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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


03.11.2001 Musikschule feierte mit Dvorak-Messe


Die Einweihung einer kleinen Kapelle im Umfeld eines böhmischen Schlosses und das relativ sparsam bemessene Personal, das für den musikalischen Rahmen dieses festlichen Anlasses zur Verfügung stand, gaben der Messe D-Dur op. 86 von Antonin Dvorak das Maß vor, nach dem sich der Komponist mit seinem Auftragswerk zu richten hatte Die jetzt in erweiterter Besetzung und im größeren Raum der Reichenbacher Pfarrkirche St. Wendelin ausgerichtete Aufführung dieser Messe vermittelte Eindrücke von einer so redlich bemühten und so lebendig präsentierten Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe, wie man sie nicht ohne weiteres erwartet hatte. Das Ergebnis ehrt die Ausführenden gleichermaßen wie die Musikschule Waldbronn, die hier gemeinsam mit dem Kirchenchor Reichenbach - Etzenrot einen weiteren Beitrag zu ihrer 20-Jahrfeier leistete.
Anders als etwa mit seinem "Stabat mater" oder mit dem "Requiem", bei denen Dvorak in punkto Aufwand aus dem Vollen schöpfte, hatte er seine D-Dur-Messe aus den oben dargelegten Gründen ursprünglich nur für Soloquartett, einen damals vermutlich kleinen Chor und Orgel komponiert. Doch wie immer und überall gerade in der Beschränkung sich der Meister zeigt, so auch hier. Allein mit der Orgel statt eines voluminösen Orchesters und mit einer verhältnismäßig einfachen musikalischen Struktur gelang es Dvorak nicht nur an seinem hohen künstlerischen Anspruch festzuhalten, sondern wie aus (fast) allen seinen Werken auch den darin wiedererstandenen, legendären Spielmann hervorlugen zu lassen, der mit allen Fasern in der böhmischen Landschaft und im böhmischen Volkstum verwurzelt war Es ist gut vorstellbar, dass diese erste, ,"leisere" Urform der Messe in der intimen Atmosphäre der Barockkapelle von Luzany -so heißt der Ort der Uraufführung- ihren ganz besonderen Reiz entfaltete.
Doch in Reichenbach ging es jetzt um die erweiterte Zweitfassung mit Orchester, die freilich mit einem vergleichsweise immer noch bescheidenen Instrumentarium dem Original behutsam nahe blieb. Dvorak hatte sich auf die Umarbeitung einlassen müssen, weil er anders keinen Verleger für sein Werk gefunden hätte. Damit die Zuhörer schon mal darauf eingestimmt wurden wie ,"böhmisch" es gleich mit dem wiegenden, von den hohen Streichern übergIänzten Tonfall des ,"Kyrie" beginnen sollte, gab es vorab erst noch zwei kleinere PsaImtext-Vertonungen für Sopran und Orgel - vom ersten Takt an unverwechselbar Dvorak pur! Und wer hätte nicht auch in den folgenden Messeteilen wieder und wieder den lyrisch schwelgenden Romantiker und Künder slawischer Folklore wiedergefunden! Daneben blieb Dvorak aber auch der klanglichen Prachtentfaltung auf der Linie kirchenmusikalischer Tradition nichts schuldig, etwa mit den großen Aufschwüngen des "Gloria" und des "Sanctus" oder auch mit der hochdramatischen Gespanntheit der "Kruzifixus" – Passage im "Credo", um nur auf diese wenigen Beispiele hinzuweisen.
Michael Hilschmann als künstlerischer Leiter hat die ihm zu Gebote stehenden Mittel und Möglichkeiten optimal genutzt, um den Zuhörern die schlichte Schönheit, die Ausdruckskraft und den alles bewegenden sakralen Urgrund dieser Musik zu vermitteln und dabei auch den großen Vorteil der Orchesterfassung hervorzukehren, die gegenüber der Orgel sehr viel feinere Abstufungen und dynamische Schattierungen erlaubt. Mit großem Respekt ist in diesem Zusammenhang die Arbeit zu würdigen, mit der Hilschmann seinen ja nur im ländlichen Raum beheimateten Chor offenkundig so nachhaltig zu motivieren vermochte, dass er sich mit Fug und Recht auf den Anspruch dieser Dvorak-Messe einlassen durfte. Um nichts weniger gilt dies für das von Toni Reichl vorbereitete Kammerorchester der Musikschule Waldbronn und das mit Roswitha Sicca (Sopran), Melanie Bürck (Alt), Stefan Phries (Tenor) und Aimar Tamel (Bass) alles in allem angemessen besetzte Solistenquartett - nicht zu vergessen Eberhard Essig an der Orgel. Die Zuhörer sparten denn auch nicht mit Dank für dieses wohlgelungene Unternehmen.

Am Schluss konnten Solisten und Dirigent stellvertretend für alle Mitwirkenden den Beifall der Besucher