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14.11.2004 Volkstrauertag 2004

Gedenkstunde zum Volkstrauertag
Helmut Völkle hielt Ansprache am Ehrenmal in Etzenrot

Die Ansprache bei der Gedenkstunde der Gemeinde am Ehrenmal in Etzenrot hielt Bürgermeisterstellvertreter Helmut Völkle

Jährlich am Volkstrauertag gedenkt auch die Gemeinde Waldbronn in einer Feierstunde ihrer Opfer der Kriege. Diese Feierstunde fuindet jährlich am Ehrenmal einer anderen Ortsteils statt. Die Feierstunde am Ehrenmal in Etzenrot umrahmten der Gesangverein "Constantia" Etzenrot unter der Leitung von Harald Fritz und der Musikverein "Harmonie" Etzenrot unter der Leitung von Michael Weber. Pfarrer Siegfried Weber sprach ein Gebet zum Gedenken. Die Ehrenwache mit Fackeln stellten Mitglieder von Deutschem Rotem Kreuz und Freiwilliger Feuerwehr Etzenrot.
Die Ansprache zur Gedenkfeier hielt Bürgermeisterstellvertreter Helmut Völkle, der vor den zahlreichen Teilnehmern ausführte:
"Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
Ich begrüße Sie am Volkstrauertag 2004 hier an der Gedenkstätte des Ersten und Zweiten Weltkrieges in Etzenrot.
Ohne den Gedenktag, den Volkstrauertag, der seit 85 Jahren begangen wird, droht die Erinnerung an das große Leid in der Welt und die Weltkriege zu schwinden. In unseren Kirchen in Waldbronn war gestern und heute in den Gottesdiensten zu hören:
"Oh Herr, gib uns Frieden. Oh Herr gib Frieden allen Völkern."
Diese große Sehnsucht nach Frieden wird hier und in der ganzen Welt immer wieder erbeten. Und trotzdem greifen schmutzige Hände mit ihren Gelüsten nach Macht, Gewaltherrschaft und Intoleranz nach Waffen und Instrumenten, die dem Frieden schaden und zerstören. Ihn nicht überall zur Geltung kommen lassen.
Da gibt es Gruppierungen, bei denen will auch am Volkstrauertag keine Trauer mehr aufkommen. Sind es bei ihnen die vergessenen Jahre 1940 bis 1945 danach, obwohl die Blutspuren jener Jahre bis in unsere heutige Zeit hineinreichen.
Es gibt weiterhin Unfrieden, Unsicherheit und das Morden will kein Ende nehmen.
Hunderttausende besuchen jährlich die deutschen Kriegsgräber. Sie fühlen sich in Gedanken verbunden mit dem was einmal war.
Die Kreuze dort sprechen auch für alle, die einmal den schweren Opfergang für uns gegangen sind. Sie sind Beweise einer zutiefst humanen Gesinnung und legen Zeugnis ab von schweren seelischen Belastungen.
Sie wollen uns mahnen, nie wieder die Waffen gegeneinander zu erheben.
Es spricht da die tiefe Sehnsucht nach Frieden und Geborgenheit. Sie erinnern an die Orte, wo vor nahezu 60 Jahren Menschen gequält und zu Tode gebracht wurden. Und unter nationalsozialistischen Grausamkeiten leiden mussten.
Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern möchte, wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren. Das Leid und der Schmerz ist noch groß genug in dieser geschundenen Welt, in der immer noch die Schreie der Gefolterten zu hören sind.
Und was tun wir? Dürfen wir das Leichentuch der Gleichgültigkeit darüber ausbreiten? Gleichgültigkeit ist falsch! Sie löst keine Impulse, keine Botschaft aus. Es geht heute vielmehr darum, sich gegen Unrecht, Fremdenhass und die Deformierung Andersdenkender zu wehren.
Dies richtig zu werten, das ist auch eine aus dem heutigen Tag sich zu ergebende Forderung. Sie verbindet Generationen als eine Mahnung zum Frieden. Mögen die Verantwortlichen daraus die Kraft schöpfen Konflikte friedlich zu bewältigen und Kriegstreibern zu widerstehen.
Die Erinnerung an die Kriege der Vergangenheit geschehe auch mit großer Sorge über den erneuten Ausbruch von Gewalt, nicht zuletzt auch in Europa. Die Bürger- und Bruderkriege, die nachhaltiger und schwerer sind als man denken und glauben mag.
