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19.11.2006 Gedenkstunde zum Volkstrauertag

Probleme auf friedliche Weise lösen
Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Waldbronn

Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Friedhof in Busenbach

Die zentrale Feier zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr unter großer Beteiligung der Bevölkerung beim Ehrenmal für die Gefallenen auf dem Friedhof in Busenbach statt. Deutsches Rotes Kreuz Busenbach und Freiwillige Feuerwehr Busenbach bildeten am Ehrenmal mit Fackeln die Mahnwache.
Eröffnet wurde die Feierstunde mit einem Liedvortrag des Gesangverein "Freundschaft" Busenbach. Bürgermeister Harald Ehrler sagte in seiner Ansprache zum Volkstrauertag:
"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend,
zur Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages begrüße ich Sie sehr herzlich und danke Ihnen, dass Sie zur heutigen Feierstunde gekommen sind. Wie auch in den Vorjahren wollen wir in unserer Gemeinde Waldbronn gemeinsam mit Ihnen, dem Gemeinderat und den mitwirkenden Vereinen und Vereinigungen, diese zentrale Feier hier auf dem Friedhof in Busenbach, begehen.
Das Geleitwort des Präsidenten vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Reinhard Führer, zum Volkstrauertag finde ich sehr gut, er schreibt:
"Der Volkstrauertag ist einer unserer stillen Feiertage, ein Tag des Innehaltens, der Einkehr: Wir gedenken der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft. Dieser Tag stört unsere oberflächliche Geschäftigkeit, und schnell stellt sich die Frage, ob er noch in unsere Zeit passt.
Brauchen wir diesen Gedenktag noch?
Der Zweite Weltkrieg liegt doch bereits über 60 Jahre zurück. Wie viele Menschen können sich denn noch an diese Zeit erinnern? Wer hat denn noch die Toten gekannt, deren Verlust wir an diesem Tag beklagen?
Es gehört nicht viel dazu, nach einem Schlussstrich unter der Erinnerung zu rufen. Doch das ist allzu leichtfertig.
Auch zwei Generationen nach den Zweiten Weltkrieg haben noch nicht alle Gefallenen ein würdiges Grab und über eine Million Schicksale sind immer noch nicht aufgeklärt. Töchter, Söhne, Ehefrauen oder Geschwister von Vermissten bemühen sich bis heute um Gewissheit über deren Verbleib. Manche begeben sich selbst auf die Suche nach dem Grab oder nach den letzten Lebensstationen ihres Angehörigen, eines Menschen, den sie kaum kannten, der ihnen jedoch ein Leben lang gefehlt hat. Sie nähern sich Schritt für Schritt seinen Spuren und schließen eine Lücke in ihrer eigenen Lebensgeschichte.
Trauer braucht einen Ort. Das ist einer der Gründe, warum der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge diesen Menschen hilft und bis heute nach den Kriegstoten sucht, über 800 Friedhöfe in 45 Staaten angelegt hat und sie auf Dauer erhält. Der Volksbund lässt die Angehörigen mit ihrem Verlust nicht allein, er versucht, ihnen Gewissheit über das Schicksal ihrer Gefallenen zu geben und den kommenden Generationen die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft aufzuzeigen.
Am Volkstrauertag bekennen wir uns ausdrücklich zur Solidarität mit diesen Menschen und allen anderen, die um einen durch den Krieg umgekommenen Menschen trauern. Wir bekennen uns auch zu den Toten, die der Krieg gefordert hat. Wir sind mit diesen Menschen verkettet. Ob wir sie gekannt haben oder nicht. Ob wir mit ihnen verwandt sind oder nicht. Die toten Soldaten und alle zivilen Opfer des Krieges sind Bestandteil der deutschen Geschichte und gehören zu unseren Wurzeln.
Das Schicksal der Kriegstoten mahnt uns, die aktuellen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Probleme auf friedliche Weise zu lösen. Damit geben wir dem Sterben der Menschen, derer wir gedenken, einen zusätzlichen, versöhnlichen Sinn.
Die Erinnerung an das Leid der Kriege weckt die Sehnsucht nach Versöhnung und Frieden. Darin liegt neben dem Gedenken an die Toten die stets aktuelle Bedeutung des Volkstrauertages. Wer über einen Soldatenfriedhof geht, der begreift, dass nichts wichtiger ist als das friedliche Zusammenleben der Menschen."
