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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


18.11.2001 Volkstrauertag


Die Feierstunde der Gemeinde Waldbronn zum Volkstrauertag fand in diesem Jahr am Gefallenenehrenmal in Etzenrot statt, zu der eine große Zahl Waldbronner Bürgerinnen und Bürger gekommen waren. Musikalisch umrahmt wurde sie durch den Gesangverein "Constantia" Etzenrot und den Musikverein "Harmonie" Etzenrot. Freiwillige Feuerwehr und Deutsches Rotes Kreuz stellten während der Feier eine Ehrenwache mit Fackeln.
Die Ansprache hielt Bürgermeister Harald Ehrler:
"Volkstrauertag – Tag der Trauer – Trauer aus Verlust geboren
Besinnung auf des Lebens dunkle Seiten - Erinnerung an Schuld und Leiden
Volkstrauertag - Tag der Mahnung - Mahnung, dass die Trauer nicht umsonst
Warnung, dass der Mensch sich ändern muss, Glaube, dass er dies auch kann.
Volkstrauertag – Tag der Hoffnung – Hoffnung, dass jedes Menschen Herz zutiefst nach Frieden sucht.
Vertrauen, dass aus Sehnsucht Taten werden, die Brücken bauen.
Einsicht, zu achten, dulden, teilen, um nicht zu leiden.
Der heutige Tag erinnert uns zum einen an die Toten der Weltkriege und lässt uns zurückblicken. Zum anderen mahnt er uns und lässt den Blick nach vorne richten. Wenn die Mahnung der Toten zum Frieden und zur Versöhnung nicht nur Gerede und nicht nur ein kurzer Aufschrei sein soll, dann, liebe Anwesende, müssen wir den heutigen Tag sehr, sehr ernst nehmen.
Gerade der Volkstrauertag in diesem Jahr 2001 ist für uns Deutsche ein besonderer Tag und er unterscheidet sich von den Gedenktagen der letzten 40 Jahre. Hat sich die Welt, haben sich die Friedensbemühungen nach dem 11. September verändert? Auch Deutschland schickt Truppen in den Krieg zur Terrorbekämpfung nach Afghanistan und möglicherweise auch noch in andere Länder und die Bundesregierung denkt darüber nach, sogar Bodentruppen bzw. Elitekampftruppen zu entsenden. Damit erfüllt Deutschland die Forderungen eines globalen Sicherheitsbündnisses mit unseren Partnern in Europa, Amerika und damit in der ganzen Welt.
Wenn wir also heute den Volkstrauertag begehen und nachher der Opfer von Gewalt, Krieg und Terrorismus gedenken, so sind wir mit unserer solidarischen Unterstützung auch bei den deutschen und anderen Soldaten, die sich zum Schutz der Weltbevölkerung vor Terroristen in fremden Ländern einsetzen.
Vorrangig ist der Volkstrauertag, wie der Name schon sagt, ein Tag der Trauer. Die Trauer, die wir heute empfinden, ist damit auch die Einsicht in das, was Menschen anderen Menschen antun können, wohin Vorurteile, Verachtung und Verblendung, wohin Gewalt und Hass, ja wohin Gleichgültigkeit und Herzenskälte führen können. Sie ist Trauer über den Verlust der elementaren Qualität des Menschen die wir in diesem Jahrhundert vielerorts so leidvoll erfahren haben und beklagen müssen.
Diese Trauer ist bei manchen, aber nicht bei jedem, an persönliche Erlebnisse gebunden. Wohl aber an ein kritisches historisches Interesse und vor allem an die Fähigkeit, sich in andere hinein zu versetzen – an die Fähigkeit zu Mitgefühl, zu Mitleiden, zu Mitleid.
Die Trauer muss uns leiten in unserem Mitgefühl mit den Opfern der Kriege und des Unrechts in unserer Zeit. Wenn wir es so verstehen, dann sind die Gräber der gefallenen Soldaten, dann sind die Stätten des Gedenkens an die Opfer der Gewaltherrschaft Lernorte der Menschlichkeit und des Friedens. So verstanden ist der Volkstrauertag ein Gedenktag für Menschenrechte und für die Menschenwürde.