Aus der Erkenntnis heraus, dass Friede nur gemeinsam auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Vernunft gesichert werden kann, begegnen wir jeglichen kriegerischen Ereignissen mit Unverständnis. Die Ursachen, die den Tod von Millionen Menschen gebracht haben sind nur ganz selten durch den Verstand erfassbar. Gerade deswegen bedarf es des Volkstrauertages als besonderen Anlass. Ist er nicht nur ein Gedenktag, Tag der Trauer und der Erinnerung. Sondern auch ein Tag des Mitgefühls mit denen, die noch immer Leid tragen.
Gleichzeitig will er auch zur Versöhnung aufrufen. Alles Auftreten im Ausland und mit Gästen im Zusammenhang mit Städtepartnerschaften bewirken Versöhnung und Verständigung.
Jenen, die die entsprechenden Signale setzen, gilt Dank und Respekt.
Nur so ist es möglich geworden, dass die Deutschen nahezu seit 60 Jahren in Frieden leben. Wir haben hoffentlich gelernt, dass alles menschliche Leben einen gleich hohen Wert hat. Toleranz ist deshalb eine wichtige Grundlage. Wir sind aufgerufen uns in Frieden zu bewähren. Vor den Tatsachen aus der Vergangenheit nicht zu schweigen. Es gilt die Stimme zu erheben, wenn es um die Sache des Friedens geht.
Grund zur Trauer gibt uns auch die Unmenschlichkeit und die Abscheulichen Gräueltaten   unserer gegenwärtigen Zeit auf. Da werden Menschen als Geiseln genommen, zusammen geschlagen, Kinder auf schändliche Art und Weise missbraucht, genötigt, vergewaltigt und schließlich ermordet. Man kann die Augen auch nicht verschließen vor den vielen Opfern des Verkehrs. Den zu Tausenden Verkehrstoten in unserem Land. Eine traurige Bilanz.
Beschneiden der Menschenrechte, organisiertes Verbrechen mit Todesfolge gehen einher. Die aktuelle Gewalt ist Anlass zu fragen, ob bei der Aufarbeitung der Vergangenheit immer die rechten Maßstäbe angewandt und die richtigen Konsequenzen gezogen wurden.
Sprachlos und mit dem Gefühl der inneren Ohnmacht stehen wir oft da.
Wenn der Musikverein Harmonie Etzenrot zum Ende dieser Gedenkstunde das Lied vom guten Kameraden spielt ist es gut zu vergegenwärtigen, dass hinter jedem Kriegsgrab ein menschliches Schicksal, hinter jeder Aufschrift auf einem Grabstein oder Grabkreuz ein denkender und fühlender Mensch mit allen seinen guten und weniger guten Eigenschaften, mit seinen Träumen und Hoffnungen, mit seinen Ängsten und Nöten steht.
Millionen Menschen, jeder eine unverwechselbare Persönlichkeit. Sie haben eines gemeinsam: Krieg und Gewalt zerstörte ihr Leben.
Gemeinsam müssten die Kräfte mobilisiert werden, um Frieden zu erreichen und Verständnis für die in Not geratenen zu wecken. Wir gedenken heute der Opfer der beiden Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft, der Opfer heutiger Gewalttätigkeiten. Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, der gefallenen und vermissten, Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung, und die Opfer sinnloser Gewalt, der Katastrophen- und Unglücksfälle, des Verkehrs und der Technik, der Opfer der Vertreibung und Flucht. Aber auch derer, die wegen ihrer politischen Überzeugung, ihres religiösen Bekenntnisses oder ihrer rassistischen Abstammung misshandelt, ihrer Freiheit beraubt oder verstorben sind.
Wir gedenken der verstorbenen unserer Heimat, die in den Herzen ihrer Angehörigen noch fest verankert und auf unseren Friedhöfen in Etzenrot, Busenbach und Reichenbach ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.
Lassen Sie mich stellvertretend für die Verstorbenen den Namen Heribert Purreiter nennen, der auf ganz tragische Weise am 15. Oktober verstorben ist.
Die wir betrauern haben das Tor der Ewigkeit durchschritten. Wir neigen uns in Ehrfurcht und legen als Zeichen des Gedenkens einen Kranz hier an der Gedenkstätte nieder. Nach dieser Gedenkstunde wird ebenfalls ein Kranz am Ehrenmal in Busenbach und Reichenbach niedergelegt.
Ich danke für die Mitwirkung dem Musikverein Harmonie in Etzenrot mit seinem Dirigenten Herrn Weber, dem Gesangverein Constantia mit seinem Dirigenten Herrn Fritz, dem DRK und der Freiwilligen Feuerwehr Etzenrot für die Ehrenwache, ich danke Ihnen allen, meine sehr geehrten Damen und Herren für Ihre Teilnahme
."

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