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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


19.03.1999 SPD Waldbronn 80 Jahre


SPD Waldbronn:
Rückblick auf 80 Jahre Parteigeschichte
Bürgermeister Martin Altenbach hielt Festrede
Zahlreiche Gratulanten zum Geburtstag


Geburtstag feiert in diesem Jahr die SPD in Waldbronn. Gegründet wurde sie vor 80 Jahren in den damals selbständigen Gemeinden Busenbach, Etzenrot und Reichenbach. Auf dem Festakt im Kurhaus Waldbronn wurde ein informativer Rückblick auf die Geschichte der Sozialdemokratie in diesen 80 Jahren gegeben. Musikalisch wurde der Festakt umrahmt von Gerit Reichl und Ulrich Enters von der Musikschule Waldbronn und von Opernsänger Horst Bauer.
Ortsvereinsvorsitzende Marianne Müller begrüßte zu Beginn eine große Zahl von Gästen, unter ihnen besonders Klaus-Dieter Voigt, 0V-Vorsitzender und Mitarbeiter der örtlichen Stadtverwaltung aus Stadtilm in Thüringen, Bürgermeister und Ehrenmitglied der Waldbronner SPD Martin Altenbach, den Europaabgeordneten Dietrich Elchlepp, MdB Jörg Tauss, Regierungspräsidentin Gerlinde Hämmerle sowie die Bürgermeister Dieter Süss aus Malsch und Heinz Roser aus Pfinztal und zahlreiche Vorsitzende Waldbronner Vereine und Organisationen. Ein weiterer Gruß ging an die SPD- Kreisvorsitzende Ruth Römpert.
Die SPD sei bekanntermaßen die älteste bestehende politische Partei Deutschlands. Sie wurde 1869 auf dem Eisenacher Parteitag zunächst als SDAP Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet. Seit dem Parteitag in Erfurt von 1890 nannte sie sich SPD - Sozialdemokratische Partei Deutschlands. Gemessen an der Geschichte der Partei sei die Waldbronner SPD noch relativ jung.
Bürgermeister Martin Altenbach blickte in seiner ausführlichen Festrede zunächst auf die Anfänge im Albtal zurück, die von Schwierigkeiten mit der Obrigkeit gekennzeichnet waren, zumal Bismarck 1878 das Sozialistengesetz erlassen, aber auch schon 1872 den Jesuitenorden verboten hatte. Dennoch ließen sich im Zuge der lndustrieansiedlung im Albtal Arbeitersekretäre nicht davon abhalten, sozialistisches Gedankengut und sozialdemokratische Forderungen zu verbreiten. Einer der ersten und führenden Sozialdemokraten im Albtal war der 1884 geborene Busenbacher Josef Werner.
Der Erste Weltkrieg bewirkte zunächst das Aus für sozialdemokratische Kommunalpolitik im Albtal. Ermutigt durch die Soldatenräte, die sich mit dem Ende des Ersten Weltkrieges überall in Deutschland bildeten, bekamen auch die Anhänger der Sozialdemokratie wieder Oberwasser. Die Ersten, die sich organisierten, waren die Etzenroter, die am 02. Februar 1919 den ,,Sozialdemokratischen Verein von Etzenrot" gründeten, dessen Vorsitzender Sebastian Striegel wurde.
Bei den Gemeinderatswahlen am 22.06.1919 erhielt die Liste der ,,Arbeiterpartei Busenbach" mit Josef Werner, Friedrich Schroth und August Vogel drei Sitze von sechs. Aus den Reichenbacher Gemeinderatsprotokollen ist zu entnehmen, dass mit Adrian Becker und Richard Atzenhofer bei der Kommunalwahl 1919 ebenfalls zwei Sozialdemokraten gewählt wurden.
