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13.11.2004 Stephan Blinn bei der SPD

Virtuosität an dünnen Fäden
Stephan Blinn bei der SPD Waldbronn

Beim Ball der einsamen Herzen

Puppenspiel wird von Vielen etwas despektierlich, wenn auch grundlos, mit Kasperle-Theater gleichgesetzt. Und Puppenspiel stand jetzt in einer Veranstaltung der Waldbronner SPD auf dem Programm, die dafür den renommierten Karlsruher Puppenspieler Stephan Blinn gewinnen konnte. Stephan Blinn gilt als einer der  besten Puppenspieler Deutschlands und ist seit 1980 auf Europas Bühnen mit seiner professionellen Varieté-Show unterwegs. Er ist Perfektionist. Detailverliebt und authentisch verleiht er seinen selbstgeschnitzten und konzipierten Puppen Charakter. Er ist Chirurg, Visagist, Träumer, Schauspieler und Parodist in einem - ein Ästhet ganz und gar.
Stephan Blinn ist ein Spieler: Er spielt mit Puppen, dem Publikum, die Puppen mit ihm, mit Geschick und Charme, mit Witz und Ironie. Er zaubert das Leben auf die Bühne, lebt in den Puppen und die Puppen durch ihn und umgekehrt. Durch die offene Spielweise schafft Blinn bewusst den Brückenschlag zwischen Show und Wirklichkeit.
Hier wird keine Kasperle-Geschichte erzählt. Vielmehr präsentiert Blinn in seinem rund zweistündigen Programm Highlights, die ihresgleichen suchen. Die "Geschichten am laufenden Faden" zeigen artistische Akrobatik, Comedy und musikalische Virtuosität in Vollendung - moderiert von Conferencier "François Gelatti", der seinem unverleimten Mundwerk unermüdlich das Publikum animiert.

Stephan Blinn mit seinem Bodybuilder

Und was hat die Francois Gelatti nicht alles anzusagen: ein Höhepunkt jagt den anderen: ein Zeremonienmeister aus einem Fürstenhof ist ebenso dabei wie ein Stierkämpfer oder ein Bodybuilder, die Zauberin Miss Samba, ein Eisläufer oder ein Rockstar und noch einige mehr. All seinen Figuren verleiht Blinn unverwechselbaren Charakter und Charme. Seine wahre Meisterschaft aber blitzt auf, wenn mehrere Figuren gleichzeitig auf der Bühne zum Leben erwachen, wenn ein Paar beim Ball der einsamen Herzen ein Tänzchen wagt oder die vier Herren des "Golden Gate Quartett" im Takte der Musik und lippensynchron singen.
Und immer lässt sich Stephan Blinn zusehen, verbirgt bei der offenen Art seiner Darbietung nicht seine Kunst, und die ist artistisch, wie er mit den Fäden seiner Figuren spielt. Im fast vollbesetzten Saal des Kulturtreff jedenfalls hatte Francois Gelatti wenig Mühe, sein Publikum zu animieren, der Beifall war mehr als kräftig.

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