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16.11.2003 Feierstunde zum Volkstrauertag

Erinnerung an die Opfer von Gewalt, Krieg und Verfolgung
Feierstunde zum Volkstrauertag auf dem Friedhof Busenbach

Die Feierstunde der Gemeinde Waldbronn fand in diesem Jahr am
Ehrenmal auf dem Friedhof Busenbach statt.

Die zentrale Feier der Gemeinde Waldbronn zum Volkstrauertag fand in diesem
Jahr am Ehrenmal auf dem Friedhof Busenbach statt. Umrahmt wurde sie durch
den Gesangverein "Freundschaft" Busenbach und den Musikverein "Edelweiß"
Busenbach. Die Ehrenwache stellten Mitglieder des Deutschen Roten Kreuzes und
der Freiwilligen Feuerwehr Busenbach. Pfarrer Bernd Peisker sprach ein Gebet für
die Toten. Bürgermeister Harald Ehrler hielt bei dieser Feierstunde die Ansprache
und sagte:
„Trauer ist die Erinnerung des Herzens".
„Trauer bedeut Anteilnahme mit den Mitmenschen, aus ihr entsteht Solidarität und
Trauer schärft das Gewissen.
Aber Trauer bedeutet auch Dank – und daraus entsteht die Verpflichtung, alles zu
tun, damit Menschen nicht erneut trauern müssen".
Liebe Mitbürgerinnen, liebe Mitbürger, meine sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Jugend.
Zur Gedenkfeier aus Anlass des Volkstrauertages begrüße ich Sie sehr herzlich
und danke Ihnen, dass Sie zur heutigen Feierstunde gekommen sind. Wie auch in
den Vorjahren wollen wir in unserer Gemeinde Waldbronn gemeinsam mit Ihnen,
dem Gemeinderat und den mitwirkenden Vereinen und Vereinigungen, diese
zentrale Feier begehen.
Volkstrauertag – Tag der Trauer
Volkstrauertag – Tag der Mahnung
Volkstrauertag – Tag der Hoffnung
Als ich zu Hause am Mittagstisch erzählte, am Sonntag sei Volkstrauertag, da
fragte mich mein Sohn Lukas: „Papa, was ist Volkstrauertag?" Nun, Lukas ist
8 Jahre alt und natürlich kann er in seinem Alter nicht wissen, was der
Volkstrauertag ist. So kam seine nächste Frage: „Papa, wer ist denn gestorben?"
Darauf meine Antwort: „Viele mussten sterben!"
Als ich ihm dann erzählte, dass wir an die Opfer, an die Soldaten, an die Kinder, die
Frauen und Männer, denken, die in den beiden Weltkriegen gefallen sind, so sagte
mir mein Sohn wieder: „Papa, aber es ist doch noch Krieg! Schau doch nur in die
Zeitung!"
Ja, es ist noch Krieg. Täglich werden wir mit Bildern von Kampfpanzern,
Kampfhubschraubern und Soldaten mit Ausrüstung und Waffen konfrontiert. Es ist
Krieg – in vielen Ländern der Erde. Wir wurden und werden mit schrecklichen
Bildern aus dem Irak konfrontiert, aus Afrika, wir sehen kriegsähnliche Zustände
und Bilder aus Nordirland, aus Amerika. Krieg bedeutet auch Terrorismus,
Selbstmordattentate in Israel, Anschläge auf Institutionen und letztendlich die
schlimme und böse Absicht, Menschen zu töten. Leider sind diese Erscheinungen
alltäglich, ob in der Tagesschau oder dem Heute-Journal oder in einer der vielen
Tageszeitungen oder Wochenjournale.
Wohin man schaut, Krieg – Krieg – Krieg.
Gerade deshalb ist es für uns, die wir heute politisch Verantwortung tragen, wichtig,
durch solche Feierlichkeiten wie heute am Volkstrauertag, auf das Unrecht, das
Unheil und das schlimme Treiben in der Welt aufmerksam zu machen. Denn der
Volkstrauertag ist, wie der Name schon sagt, ein Tag der Trauer. Trauer aus
Verlust geboren. Besinnung auf des Lebens dunkle Seiten, Erinnerung an Schuld
und Leiden. Der heutige Volkstrauertag ist aber auch Tag der Mahnung –
Mahnung, dass die Trauer nicht umsonst ist.
Warnung, dass der Mensch sich ändern muss und der Glaube, dass er dies auch
kann.
Der Glaube versetzt Berge. – Dieses alte Sprichwort hat sicherlich auch heute noch
seine Bedeutung, denn, wenn wir mit -und - nach einem bestimmten Glauben
leben, dann besinnen wir uns auf den wirklichen und tatsächlichen Sinn unseres
Lebens.
Volkstrauertag – Tag der Hoffnung.
Hoffnung, dass jeden Menschen Herz zutiefst nach Frieden sucht.
Umfragen an Schulen und Kindergärten haben ergeben, dass sich Kinder und
Jugendliche vor allem eines wünschen: Frieden!
Unsere Jugend wünscht sich, dass die Menschen auf der Welt friedlich, freundlich
und verständnisvoll miteinander umgehen. Deshalb sollten wir, die Erwachsenen,
auch danach handeln, denn unsere Zukunft ist schließlich die Zukunft unserer
Kinder und Jugend.
Der Volkstrauertag soll aber auch Vertrauen schaffen, Vertrauen darauf, dass wir
