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17.04.2002 Gemeinderat: Markt- und Standortuntersuchung

Markt und Standort

Eindeutiger Schwerpunkt bei den Einkaufsaktivitäten ist der Rathausmarkt Waldbronn, so war aus der Markt- und Standortuntersuchung herauszulesen.

Hohe Kaufkraft nur zum Teil gebunden

GMA stellte erste Ergebnisse der Markt- und Standortuntersuchung vor

Mit 1.079 zurückgegebenen Fragebögen war die Resonanz auf die "Markt- und Standortuntersuchung 2002" über Erwarten groß. Diese zeigt, so die überwiegende Meinung im Gemeinderat, dass diese Fragen die Bürgerinnen und Bürger Waldbronns bewegen, dass sie geradezu auf eine solche Befragung gewartet haben, wie es Bürgermeister Harald Ehrler formulierte. Hervorgehoben wurde auch, dass zum Teil sehr detailliert bestimmte Punkte angesprochen wurden, die Waldbronner beim Ausfüllen sich schon einige Mühe gemacht haben.
Waldbronns Bürgermeister umriss eingangs die Befragung und betonte, dass ein solches Projekt nur gemeinsam möglich sei. Ihr Scherflein dazu beigetragen haben auch die Waldbronner Gewerbetreibenden, die einen gut Teil finanziert haben. Das Ergebnis, so der Bürgermeister, werde auf jeden Fall den Bürgern zugänglich gemacht, ob sogar in Broschürenform ließ Ehrler noch offen. Zunächst müsse die "Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung" (GMA) die Ergebnisse noch in schriftlicher Form vorlegen, dies werde vereinbarungsgemäß etwa im Mai erfolgen.
Klar war für den Bürgermeister auch, dass dieses Ergebnis in Arbeitsgruppen umgesetzt werden muss. Dabei wird es auch um die Frage gehen, was die Kommune tun kann. Die Untersuchung ist jedenfalls eine gute Grundlage, um Aktivitäten bedarfsgerecht angehen zu können.
Katharina Staiger von der GMA stellte anschließend anhand von Folien den Gemeinderäten und den zahlreichen Zuhörern die Ergebnisse der Befragung vor. Dabei zeigte sich gleich zu Beginn, dass bei der Einkaufshäufigkeit nach Einkaufsorten die täglichen Einkäufe in Waldbronn erledigt werden, auswärtige Orte mit deutlich unter 2 % hier keine Rolle spielen. Dies gaben 42,5 % der Befragten an. Etwas anders ist das Bild bei den wöchentlichen Einkäufen. Zwar liegt auch hier Waldbronn mit 51,4 % deutlich an der Spitze, doch sind Karlsbad (38), Ettlingen (21,6) und Karlsruhe (12,2) schon deutlich näher gerückt. Bei den monatlichen Einkäufen ändert sich das Bild zugunsten Karlsruhes vor Ettlingen und Karlsbad.
Bei der Einkaufsorientierung nach Branchen haben mit 86 % eindeutig die Bäcker die Nase vorn, gefolgt von Drogerien und Apotheken (74) sowie Metzgerwaren und Lebensmitteln mit jeweils 68 %. Auch Bücher und Schreibwaren werden zur Hälfte noch in Waldbronn gekauft, wohingegen Bau-, Heimwerker- und Gartenbedarf zu 58 % in Karlsbad abgedeckt werden. Das Ergebnis zeigt aber insgesamt, so Staiger, dass Karlsruhe die Verbraucher stärker anzieht als Ettlingen. Die Nachfrage hängt aber auch mit einem vor allem großflächigen Angebot zusammen.
Ein gutes Ergebnis für den Waldbronner Einzelhandel brachte die Frage nach der Veränderung der Einkaufshäufigkeit in Waldbronn. Hier gaben 48,8 % an, häufiger in Waldbronn einzukaufen. Bei den 36,8 %, die nach ihren Angaben nicht mehr so häufig in Waldbronn einkaufen, wurden als am häufigsten genannte Gründe die zu geringe Auswahl, das Angebot und ein zu hohes Preisniveau angeführt. Für einen Einkauf in Waldbronn sprechen bei 77,7 % der Befragten vor allem der Wohnort, gefolgt von "Persönlicher Kontakt" (41,4) und PKW-Erreichbarkeit (34,7). Aber auch die Angebotsqualität nannten noch 17 % der Befragten. Gegen einen Einkauf in Waldbronn wurden als Hauptgründe die fehlende Auswahl (56,1 %), ein zu hohes Preisniveau und zu wenig Geschäfte genannt. Fehlende Parkplätze in Geschäftsnähe monierten nur 6,9 % der Befragten, damit wird das Parkplatzangebot sehr gut bewertet, so Katharina Staiger.
Gefragt wurde auch nach Defiziten im Einzelhandelsangebot, getrennt nach Standorten. Dabei zeigte sich an der Anzahl der Nennungen, dass der Rathausmarkt von den Bürgern durchaus als zentraler Einkaufsplatz angesehen wird. Eindeutiger Schwerpunkt für die gesamte Gemeinde sind aber die Lebensmittel mit 903 Nennungen, wobei auf Reichenbach mehr als die Hälfte entfällt. Vermisst werden im Rathausmarkt in der Reihenfolge der Nennungen vor allem Damen- und HerrenOberbekleidung, Spielwaren, Haushaltswaren, Geschenkartikel und Elektrowaren.