Eine wichtige Rolle spielte das Zentrum vor der Machtübernahme 1933 in der Gemeinde. Namentlich erwähnte Altenbach die Bürgermeister Ambros Bauer, Reichenbach, August Anderer, Etzenrot, und Hermann Weber, Busenbach. 1933 mussten sie den Dienst quittieren. Nach 1945 wurden alle drei Genannten erneut Bürgermeister in ihren Heimat-gemeinden.
1948 schlug die große Stunde für den Sozial-demokraten Josef Werner. Die Bevölkerung von Busenbach wählte ihn zum Bürgermeister. Zu Karl Lichtenfels müsse ein besonderes Wort gesagt werden. Nach der Machtübernahme 1933 riss er zusammen mit Josef Werner und Alois Kunz die vor dem Busenbacher Rathaus aufgehängte Fahne der NSDAP herunter. Noch in derselben Nacht wurden alle Drei von der Gestapo verhaftet. Alois Kunz ,,übernahm die Verantwor-tung" für die Tat. Aus der Einwohnerschaft heraus wurde die Fa-milie des zu einer mehrmonatigen Haftstrafe verurteilten Alois Kunz verdeckt mit Nahrung versorgt.
In Etzenrot wurde 1964 Julius Schmieger zum Bürgermei-ster gewählt. In Reichenbach waren es Wendelin Becker, Stefan Ziegler, Otto Nowotny und danach Richard Stark, Karl Hüvel und Wendelin Masino, die in der Gemeindepolitik nachhaltig mitmischten. In Busenbach dau-erte es bis 1957, ehe ein neuer Ortsverein unter der Leitung von Alfred Ochs gegründet wurde. Danach waren u.a. Hugo Bugger und Herbert Hügel Mitglieder des Gemeinderates.
Mit der zum 01.01.1972 erfolgten Neubildung der Gemeinde Waldbronn wurde der SPD-Ortsverein Waldbronn gebildet. Frauen übernahmen zunehmend die Verantwortung nachdem zunächst Klaus Bugger Ortsvereinsvorsitzender war. Namentlich nannte Altenbach Inge Lore Fischer, Marianne Müller und Birgit Klumpp, die auch heute noch mit Mechthilde Schall, Elke Stadlander und Ilse Langen dem Waldbronner Gemeinderat angehören. Altenbach fuhr wörtlich fort: „Ich kann nur sagen, die Sozialdemokraten können froh sein, dass sie im Ortsverein und im Gemeinderat Frauen haben, die in kommunalen Belangen nachhaltig mitbestimmen."
Zur aktuellen Situation um den Rücktritt Oskar Lafontaines erinnerte Altenbach an Karl Lichtenfels, der in seiner deftigen Art gesagt hätte: „Überbrückungsgeld bekommen die Kerle, die Pensionen sind zu hoch, da kann man leicht den Bettel hinschmeißen!" Sozialdemokraten stehe es gut an, wenn sie an die Anfänge und Schwierigkeiten vor 80 und mehr Jahren im Albtal zurückdenken, wenn sie sich in persönlichen Belangen zurückhalten, wenn sie kritisch sind gegenüber der eigenen Politik, sich aber mehr in Solidarität üben, als dies in Bonn gerade vorgemacht werde.
Europa-Abgeordneter Dietrich Elchlepp ging auf die Geschichte der Sozialdemokratie innerhalb der europäischen Union ein, streifte aber auch die derzeit kritische Situation in Straßburg und Brüssel. MdB Jörg Tauss berichtete über die Arbeit in Bonn mit durchaus kritischen und auch selbstkritischen Untertönen. Für den CDU - Ortsverband sprach Werner Anderer Grußworte, bei denen er die SPD - Geschichte der letzten 80 Jahre in den Mittelpunkt stellte. Für den Kreisverband überbrachte Kreisvorsitzende Ruth Römpert Glückwünsche. Im Namen des Ortsvereins Stadtilm wies Klaus - Dieter Voigt auf die gute Beziehung seit der Wende hin. Die SPD Waldbronn habe durch ihre Hilfe den Start sehr erleichtert.