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14.05.2006 Klaus Maria Brandauer in Waldbronn

Klaus Maria Brandauer in Waldbronn
Kurhaus war restlos ausverkauft

Klaus Maria Brandauer und die Cellistin Maria Magdalena Wiesmaier


Seit Sonntagabend ist das Goldene Buch der Gemeinde Waldbronn um den Eintrag eines Weltstars reicher: "In Erinnerung meiner Tante Serafina Steng und in Freundschaft zu der Gegend und den Menschen". Mit diesen Worten hat sich Klaus Maria Brandauer nach seiner Lesung im bis auf den letzten Emporenplatz gefüllten Kurhaus verewigt. Die 2001 verstorbene Tante ist die der Ursprung der Verbindung des Schauspielers zu Waldbronn. "Tante Fine" hatte lange Jahre mit Hildegard Betsche zusammengearbeitet, die sich als  Leiterin der "Flohmärktler" für soziale Belange engagierte. Brandauer, der schon lange in Waldbronn auftreten wollte, hatte ihr an Weihnachten geschrieben, er würde nun gerne kommen. Bürgermeister Harald Ehrler übernahm hocherfreut die Schirmherrschaft der Benefiz-Veranstaltung zu Gunsten der Hospizstiftung Karlsbad-Waldbronn.
"Brandauer liest Mozart" - unter diesem Titel liest, spielt, poltert, schmeichelt der Schauspieler, begleitet von der Cellistin Maria Magdalena Wiesmaier, Briefe von Mozart und aus seinem Umfeld. Brandauer schlüpft dabei in die Rolle des Josef Nepomuk Bullinger, eines Freundes der Familie.
Dessen (respektive Brandauers) Rolle wiederum ist, die Stimmung im Hause Mozart mit einem leicht ironischen Unterton zu kommentieren. Die Lesung begleitet Mozart von seinem Abschied aus Salzburg an die Höfe verschiedener süddeutscher Fürsten, nach Paris und wieder zurück nach Salzburg. Da kommt der Schelm Mozart mit seinem Hang zur Fäkalsprache zum Vorschein, dem es an Respekt für jedwedes Hofzeremoniell mangelt ("Die Fürstin Riechzumdreck...."), da kommt der Frauenschwarm und -schwärmer Mozart zum Zuge. Der in Mannheim bei der Familie Weber "die Frauenzimmer küssen musste". Und sich prompt in die Tochter verknallt. Der ältere Herr Brandauer verwandelt sich mit Betonung und kleinen Gesten in  den spitzbübisch beschwingten frischverliebten damals 21jährigen Musikus. 
Genauso, wie er sich in den vor Wut schäumenden Vater Leopold verwandelt, der seinen Sohn doch in die Welt geschickt hatte: "Fort mit Dir nach Paris, setzt Dich großen Leuten an die Seite" donnert er herrisch. Und schlägt wieder einen ganz anderen Ton an, als er den jungen Mozart vom Tode der Mutter an Bullinger berichten lässt. Kaum vorbei, tönt schon wieder der clowneske Mozart, der völlig sinnfreie, endlos lange und höchst spaßige Briefe an sein Bäsle schreibt. Brandauer selbst bietet mit seiner letzen Zugabe die kürzeste und amüsanteste Abschiedsvorstellung: "Gute Nacht" sagt er, klappt seine rote Kladde zu und verschwindet hinter den Kulissen, wo er sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit ins Goldene Buch einträgt und Bürgermeister Harald Ehrler ihm "zwei Bleikristallgläser und einen guten badischen Wein" überreicht.
Der Erlös der Veranstaltung wird komplett an die Hospiz-Stiftung Karlsbad-Waldbronn gehen, die im Foyer einen Informationsstand aufgebaut hat. Deren Vorsitzender Wilfried Ludwigs ist sehr dankbar für Brandauers Initiative und berichtet: "Es haben sich einige Interessenten für eine ehrenamtliche Mitarbeit am Stand gemeldet".
Text von Thomas Zimmer mit freundlicher Genehmigung der Badischen Neusten Nachrichten, Redaktion Ettlingen

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