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11.05.2005 Gemeinderat informierte sich im Wald

Wald hat nicht nur Erholungsfunktion
Um Eichen zu fördern müssen oft Buchen fallen

Bei der Abschlussbesprechung am Ortsausgang von Etzenrot, wo eine mächtige Buche aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste, auf dem Stamm Forstamtsleiter Thomas Rupp. Das kleine Bild zeigt einen Buchenstamm mit Sonnenbrand


Früher als in den Vorjahren fand in diesem Jahr die Waldbegehung der Waldbronner Gemeinderäte statt. An mehreren Stellen des Gemeindewaldes informierten Thomas Rupp, Leiter des Forstbezirks Süd im Landratsamt Karlsruhe, sowie Revierförster Josef Mayer und gaben so einen repräsentativen Einblick in das Geschehen im Wald.
Beim Waldbronner Wald stehe nach Meinung vieler Bürger weniger die wirtschaftliche Seite als die Erholungsfunktion im Vordergrund, so Bürgermeister Harald Ehrler bei der Einführung. Deshalb gelte es das Bewusstsein für notwenige, auch wirtschaftliche Maßnahmen zu schärfen. Dieser Vorgabe kamen beide Forstleute detailliert nach.
Forstamtsleiter Thomas Rupp stellte eingangs fest, dass das Niederschlagsdefizit der zurückliegenden Jahre noch nicht ganz ausgeglichen sei. Vor allem bei den Laubbäumen seien die Kronen als Spätfolge der Trockenheit geschädigt. "Nicht übers Wetter schimpfen, dem Wald tut noch weiterer Regen gut!", so Rupp.
Auf den im Gemeinderat einstimmig beschlossenen Hiebsplan bezog sich Thomas Rupp als er ausführte, dass von den 2.400 geplanten Festmetern bereits 1.300 fm gefällt und großteils verkauft seien, wie Revierförster Mayer anmerkte. Den Einnahmen von 43.000 Euro stünden Ausgaben von 40.688 Euro gegenüber. Damit zeichne sich ab, dass der Haushaltsansatz weitgehend gehalten werden könne.

Revierförster Josef Mayer erläutert den Hiebsplan

Deutlich machten beide Forstleute aber die Gründe, die zur Fällung von Bäumen führen. Dies erläuterte Mayer an einer Station, wo 98 Buchen entnommen wurden, um für die Naturverjüngung Platz zu schaffen. Der "Altholzschirm" müsse ab einer gewissen Höhe der Naturverjüngungen entfernt werden, um Licht zu schaffen. Dabei müsse beim Fällen darauf geachtet werden, dass die jungen Pflanzen keine Schäden durch fallende Bäume erleiden, denn das Jungholz sei der wertvollere Bestandteil. Allerdings lasse man über die Fläche verteilt immer wieder einzelne Altbäume, vor allem Buchen und Eichen, stehen, darunter könne auch Totholz sein, das im Bereich von Wegen aber noch standfest sein müsse. Entfernt wurden an der Straße zwischen Reichenbach und Etzenrot auch einige Eichen, die nicht mehr standsicher waren.
Ein Fällen könne bei der Buche auch durch Rotkernbildung notwendig werden. Diese Oxidationserscheinung setze im Alter von 80 Jahren ein und nehme ab 100 Jahren sprunghaft zu. Diese Braunfärbung schließe oft eine Verwendung als Sichtholz aus und da die Leitungsbahnen verschlossen seien, sei auch eine Imprägnierung behindert, so dass eine Verwendung als Bahnschwellen nicht mehr in Frage komme.
Vorgestellt wurde auch die Feinerschließung durch Rückgassen, über die das Holz aus dem Wald geschafft wird. In einem Bereich bezifferte Mayer ein Drittel des geschlagenen Holzes als Schlagraum, der wieder stark gefragt sei. Die allein hier gewonnenen 250 Ster Brennholz bedeuteten eine Einsparung von 45.000 Litern Heizöl und eine Verringerung der CO2-Emissionen.

Die Arbeit eines Baumkletterers
wurde am Sonnenweg gezeigt

Um die Verkehrssicherung ging es am Etzenroter Sonnenweg. Hier werden derzeit durch einen Baumkletterer im Auftrag des Forsts dürre oder auch stark überhängende Äste entfernt, die teilweise bis in die angrenzenden Grundstücke hineinragen. Wenn sich Anwohner gegen diese Maßnahmen wehrten, gebe es die rechtliche Möglichkeit, so Rupp, die Verkehrssicherungspflicht auf sie zu übertragen.
An einem weiteren Standort in Etzenrot wurde gezeigt, warum scheinbar gesunde Buchen aus dem Bestand genommen werden. Damit wollen die Forstleute gezielt Eichen im Wuchs fördern. Die gut 40 Jahre alten Buchen beginnen in die Kronen der mittlerweile 100-jährigen Eichen hineinzuwachsen und nehmen ihnen so die Entfaltungsmöglichkeit. Die kurz aufkeimende Diskussion ob Eiche oder Buche verstummte, als Thomas Rupp erläuterte, dass im Waldbronner Wald 34 Prozent Buchen, aber nur 6 Prozent Eichen stehen.
Einige Buchen leiden hier auch an Sonnenbrand, das sie in Folge des Sturms "Lothar" freigestellt und ungeschützt der Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren. Davon seien vor allem glattrindige Bäume betroffen, bei denen die Kambiumschicht durch Überhitzung zerstört wird. Solche Bäume sind dann dem Pilzbefall schutzlos ausgeliefert.
Abgeschlossen wurde der Rundgang beim Standort einer gefährlichen Altholzbuche am Ortsausgang von Etzenrot in Richtung Spielberg. Dafür musste die Kreisstraße für eine Woche voll gesperrt werde. Allein 17 Prozent der Gesamtkosten dieser Maßnahme, so Mayer, verschlangen die Verkehrssicherungsmaßnahmen.
Für den Herbst sind die restlichen Hiebe geplant. Dabei geht es nach Aussagen von Mayer um rund 900 fm in Reichenbach und großteils in Busenbach, weitere 200 fm sind in beiden Distrikten eingeplant für Bäume mit Borkenkäferbefall, Dürreschäden oder Windfall.

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