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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


25.11.2001 Magelone - Lieder beim Kulturring


Es ist schon ein Kunststück, für ein Vorhaben wie die sonntägliche "Märchenstunde für Erwachsene" im Kulturtreff drei erstrangige Interpreten zusammen zu bekommen und dann auch noch einen allseits passenden Termin zu finden. Als ein Stück wahrhaft großer Kunst entpuppte sich dann, was sich hinter dem bescheidenen Titel versteckt hatte und jetzt um so beglückender zum Vorschein kam. Um "Die wundersame Liebesgeschichte von der schönen Magelone und dem Grafen aus der Provence" ging es - um eine uralte Sage, die in vielerlei Gestalt in die europäische Literatur eingegangen ist.
Eine der lyrischsten Fassungen hat Ludwig Tieck 1797 geschaffen, und eben diesem Text gab jetzt Annegret Müller ein wunderbares Eigenleben, das sowohl aus ihrem äußerst behutsamen Umgang mit der Sprache als auch aus der menschlichen Nähe und Wärme ihres Vortrags schöpfte. Darin eingebettet erklangen nach und nach die insgesamt 15 Romanzen, die Johannes Brahms als eines seiner schönsten Liedwerke Tieck nachkomponiert hat - einen ganzen Kosmos von Empfindungen und Gefühlsregungen von seligem Überschwang, schmerzvoller Leidenschaft oder heldischer Dramatik bis zum stillen, zartgetönten Glücksgefühl der Liebenden.
Mit seinem reich angelegten und wunderbar timbrierten Bariton, vor allem aber auch mit einer auf Anhieb gewinnenden Natürlichkeit gestaltete Michael Volle diese Romanzen, wobei ihm nicht nur der musikalische Duktus, sondern um nichts weniger auch die Sprache und ihre Verständlichkeit am Herzen lagen. Perfekt bis zur unscheinbarsten Nebennote und dem Sänger ebenbürtig in seiner Funktion als Mitgestalter versah Karl-Peter Kammerlander den Klavierpart. Die Zuhörer verdankten dieser literarisch-musikalischen Dreieinigkeit ein Erlebnis, dessen Nachklang wohl noch eine Weile anhalten dürfte.