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24.07.2002 Gemeinderat: Waldbegehung

Waldbegehung

Forstdirektor Hermann Schäfer informierte die Waldbronner Gemeinderäte über den Stand der Wiederbewaldung nach dem Sturm "Lothar".

Waldbronner Wald soll zertifiziert werden

Gemeinderat informierte sich bei Waldbegehung

Schon fast traditionell lässt sich der Waldbronner Gemeinderat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause "vor Ort" über den Gemeindewald informieren. Forstdirektor Hermann Schäfer hatte für die diesjährige Waldbegehung zwei Schwerpunktthemen ausgewählt: einmal wollte er Rechenschaft geben über die Wiederbewaldung nach dem Sturm "Lothar" und zum Zweiten dem Gemeinderat die Zertifizierung des Waldes näher bringen.
Diesen Punkt sprach auch Bürgermeister Harald Ehrler gleich eingangs an. Die Zertifizierung bedeute ein Gütesiegel für das Holz, wenn auch in Waldbronn die Erholungsfunktion des Waldes im Vordergrund stehe.
Von den 326 ha Gemeindewald, blendete Schäfer zurück, seien rund 100 von "Lothar" gefällt worden. Die Wiederbewaldung geschehe durch Laubbäume, in Waldbronn je nach Untergrund vornehmlich Eichen, mit denen 14 ha bepflanzt wurden, aber auch durch Nadelwald mit 40% Laubholzanteil und durch Naturverjüngung. Probleme bereitete, aus heimischen Baumschulen geeignetes Pflanzmaterial zu bekommen, da das Angebot nur sehr klein gewesen sei, weil der Forst in den vergangenen Jahren verstäörkt auf Naturverjüngung setzte.
Schwierigkeiten, dies erläuterte Revierleiter Harald Mohr, mache die Brombeere, die ohne Eingriff alles überwuchere und die jungen Bäume mit ihren Ranken zu Boden drücke. Nur Fichte und Tanne seien im Jugendstadium stabil genug, sich gegen die Brombeere zu behaupten. "Wenn wir Wertholz wollen, müssen wir mit der Brombeere zurechtkommen", ergänzte der Forstdirektor. Deshalb werden die Pflanzreihen in den nächsten Wochen "freigestellt". Auch dafür zeigte Mohr auf dem Weg nach Etzenrot Beispiele. Damit werde aber auch Luft für eine Naturverjüngung geschaffen.
Auch auf finanzielle Aspekte ging Forstdirektor Schäfer ein. Die Wiederbewaldung mit Laubbäumen fördere das Land mit rund 4.000 Euro (8.000 DM) pro Hektar, für Nadelwald gebe es 2.500 Euro (5.000 DM), für die Naturverjüngung, obwohl arbeitsintensiver, stehen nur 750 Euro (1.500 DM) bereit. Insgesamt erhalte Waldbronn für diese Maßnahmen rund 150.000 Euro gleich 300.000 DM.
Probleme mit Rehwild gebe es in Waldbronn nur wenig. Insgesamt sei es das Ziel der Forstverwaltung, gem,einsam mit den Jagdpächtern den Wildbestand so zu halten, dass der Wald nachwachsen könne und nicht geschädigt werde.
In Folge der Rio-Konferenz, führte Forstdirektor Hermann Schäfer zum Abschluss in der Wiesenfesthalle aus, solle die Waldbewirtschaftung allgemein zertifiziert und damit der Nachweis der Nachhaltigkeit erbracht werden. Aber auch um die Sozialpflichtigkeit des Waldes gehe es dabei. Vor allem sollten die Rechte der "Eingeborenen" geschützt werden.
Derzeit gebe es zwei Zertifizierungssysteme. Das "Forest Stewardship Council" (FSC) teile sich in drei Kammern mit einer starken Stellung der Umweltverbände. Hier müsse jeder einzelne Betrieb zertifiziert werden, sich zuvor einem Audit unterziehen und werde alle fünf Jahre erneut überprüft. Außerdem seien ab 1.000 Hektar Waldfläche Referenzflächen von 5 Prozentnauszuweisen, die von der Bewirtschaftung ausgenommen werden müssen.
Seine Praktikabilität sei aber, nicht zuletzt wegen der hohen Kosten, von den europäischen Waldbesitzern angezweifelt worden. Sie entwickelten als Gegenmodell die "Pan European Forest Certification" (PEFC), bei der die Eigentümerinteressen ebenso gewahrt bleiben wie das Prinzip der Nachhaltigkeit. Der hier praktizierte regionale Ansatz komme den Strukturen der mitteleuropäischen Forstwirtschaft entgegen. So habe sich das Land Baden-Württemberg bei seinem Staatswald für die PEFC-Zertifizierung entschieden. Die Kosten bezifferte Schäfer bei FSC auf 1,25 Euro pro Hektar und Jahr, bei PEFC auf 11 Cents für die gleiche Fläche.
Laut Bürgermeister Harald Ehrler favorisiere die Verwaltung ebenfalls PEFC. Diese Zertifizierung sei auch deshalb wichtig und richtig, weil hier die Waldbesitzer die Hälfte der Stimmen haben. Die Zertifizierung, so der Forstdirektor auf eine Frage von Prof. Dr. Kristian Kroschel (FWV), werde sich durchsetzen und sei auf Dauer nicht zu umgehen. In der Bundesrepublik seien bereits 53 Prozent der Waldflächen PEFC-zertifiziert. "Das Thema nicht zu hoch zu hängen", warnte Joachim Lauterbach (CDU) und verwies auf entsprechende Beispiele aus der Industrie.
Preisunterschiede beim Holzverkauf zwischen FSC und PEFC, so eine Frage von Dr. Andree Keitel (SPD), konnte der Forstdirektor nicht sehen und ergänzte auf eine Frage des Bürgermeisters, außer Waldbronn sei der Wald aller Gemeinden des Forstamtsbezirks bereits zertifiziert. Bürgermeister und Gemeinderat waren sich am Ende der Waldbegehung jedenfalls einig, auch für Waldbronn das PEFC-Zertifikat anzustreben.

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