uns alle bemühen, friedlich miteinander umzugehen und dass wir, sofern es in
unserer Macht liegt, das Unheil anprangern und verurteilen.
Grundsätze, wie die Achtung voreinander, die Toleranz gegenüber anderen
Menschen, Rassen und Religionen, die Fähigkeit zu teilen, um nicht zu leiden –
daran soll uns der heute Volkstrauertag erinnern.
Wenn wir heute den Volkstrauertag begehen und an die Opfer von Gewalt, Krieg
und Terrorismus denken, so sind wir mit unserer solidarischen Unterstützung auch
bei den deutschen und anderen Soldaten, die sich zum Schutz der
Weltbevölkerung vor Terroristen und Kriegshandlungen in fremden Ländern
einsetzen.
Gerade wir in der Gemeinde Waldbronn, wir pflegen einen regen kulturellen
Austausch mit anderen Ländern.
Durch unsere Partnerschaften zeigen wir, dass Toleranz und Solidarität keine
Fremdworte für uns sind. Besonders durch unsere Partnerschaften mit Esternay
uns St. Gervais in Frankreich, Monmouth in England und Reda in Polen zeigen wir,
dass wir es ehrlich meinen. Auch die mittlerweile innigen und herzlichen Kontakte
nach Jekaterinburg in Russland stehen für unsere Offenheit und das Zeichen nach
Versöhnung und Verbrüderung.
Wir haben die Verpflichtung für unsere Gemeinde, unser Land, für Europa, ja für
die ganze Welt, für Völkerverständigung und Versöhnung zwischen den Menschen
über alle Grenzen hinweg, einzutreten.
Wir Deutsche, wir dürfen dankbar sein, dass wir nun seit 1945 ohne Krieg auf
deutschem Boden leben können. Deshalb ist die Sicherung des Friedens die größte
menschliche Herausforderung weltweit und wir alle müssen uns dafür, tagtäglich,
einsetzen.
Der heutige Volkstrauertag soll uns daran erinnern und Appell sein. Auch die Pflege
der Gedenkstätten in Busenbach, Etzenrot und Reichenbach trägt zu diesem
Bewusstsein bei. Gedenkstätten sind Mahnmal für Versöhnung und Frieden, über
die Gräber und Gräben der Vergangenheit hinweg. Zeichen unserer
Verantwortlichkeit, die Würde des Menschen zu achten und dem Frieden unter den
Menschen zuhause und in der Welt zu dienen.
Deshalb ist es sinnvoll und auch zu begrüßen, dass Bürger und Vereine im Laufe
eines Jahres Gedenkstätten besuchen, Blumen und Kränze niederlegen und wir als
Gemeinde diese Gedenkstätten entsprechend pflegen.
Und - es ist die besondere Verpflichtung einer Gemeinde und ihrer Bürger, dass
wenigstens einmal im Jahr in ehrendem Gedenken, wie heute am Volkstrauertag,
eine Feierstunde mit Kranzniederlegung stattfindet.
Wir werden im Anschluss an diese Feierstunde auch an den Gedenkstätten in
Etzenrot und Reichenbach jeweils einen Kranz in stillem Gedenken niederlegen.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem Gesangverein und dem Musikverein für die
gesanglichen und musikalischen Beiträge, der Freiwilligen Feuerwehr und dem
Deutschen Roten Kreuz für die Ehrenwache und Ihnen allen, für Ihren Besuch
dieser Feierstunde.
Einigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden, soll die Zukunft aller Menschen dieser
Erde im neuen Jahrtausend bestimmen. Auch wir wollen hierzu unseren Beitrag
leisten.
Volkstrauertag – Tag der Trauer, Tag der Mahnung, Tag der Hoffnung.
Die Kranzniederlegung stellte Waldbronns Bürgermeister unter die Leitgedanken:
Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer
aller Völker.
 Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die
durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und
Flüchtlinge ihr Leben verloren.
 Wir gedenken derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk
angehörten, einer anderen Rasse  zugerechnet wurden oder deren Leben wegen
einer Krankheit oder Behinderung als lebensunwert  bezeichnet wurde.
 Wir gedenken derer, die ums Leben kamen, weil sie Widerstand gegen
Gewaltherrschaft leisteten, und derer, die den Tod fanden, weil sie an ihrer
Überzeugung oder an ihrem Glauben festhielten.
Wir trauern um die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, um die Opfer
von Terrorismus und politischer Verfolgung, um die Opfer sinnloser Gewalt, die bei
uns Schutz suchten.
Wir trauern mit den Müttern und mit allen, die Leid tragen um die Toten. Doch
unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen
und Völkern, und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen zu
Hause und in der Welt.

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