Themen unserer Zeit beschäftigen sich immer wieder mit der Vergangenheit. Sei es die Diskussion um den Standort des Holocaustdenkmals in Berlin oder aber die Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter durch die Unternehmen. Ohne eine Vergangenheit können wir keine Gegenwart erleben und nicht in die Zukunft blicken. Denn unser Ziel, wir, die wir heute politische Verantwortung tragen und die Fürsorge für eine Vielzahl von Menschen übernehmen, lautet, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen, damit wir es heute und in der Zukunft besser machen können.
Gerade die Gemeinde Waldbronn mit einem regen kulturellen Leben, aktiven Vereinen und Partnerschaften zeigt, dass Solidarität und Toleranz keine Fremdworte sind. Besondere Freude empfinde ich durch das Pflegen unserer Partnerschaften mit Esternay und St. Gervais in Frankreich, Monmouth in England und Reda in Polen. Gegen alle drei Länder, England, Frankreich und Polen, haben wir Deutsche schon einmal gekämpft. Deshalb sehe ich die Partnerschaften unserer Gemeinde Waldbronn als ein besonderes Zeichen der Versöhnung und Völkerverständigung.
Wir haben die Verpflichtung für unsere Gemeinde, unser Land, für Europa, ja für die ganze Welt, für Völkerverständigung und Versöhnung zwischen den Menschen über alle Grenzen hinweg einzutreten. Wir Deutsche dürfen dankbar sein, dass wir nun mehr als 50 Jahre ohne Krieg auf deutschem Boden leben dürfen. So gesehen ist die größte menschliche Herausforderung die Sicherung des Friedens weltweit und wir alle müssen uns dafür, tagtäglich, einsetzen.
Der heutige Volkstrauertag soll uns daran erinnern und Appell sein. Auch die Pflege der Gedenkstätten in Busenbach, Reichenbach und hier in Etzenrot trägt zu diesem Bewusstsein bei. Gedenkstätten sind Mahnmal für Versöhnung und Frieden über die Gräber und Gräben der Vergangenheit hinweg. Zeichen unserer Verantwortlichkeit, die Würde des Menschen zu achten und den Frieden unter den Menschen zu Hause und in der Welt zu dienen. Deshalb ist es sinnvoll und auch zu begrüßen, dass Bürger und Vereine im Laufe eines Jahres Gedenkstätten besuchen, Blumen und Kränze niederlegen und wir als Gemeinde diese Gedenkstätten entsprechend pflegen. Und – es ist die besondere Verpflichtung einer Gemeinde und ihrer Bürger, dass wenigstens einmal im Jahr in ehrendem Gedenken, wie heute am Volkstrauertag, eine Feierstunde mit Kranzniederlegung stattfindet. Wir werden im Anschluss an diese Feierstunde auch an den Gedenkstätten in Busenbach und Reichenbach jeweils einen Kranz im stillen Gedenken niederlegen.
Einigkeit, Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden soll die Zukunft aller Menschen dieser Erde im neuen Jahrtausend bestimmen. Auch wir wollen hierzu unseren Beitrag leisten.
Ich danke dem Gesangverein und dem Musikverein für ihre gesanglichen und musikalischen Beiträge, der Feuerwehr und dem DRK für die Ehrenwache und Ihnen allen danke ich fürs Kommen."

Bürgermeister Harald Ehrler und Bürgermeisterstellvertreter Helmut Völkle legten danach den Kranz der Gemeinde am Ehrenmal nieder. Mit der Deutschen Nationalhymne endete die besinnliche Feierstunde am Ehrenmal in Etzenrot. Im Anschluss an diese zentrale Feier wurden vom Bürgermeister im Namen der Gemeinde Kränze an den Ehrenmalen in Busenbach und Reichenbach niedergelegt.