DM wurden Pakete an eine Familie in Polen gepackt.
Im folgenden Jahr wurden mit dem Bürgermeister auch die männlichen Rathausbediensteten entführt, später fast die gesamte Rathausbesatzung. Danach wurde das Hexentreiben ganz ins Rathaus verlagert und bildete den Ursprung des heutigen Narrenempfangs am Schmutzigen Donnerstag. Seit 20 Jahren übergeben die Hexen ihre Erlöse an den Waldbronner Mutter Teresa Kreis. Waren es in den ersten Jahren nur Beträge im Hunderterbereich, so stiegen die Sammerergebnisse, je bekannter die Hexen und der Mutter Teresa Kreis wurden. Der bisher höchste Betrag lag bei über 2.000 Euro. Insgesamt gingen bisher an Mutter Teresa Kreis über 17.000 Euro in den zurückliegenden 20 Jahren. Dabei blieb kein Pfennig oder Cent in den Taschen der Hexen, oft wurde eher aus dem eigenen Geldbeutel noch aufgerundet, wie Lene Becker und Elvira Kurvers, zwei Hexen der ersten Stunde, betonen.

Die Waldbronner Hexen mit dem
unvergessenen Alois Vogel

Nach fünf Jahren kamen einheitliche Kostüme dazu. Gemeinsam gekauft wurde der Stoff für Kleider und Schürzen, die dann von den Hexen selbst genäht wurden. Ein Holzschnitzer aus Elzach im Schwarzwald schnitzte schließlich die Holzmasken. Auch diese Ausrüstung zahlten die Hexen aus eigener Tasche und da kommen mit Maske, Gewand und Schuhen leicht an die 400 Euro zusammen, und das ist auch der Einstandspreis, den jedes neue Mitglied der Waldbronner Hexen berappen muss, wenn es erst einmal für würdig befunden wurde, in den Kreis aufgenommen zu werden. Nach 20 Jahren waren, wie Mitglieder der Hexen lachend sagten, die alten Kostüme etwas eingegangen, Neue mussten her, zumal auch der Stoff ausgegangen und so nicht mehr zu bekommen war.
Viel erlebt haben sie in den 25 Jahren ihres Hexenlebens. Einmal schoben sie ihre Hexenmusikerin krankheitsbedingt im Rollstuhl durch Waldbronn, ein anderes Mal saßen Hexen in einem Einkaufswagen und zwei grünen Tonnen. Meist aber haben sie auch Musik dabei. Bis kurz vor seinem Tod versah diesen Dienst Alois Vogel mit seinem Akkordeon.
Dass die Waldbronner Hexen ein verschworener Haufen sind, zeigt sich auch daran, dass sie sich das Jahr über jeden ersten Donnerstag im Monat an wechselnden Orten treffen. Einmal im Jahr steht auch ein Hexenausflug auf dem Programm, allerdings nicht auf dem Besen, sondern meist ganz brav mit dem Bus und natürlich aus eigener Tasche bezahlt. Die älteste aktive Hexe ist 58, aber auch Lene Becker mit 83 bis vor zwei Jahren aktiv und Hilde Breinlinger, die sich mit 82 letztes Jahr zur Ruhe setzte, kommen zu diesen Hexentreffen. "Dass ich zum Rathaussturm komme, ist ja wohl selbstverständlich", betont denn auch Hilde Breinlinger.
Am Schmutzigen Donnerstag hat sich auch schon eine kleine Tradition herausgebildet. Sammelplatz ist um 10 Uhr bei Nußbaumer in Busenbach. Von dort aus geht es dann durch Waldbronn. Firmen im Industriegebiet, die Albtherme und die Kurklinik sind Anlaufpunkte. In den letzten Jahren allerdings rufen wir bei den meisten Firmen vorher an, ob wir willkommen sind. Spender erhalten von den Hexen eine kleine Anerkennung. Das war schon mal eine kleine Hexe oder wie in diesem Jahr ein Button mit einem Hexenkonterfei. Offizieller Abschluss ist dann nach dem Rathaussturm immer in einer der Waldbronner Gaststätten. Letzter Termin für die Hexen aber ist der Waldbronner Umzug am Fastnachtsdienstag.

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