Bei den Fragen zur Verkehrssituation liegt der fließende Verkehr eindeutig vor dem ruhenden Verkehr. Schwerpunkte sind hier zugeparkte Straßen und die Umleitung des Durchgangsverkehrs. Viele Bürger in Busenbach und Reichenbach wünschen sich stärkere Kontrollen oder Radaranlagen, ein Ergebnis, das es so in anderen Gemeinden nicht gibt, wie Katharina Staiger erläuterte. Aber auch leicht Widersprüchliches gab es: 41 Nennungen, aus Busenbach und Reichenbach, wollten mehr Kreisverkehre, 20 dagegen regten an, den Kreisverkehr beim Rathausmarkt zu beseitigen. Ähnliches gab es auch beim ruhenden Verkehr, wenn 222 Nennungen auf mehr Parkplätze vor den Geschäften Wert legen, 113 aber gleichzeitig mehr Parkverbote wollen. Für mehr Parkplätze bei den Häusern sprachen sich nur 31 Bürger (8 Busenbach, 7 Etzenrot und 16 Reichenbach) aus.
Beim Öffentlichen Personennahverkehr wurde eine Verbesserung gewünscht, 13 Nennungen aber sprachen sich gegen die Stadtbahn aus.841 Einsender gaben an, durch die Stadtbahn werde sich ihr Einkaufsverhalten nicht ändern. Auch ein Ausbau und bessere Kennzeichnung des Radwegenetzes wurde angemahnt.
Auch das Orts- und Straßenbild wurde abgefragt. Schwerpunkte bei den Nennungen sind hier eindeutig attraktivere Straßenräume und –plätze sowie mehr Begrünung. Kuriosum hier am Rande: 20 Bürger wollten keine blauen Laternen, 10 dagegen neben den Laternen auch die Brückengeländer blau gestrichen haben.
Bei der räumlichen Verteilung des Einzelhandelsangebots ergibt sich fast eine Drittelung der knapp 10.000 qm Flächen zwischen Rathausmarkt, Busenbach und Reichenbach / Etzenrot. Beim Umsatz hat mit 14 Millionen der Rathausmarkt deutlich die Nase vorn, allerdings wurde ein großer Lebensmittel – Discounter hier zugeschlagen.
Überdurchschnittlich ist mit 115,3 % auch das Kaufkraftniveau in Waldbronn. Hier liegen Ettlingen (109,9), Karlsruhe (106,3) und Karlsbad (101,2) deutlich auf den Plätzen. Bei der Aufschlüsselung von Kaufkraft und Kaufkraftbindung stehen Nahrungs- und Genussmittel eindeutig an der Spitze. Von den 22,4 Millionen Kaufkraft werden in Waldbronn 14,5 Millionen oder 65 % abgeschöpft. Bei den "Nichtlebensmitteln" dagegen bleiben von 44,5 Millionen nur 12,2 in Waldbronn.
In einem ersten Resümee regte Katharina Staiger an, ein Leitbild bezogen auf Sortimente und Standorte zu entwickeln. Bis 2010 sollen bei Neuansiedlungen oder Erweiterungen die Verkaufsflächen um 2.800 qm zunehmen. Vor allem ein Lebensmittel – Vollsortimenter mit rund 1.500 qm Fläche muss das bestehende Angebot ergänzen. Außerdem empfahl sie ein einheitliches Waldbronner Vorgehen bei der Werbung, bei Öffnungszeiten und Aktivitäten. Auch ein besserer Informationsfluss zwischen Einzelhandel und Kunden ist anzustreben.
Gravierende Defizite, aber auch positive Aspekte fand Günter Bauer (SPD) in der Untersuchung. Er war verwundert, dass die Möglichkeit der Stadtbahn nicht mehr Kunden veranlasst, im Rathausmarkt einzukaufen. Angegangen werden müssen die Defizite im Angebotsbereich, um eine bessere Kaufkraftbindung zu erzielen. Kritik an zu wenig Parkplätzen bei den Häusern stellte Prof. Dr. Kristian Kroschel (FWV) an den Anfang seiner Ausführungen und hob dann die Dezentralisation beim Einkauf hervor. Keine Flächenvergrößerungen sondern eine Qualitätsverbesserung stand für Dr. Wolfgang Mangold (FWV) im Vordergrund, wobei Katharina Staiger hier anmerkte, dass Waldbronn nicht schlecht ausgestattet ist. Das Thema der Qualitätsverbesserung zielt auch auf größere Ladenflächen.
Prof. Manfred Hübscher (CDU) sah keine großen Defizite in der Waldbronner Einkaufslandschaft. Angegangen werden muss die Kleinteiligkeit. Ohne solche Änderungen ist auch keine Änderung des Einkaufsverhaltens zu erreichen, auch nicht durch die Stadtbahn. Ziel muss es sein, die bereits erreichte Kaufkraftbindung und Attraktivität zu erhalten. Für Roland Bächlein (CDU) ist das hohe Kaufkraftniveau eine gute Voraussetzung für weitere Maßnahmen. Allerdings wird sich der Flickenteppich im Einzelhandel ohne die Ausweitung eines zentralen Punktes kaum beseitigen lassen. Dazu ist nach seiner Meinung auch ein Lebensmittel – Vollsortimenter nötig, der aber, so Staiger, durchaus auch aus dem örtlichen Einzelhandel kommen kann.

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