Soweit das Geleitwort zum heutigen Volkstrauertag, Zitat Ende.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Jugend,
wir alle wünschen uns Frieden, in unseren Familien, unserer Gemeinde, im Land, in Europa, ja auf der ganzen Welt. Wenn Kinder gefragt werden, was sie sich für die Zukunft wünschen, so antworten die meisten: Sie wünschen sich Frieden für sich, Ihre Familie  und die Welt.
Wenn wir heute an die Opfer der Kriege denken und uns daran erinnern, so merken wir sehr schnell, dass der Krieg einen neuen Namen, ja heute im Jahr 2006 eine andere Bedeutung hat. Terroranschläge in London, in Madrid, in Ägypten! Weltweite Terrorangst! Die Gewalt im Irak hat einen neuen Höhepunkt erreicht: innerhalb von 24 Stunden kamen bei Anschlägen 111 Menschen ums Leben, darunter auch Dutzende Kinder. Das sind nur einige der in der Presse zu lesenden Nachrichten.
Die Angst vor Terror hat die Angst vor Krieg ersetzt. Ein Volk allerdings muss mit seiner Geschichte leben und vor allem, es muss versuchen, aus ihr zu lernen. "Aus der Vergangenheit mit der Gegenwart für die Zukunft lernen" - das wäre eine kluge Devise für jedes Land!
Wenn wir uns heute am Volkstrauertag, dem Tag des Erinnerns, der Trauer und der Hoffnung auf Frieden in der Welt hingeben, dann sollten wir als Deutsche Staatsbürger auch an die im Ausland stationierten  Bundeswehrsoldaten denken und ihnen Kraft für ihre Missionen wünschen. An die 2.869 Soldaten in Afghanistan/Usbekistan, 2.844 deutsche Soldaten sind im Kosovo, 1.034 im Libanon, in Bosnien-Herzegowina 843, im Kongo 738, am Horn von Afrika zur Friedenssicherung 330, im Mittelmeer versehen 190 deutsche Soldaten ihren Dienst, im Sudan 36, in Georgien 11 und in Äthiopien/Eritrea, den ärmsten Ländern der Erde, 2. Das sind in Summe 8.897 deutsche Soldaten, die im Ausland stationiert sind - für die Friedenssicherung innerhalb der Staatengemeinschaft der Vereinten Nationen. Es ist also erklärtes Ziel fast aller Staaten dieser Welt, sich für den Frieden einzusetzen und diesen zu sichern.
Angesichts dieser schier unglaublichen Masse an deutschen Soldaten im Ausland und den Millionen Opfern von Terror und Kriegen erscheint es geradezu mikroskopisch winzig, wenn wir heute in Waldbronn eine Feier zum Volkstrauertag durchführen. Doch jedes noch so kleine Rädchen im großen Gefüge der Weltmaschine hat seine Bedeutung und seine Wichtigkeit. Daher danke ich Ihnen allen, dass Sie heute zur Gedenk- und Feierstunde auf den Busenbacher Friedhof gekommen sind, um zu gedenken und zu trauern.
Wir legen nachher einen Kranz nieder und der Musikverein spielt dazu das Lied: "Ich hatte einen Kameraden." Damit symbolisieren wir den Abschied von Menschen, die nicht mehr unter uns sind, wobei jeder dieser Verstorbenen seine eigene Geschichte hat, wenn er sie uns noch erzählen könnte. Für uns als Gemeinde sind solche Feiern und die Pflege und Unterhaltung der Ruhestätten für unsere Toten und der Ehrenmäler eine wichtige Aufgabe, wie für den Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge die Anlage und Pflege der Soldatenfriedhöfe in der ganzen Welt.
Im Anschluss an diese Feierstunde legen wir auch noch einen Kranz an den Ehrenmalen in Reichenbach und Etzenrot in stillem Gedenken nieder. Ihnen allen danke ich für den Besuch dieser Feierstunde, ein herzliches Dankeschön sage ich den Busenbacher Vereinen, dem Musikverein Edelweiß und dem Gesangverein Freundschaft für die musikalische und gesangliche Umrahmung. Der Freiwilligen Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz Busenbach danke ich für die Ehrenwache mit Fackeln, der Gemeindegärtnerei danke ich für die besondere Pflege zum heutigen Volkstrauertag.
Einigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden sollen die Zukunft aller Menschen dieser Erde bestimmen.
Auch wir in Waldbronn wollen hierzu unseren Beitrag leisten
."
Nach dem Lied vom guten Kameraden, gespielt vom Musikverein "Edelweiß" Busenbach sprach Pfarrer Bernd Peisker ein Gebet für die Toten. Mit der gemeinsam gesungenen und vom Gesangverein und Musikverein begleiteten Nationalhymne klang die würdige Feierstunde aus.

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