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21.01.2006 Mozart auf der Reise nach Prag

Mozart machte Station in Waldbronn
Literarisches Konzert zum 250. Mozart-Geburtstag

Gerlinde Otto und Wolf-Dietrich Rammler brachten den zahlreichen Zuhörern Mozart im Rahmen der Mörike-Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag" nahe

Das aus Anlass des 250. Geburtstages von Wolfgang Amadeus Mozart weltweit ausgebrochene, in unseren Gegenden besonders virulente Mozart-Fieber hat in den letzten Wochen schon viele Lästermäuler auf den Plan gerufen. Ihnen zum Trotz und glücklicherweise hat es jetzt dem Kulturring Waldbronn, der zu einem literarischen Konzert eingeladen hatte, ein volles Haus beschert. Hauptthema dieses Konzerts war eines der Meisterwerke deutscher Erzählkunst, Eduard Mörikes Novelle "Mozart auf der Reise nach Prag", deren einzig wahrer Kern darin gründet, dass Mozart anno 1787 zur Prager Uraufführung seines "Don Giovanni" reiste. Um diesen Kern rankt sich bei Mörike eine frei erfundene, jedoch historisch so glaubhaft kolorierte Geschichte, als habe sich all das wirklich so zugetragen, was uns der Dichter von einem Tag auf dem Herrensitz eines Landadligen am Wege Mozarts und seiner Frau Konstanze zu berichten weiß.
Für einen Interpreten, der mehr als nur "Vorleser" sein will, ist es eine anspruchsvolle Aufgabe, die farbenreiche, dabei wunderbar leichte und auch leicht altertümelnde Sprache Mörikes zu vollem Leben zu erwecken. Mit Ausschnitten  aus der Novelle, die mehr der Heiterkeit als der in anderen Partien stärker durchscheinenden Wehmut und Todesahnung Raum gaben, bestätigte jetzt Wolf-Dietrich Rammler seinen Ruf als Vollblut-Schauspieler. Jedenfalls präsentierte er seinen Zuhörern weit über bloße Wort- und Satzfolgen hinaus regelrecht theatralische Szenen, wobei er Personen und Situationen jeweils mit eigener Stimme und individueller Sprachmelodie trefflich charakterisierte. Auf vergleichbarer künstlerischer Ebene bereicherte Gerlinde Otto das Mozart-Gedenken des Kulturrings mit Sonatensätzen und Fantasien von Mozart - eine Pianistin, die schon mit der Wahl der Werke und erst recht mit deren Wiedergabe zu verstehen gab, dass sie wie ihr Partner sich hohen Anspruch zumutet. Das Publikum sparte denn auch nicht mit Dank.

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