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13.11.2005 Feierstunde zum Volkstrauertag

Sicherung des Friedens beginnt im Kleinen
Gedenken an die Opfer von Gewalt, Krieg und Terror

Totengedenken bei der Feierstunde auf dem Friedhof Reichenbach mit Bürgermeister Harald Ehrler (Mitte)

Die Gedenkstunde zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr beim Ehrenmal auf dem Friedhof in Waldbronn-Reichenbach statt. Umrahmt wurde die Feierstunde durch den Gesangverein "Concordia" Reichenbach und den Musikverein "Lyra" Reichenbach. Pastoralreferent Christian Richter sprach ein Gebet für die Opfer von Krieg und Gewalt. Mitglieder des Deutsche Roten Kreuzes Reichenbach und der Freiwilligen Feuerwehr Reichenbach hielten die Ehrenwache. In seiner Ansprache sagte Bürgermeister Harald Ehrler:
"Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren, liebe Jugend,
zur Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages begrüße ich Sie sehr herzlich und danke Ihnen, dass Sie zur heutigen Feierstunde gekommen sind. Wie auch in den Vorjahren wollen wir in unserer Gemeinde Waldbronn gemeinsam mit Ihnen, dem Gemeinderat und den mitwirkenden Vereinen und Vereinigungen, diese zentrale Feier begehen.
Die Erinnerung steht in diesem Jahr stark im Vordergrund. Im Zentrum der Rückblicke und damit der Erinnerung an Geschehenes stand zweifelsohne das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren. In zahlreichen Feierstunden im In- und Ausland wurde an das Kriegsende am 8. Mai 1945 vor genau sechs Jahrzehnten erinnert. Wenn wir an das Kriegsende vor 60 Jahren denken, so dürfen wir dankbar sein für 60 Jahre Frieden in Deutschland und unseren europäischen Nachbarn.
In vielen Dokumentationen im Fernsehen und der Presse wurde uns vor Augen gehalten, welch schreckliches Ausmaß der zweite Weltkrieg hatte: 55 Millionen Menschen wurden Opfer und verloren ihr Leben. Wir gedenken heute am Volkstrauertag der Menschen, die ums Leben gekommen sind. Wir erinnern uns aber auch an die Auswirkungen und menschlichen Schicksale dieses Krieges:
Die durch Bomben zerstörten Häuser in den Städten und Orten, die Heimatvertriebenen auf der Suche nach einer neuen Bleibe, die Kinder,  die durch den Krieg oder auf der Flucht von ihren Familien getrennt wurden, die deutschen Soldaten in Kriegsgefangenschaft, die Hinterbliebenen zuhause, die Familien mit Frauen und Kindern.
Auch wir in Waldbronn haben uns daran erinnert, an die letzten Kriegstage in Busenbach, Etzenrot und Reichenbach. Gerade wir, die jüngere Generation, die vom Krieg nicht mehr weiß als aus Geschichtsbüchern oder gerade noch Erzählungen der Großeltern und Eltern, wir haben mit Staunen die bewegenden Worte der Zeitzeugen aus unserer Gemeinde vernommen. Dieser Abend der Erinnerung hat noch lange nachgewirkt. Und ich habe auch den persönlichen Eindruck in diesem Jahr gewonnen, dass die Gesellschaft, vor allem die Kriegs- und Nachkriegsgeneration, durch die vielen Publikationen und Veranstaltungen aufgerüttelt wurde, sich an das Kriegsende zu erinnern und diese Erinnerungen an uns weiterzugeben.    Warum???
Damit es nie wieder Krieg gibt, denn wir Menschen lernen aus Erfahrung: "Nur wer die Geschichte begreift, der begreift auch die Zukunft." Das sehe ich genauso, und gerade deshalb ist es wichtig, an den Krieg, das Kriegsende vor 60 Jahren und den Wiederaufbau und die Zeit danach zu erinnern, darüber zu reden und zu diskutieren. Auch die Schulen haben dieses Thema sehr intensiv behandelt und auch bei meinen Besuchen der Altersjubilare in Waldbronn kam sehr oft das Gespräch auf Kriegserlebnisse und die letzten Kriegstage.
Bei diesen Erinnerungen an das Ende des Krieges wurde immer wieder auch über das Ende des "Kalten Krieges" gesprochen, der ja erst 45 Jahre später erfolgte. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands vor genau 15 Jahren wurde  ein Stück Geschichte geschrieben, das vereinigt, was zusammen gehört und durch die Siegermächte 1945 aufgeteilt wurde.
