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21.01.2005 Fastnacht bei der Lyra Reichenbach

Reminiszenz an Olympia
Heiteres und Kritisches bei den Lyra-Narren

Waltraud Kieweg (li.), Torsten Rangs (re.) und Elke Auer kamen mit ihren närrischen Vorträgen gut an

Traditionell eröffnet die "Narren-Abteilung" des Musikverein "Lyra" Reichenbach die Fastnachtssaison in Waldbronn mit zwei Prunksitzungen. Und auch In diesem Jahr lieferten die Lyra-Fastnachter eine schwungvolle, kurzweilige Show ab, die unter dem Motto stand "Narrenolympiade bei der Lyra". Und wenn die Narren im Saal Medaillen hätten vergeben können, die drei Tenöre gleich zur Eröffnung wären mit einer goldenen Auszeichnung von der Bühne gegangen.

Gelungene Eröffnung: die "Drei Tenöre" mit (v.li.) Matthias Strack, Markus Reiser und Daniel Becker

Nach dem Einzug des Elferrats begrüßte zunächst einmal, wie es sich gehört, Sitzungspräsident Manfred Hübscher alle Närrinnen und Narren im Saal, unter ihnen auch den Schirmherrn der Waldbronner Fastnacht, Bürgermeister Harald Ehrler und hängte im Lauf des Abends zahlreichen Promis im Saal den olympischen Lyra-Jahresorden um. Zu den Klängen des Triumphmarsches aus "Aida" sprintete dann ein Fackelläufer in den Saal und entzündete das närrisch-olympische Feuer. Und dann eben die "Drei Tenöre". Daniel Becker, Markus Reiser und Matthias Strack zündeten mit ihrer Playback-Nummer ein derartiges Feuerwerk, dass die Zuschauer im Saal sofort auf Touren kamen.
Musikalisch durch das närrische Treiben geleitete die Narrenkapelle unter der Stabführung von Gernot Franz. Sie begleitete die beiden Schunkelrunden, zu denen die "Fitnesstrainer" Julia Löffler, Eugen Endres und Willibald Masino nicht nur den gesanglichen Teil beisteuerten, sie verstanden es auch, die Narren mit einer Polonaise und sonstigen Bewegungsübungen auf Trab zu bringen.

Die "Midis" bei ihrem Auftritt als fernöstliche Kämpfer

Höhepunkte in der Lyra-Fastnacht sind auch die Ballettgruppen. Die Kindergarde, die "Minis", gefielen in der Einstudierung von Silvia Hucker und Heike Strack als allerliebste Negerlein. Die Jugendgarde, auch "Midis" genannt, kam ihren Zuschauern als fernöstliche Kämpferinnen mit wunderschönen Kostümen. Einstudiert hatten diese Nummer Nadja Dies, Ines Ochs und Ines Wetzstein. Gleich zweimal waren die "Tanzmäuse" unter der Leitung von Christina Gartner auf der Bühne. Zur Eröffnungsfeier steuerten sie einen griechischen Folkloretanz, statt des sonst hier üblichen Gardemarsches, bei. Ins alte Griechenland zurück versetzten sie mit wunderschönen Kostümen und einem gelungenen Tanz ihre Zuschauer.

Die "Tanzmäuse" bei ihrem Showtanz

Bleiben noch zwei Gruppen: dabei landete das Männerballett, Leitung Elke Auer, in diesem Jahr mit der Idee und der Durchführung einen Volltreffer. Was die zwölf "reizenden Damen" als Synchronschwimmerinnen boten, war eine tolle närrische Leistung und wurde auch entsprechend bejubelt. Bleiben noch die "Lyra-Fetzer", die wie immer den Schlusspunkt setzten. Sie erzählten mit ihrem Frontmann Manfred Hübscher die bewegende Geschichte vom Holzmichel, der immer noch lebt, packten dabei gekonnt zahlreiche Schlager hinein und brachten die Närrinnen und Narren vor dem Finale nochmals richtig in Schwung, auch mit dem gemeinsamen Song "Viva, die Lyra".

In Hochstimmung kam der Saal bei den Schunkelrunden

Ortsgeschehen, heiter verpackt, wat teilweise von den Büttenrednerinnen und Redner zu erfahren. So kehrte gleich als Erste Elke Auer kräftig in den olympischen Lyra-Gefilden, wobei vom Vorstand über die Musiker, den Dirigenten bis hin zum Sitzungspräsident jeder sein Fett abbekam. Sie berichtete aber auch aus ihrem schweren Privatleben, um schließlich olympisch festzustellen: "Männer sind wie Medaillen, erst kämpft man darum, dann hat man sie am Hals!" Als unsportliches Mitglied der olympischen Gemeinschaft schlurfte Waltraud Kieweg in die Bütt. Nach diversen sportlichen Übungen stellte sie aber immer wieder fest: "Nur ganz Verrückte quälen sich!"
Als Nachtwächter im Olympiadorf brachte Manfred Hübscher einen treffenden, eher nachdenklich gehaltenen politischen Exkurs. Nach der Bundespolitik, wo es längst schon "zwölf geschlagen hat", sehe es aber in Waldbronn "mager mit der Kohle aus". Aber wenn man erst ne Ampel hat, dann ist der Titel "Stadt" nicht mehr weit. Und auf die Albtherme und ihre vier Sterne eingehend: "Vier Millionen wären uns lieber!" Am olympischen Stammtisch trafen sich Klaus Auer und Willibald Masino, zünftig wie alte Griechen gewandet. Sie fachsimpelten über Fußball -"Fußballspielen am Sonntag ist keine Sünde, aber so wie du spielst ..."- erzählten von ihren Frauen, vom Urlaub und neuen Haustieren, alles in allem wieder eine gelungene Nummer. Als "10-20-Kämpfer" hatte Torsten Rangs viele Sportarten durchprobiert. Höhepunkt sicher, als er im Eiskunstlauf die 8 in römischen Ziffern laufen sollte.
Eine Nummer für sich waren wieder Reiner Kraft und Horst Weber, in diesem Jahr als "Zäpfle und Pille". Sie kommentierten und glossierten das Ortsgeschehen, hechelten die Reichenbacher Gastronomie bis zum "Hotel Bratwurst" durch, verkündeten, dass der Bürgermeister den Bootsführerschein hat -"blaues Boot, blauer Mast, blauer Anzug - die Kinder am Ufer rufen: Hallo Käptn Blaubär!"- und nahmen auch sonst den Schultes kräftig auf die Schippe. Bücherei im Rathausmarkt, Abbau des Denkmals am Raiffeisenplatz -"komisch, jeder Bürgermeister hat sich ein Denkmal errichtet - der Ehrler baut eines ab!"-. Auch das Thermenbier beim letzten Kurparkfest nahmen sie aufs Korn und bezweifelten, ob das Wasser wirklich aus der Thermalquelle stammte mit der Feststellung: "ich hab zehne getrunke und immer noch Kreuzweh ghabt!" Ihnen hätten die Narren noch eine Weile zuhören können.
Zum Finale versammelten sich dann nochmals alle Mitwirkenden auf der Bühne, sangen und schunkelten mit den Närrinnen und Narren im Saal, ehe sie unter den Klängen der Sitzungskapelle wieder aus ihrem Olympiastadion auszogen.

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