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16.05.2004 Neuroder Mühlenkreuz restauriert

Mühlenkreuz erinnert an Mord in Kochmühle
Kreuz umfassend restauriert und an neuem Standort aufgestellt
Michael Taller übernahm die Kosten für die Restaurierung

Dass das Mühlenkreuz in Neurod erhalten werden konnte und zukünftig gepflegt wird, dazu trugen wesentlich bei (v.li.): Selma und Michael Taller, Michael Huber, Willi Becker, Bürgermeister Harald Ehrler und Alfons Kiecherer.

Schaurige Geschichten schrieb das Leben auch in den vergangenen Jahrhunderten. Eine davon passierte 1847 in der Kochmühle. Wie Rene Löffler in seiner Dorfchronik berichtet, hat Christian, der älteste Sohn des Kochmüllers, seinen jüngeren Bruder Johann im Wasserbau der Mühle erschlagen. Christian hatte jahrelang fernab der Heimat ein ausschweifendes Leben geführt und war erst heimgekehrt, als der Vater ihn von der Erbfolge ausgeschlossen hatte. Noch während der Beerdigung von Johann - so die Dorfchronik - versuchte Christian, mit den gewaltigen mechanischen Kräften der Ölpresse seinem Leben ein Ende zu setzen, doch im letzten Moment zog er offenbar seinen Kopf zurück, und verbrachte den Rest seiner Zeit entstellt und in geistiger Verwirrung.
Der leidgeprüfte Vater ließ 1953, zwei Monate vor seinem Tod, dieses Wegkreuz unweit der Mühle aufstellen. Es war Sühnezeichen und Mahnmal und - wie alle in dieser Zeit aufgestellten Feldkreuze - Ausdruck tiefer Frömmigkeit. In der Bevölkerung hat sich zur Erinnerung an das schlimme Geschehen für das Kreuz der Name "Mühlenkreuz" eingebürgert.
Wechselvoll ist die Geschichte dieses Kreuzes. 1889 wurde es durch "Frevlerhand gefällt", wie es in einer alten Chronik nachzulesen ist. Im zweiten Weltkrieg trotzte es drei Fliegerbomben, aber 1954 wäre es beinahe den Straßenverbreiterungsarbeiten zum Opfer gefallen. Mit Unterstützung des damaligen Etzenroter Bahnhofsvorstehers Leopold Gartner und des Landesdenkmalamtes wurde es 1958 nahe des ursprünglichen Standortes wieder aufgestellt. Nachdem der Zahn der Zeit unübersehbar an dem Mahnmal genagt hatte, wurde es 1983 bereits umfassend erneuert. Die Kosten wurden zu je einem Drittel von der Gemeinde Waldbronn, der Pfarrgemeinde Herz-Jesu Etzenrot und dem Schwarzwaldverein Waldbronn getragen, der auch die Federführung bei den Arbeiten hatte. Soweit die Vorgeschichte des Mühlenkreuzes, die vom Bürgermeister in seiner Rede ausführlich dargestellt und zum Schluss von August Schwab noch ergänzt wurde.

 

Das restaurierte Mühlenkreuz segnete Pfarrer Joachim Greulich, daneben Wolfgang Hanel, der mit seinen Schülern eine gelungene Dokumentation über Kleindenkmale in Waldbronn erarbeitet hat.

 

 

 

 

 

Nun war es wieder soweit, dass das Kreuz in einen mehr als sanierungsbedürftigen Zustand gekommen war. Aus Anlass der Kreuzeinweihung in der Reichenbacher Kronenstraße erzählte Bürgermeister Harald Ehrler Michael Taller vom Mühlenkreuz, das aus Sicherheitsgründen entfernt werden müsse. Spontan, so der Bürgermeister bei seiner Ansprache, erklärte sich Michael Taller bereit, zu helfen, indem er die Kosten für die Restaurierung übernahm und so das Kreuz vor seinem endgültigen Verfall bewahrte. "Solche Kleindenkmale können nur Bestand haben, wenn sich Menschen finden, die sich für sie finanziell engagieren".
Bildhauer Michael Huber aus Oberkirch, der die Restaurierung des Kreuzes durchgeführt hat, wies auf die Problematik hin. Viele dieser Kleindenkmale wurden früher mit Polyesterharzen behandelt und die einzelnen Teile verklebt. Da das Polyesterharz aber die Oberfläche des Steins angreife, müsse bei einer Restaurierung das Kunstharz auf mineralische Basis zurückgeführt werden. Die Eisenteile, die das Kreuz zusammenhalten, wurden jetzt einschließlich der Wundnägel in Edelstahl ausgeführt. Die Farbtöne wurden an das ursprüngliche Material angeglichen. "Das Kreuz hat jetzt einen schönen Platz in einer herrlichen Naturkulisse gefunden", so Bildhauer Michael Huber abschließend.
Gesegnet wurde das Kreuz durch Pfarrer Joachim Greulich. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde in Neurod durch den Musikverein "Harmonie" Etzenrot. Den Standort weiter pflegen wird jetzt der Schwarzwaldverein Waldbronn, der zudem zum Verweilen neben dem Kreuz eine Sitzbank stiftete.

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