 In der DDR wie auch in anderen osteuropäischen Staaten herrschte Gewalt, Unterdrückung, Angst. Damit haben wir auf deutschem Boden dann wirklich Frieden und keine Gewalt mehr, keine Mauertoten, keine Stacheldrähte, keine Todesstreifen und Grenzanlagen. So ist es mehr als erfreulich, dass mit der deutschen Einheit nicht nur Deutschland eins wurde, sondern der Weg für ein vereintes Europa frei war. Die sehr guten diplomatischen Beziehungen und das Annähern der Staaten und vor allem die Begegnungen der Menschen untereinander mit Russland und dem Baltikum sind ein großer Gewinn für den Frieden in Europa. Und wie wichtig gute Auslandsbeziehungen auch zur USA sind, haben wir gemerkt, als es um die Frage des Irakkrieges gegangen ist. Die Sieger und Verlierer des zweiten Weltkrieges sind gleichgestellt und ebenbürtig, es gibt keine Sieger und Verlierer mehr. Nein, alle Staaten zusammen tragen zum Erhalt des Friedens in Europa und der ganzen Welt bei.
Wir erleben seit dem 11. September 2001 eine neue Form von "Krieg", es ist der Terrorismus, der den Weltfrieden immer wieder durch gezielte Anschläge erschüttert. Und auch hier steht die Staatengemeinschaft zusammen um den Terror gemeinsam zu bekämpfen. Wir denken heute am Volkstrauertag nicht nur den Opfern der Kriege, sondern auch den Opfern von Terror oder politischer Verfolgung. Die Würde und damit das Leben des Menschen ist unantastbar, so steht es in jeder Verfassung und in der Charta der Vereinten Nationen. Wir, die wir in Freiheit und Frieden leben, wir müssen deshalb immer und bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf dieses originäre Recht des menschlichen Individuums hinweisen.
Ich habe Vertrauen in die Politik, die sich hierfür in den Parlamenten  auf nationaler oder internationaler Ebene einsetzt und den Gremien der UNO zusammentrifft. Aus dieser Verpflichtung des Weltfriedens heraus für die Staaten entsteht auch der Einsatz der nationalen Streitkräfte in den betroffenen Ländern, zur Sicherung des Friedens und Aufbaus einer demokratischen Ordnung. Auch die Bundeswehrsoldaten sind in aller Welt in friedlicher Mission unterwegs, diesen Soldaten soll am heutigen Tag, dem Tag des Erinnerns, der Trauer und der Hoffnung auf Frieden für ihren Einsatz gedankt werden.
Die Sicherung des Friedens beginnt im Kleinen, in der Familie, sie geht über den Kindergarten und die Schule. Auch hier müssen die Beteiligten sich um ein friedliches Miteinander einsetzen. Wir hören immer öfter von Gewalttaten an Schulen, auch hier muss Prävention zur Friedenssicherung geleitstet werden. Es geht weiter in den Betrieb, die Vereine, den Freundeskreis, die Gemeinden und Kreise, Regionen, Länder und Staaten. Unser Leben besteht zum größten Teil aus der Bildung von Gemeinschaften um mit vereinten Kräften zum gleichen Ziel zu gelangen. Je mehr ich darüber nachdenke so erkenne ich, dass der Friede der Menschen untereinander mit das höchste Gut ist und unser tägliches Leben bestimmt.
Der heutige Volkstrauertag soll uns daran erinnern und Appell sein, dass wir uns egal wo wir uns bewegen, für die Sicherung und den Erhalt des Friedens einsetzen. Auch persönliches Gedenken und eben das Trauern gehören dazu. Jeder für sich sollte Innehalten. Innehalten in der Hektik des Alltags, Ruhe finden, zuhören. Auch einmal an andere denken, nicht nur an sich selbst. Verstehen lernen.
Und - es ist die besondere Verpflichtung einer Gemeinde und ihrer Bürger, dass wenigstens einmal im Jahr in ehrendem Gedenken, wie heute am Volkstrauertag, eine Feierstunde mit Kranzniederlegung stattfindet.
Wir werden im Anschluss an diese Feierstunde auch an den Gedenkstätten in Busenbach und Etzenrot jeweils einen Kranz in stillem Gedenken niederlegen.
Ein herzliches Dankeschön gilt den beteiligten Reichenbacher Vereinen, dem Gesangverein "Concordia" und dem Musikverein "Lyra", der Freiwilligen Feuerwehr und dem Deutschen Roten Kreuz.
Einigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden soll die Zukunft aller Menschen dieser Erde  bestimmen.
Auch wir in Waldbronn wollen hierzu unseren Beitrag leisten."
Die Gedenkstunde klang mit der gemeinsam gesungenen Nationalhymne "Einigkeit und Recht und Freiheit" aus. Durch Bürgermeister und Gemeinderäte wurden danach noch an den Ehrenmalen in den beiden anderen Ortsteilen Kränze niedergelegt.

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