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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


28.08.2001 Waldbronner Woche: Musikkabarett beim Kulturring


"Was ist an Musik schon lustig?" war die Frage, die Dietrich Paul, Doktor der Mathematik und Jockey kabarettistischer Husarenritte am Klavier in den Raum des Kulturtreffs gestellt hatte. "Eigentlich nichts" könnte man darauf antworten, aber wenn er, der "Piano Paul", dieser Frage nachgeht, dann sprüht plötzlich der Witz aus allen Noten und zwischen allen Taktstrichen hervor. Um aber seine saalfüllende Zuhörerschaft erst mal an die Leine zu nehmen und die Lachmuskeln in Schwung zu bringen, gab er vorab mit vielfach listigem Hintersinn zum Besten, was ihm bei einem morgendlichen Rundgang durch den Ort aufgefallen war - vom Berliner Milljöh und der Hermann Hesseschen Wolf-"Steppe" beispielsweise bis zu dem zwischen schwäbischem Schlecker und angelsächsisch fremdelndem Angels Diner noch namenlos gebliebenen "Platz", der eigentlich gar keiner sei, weil er mitnichten die Bürger zum Flanieren einlade, dafür um so mehr die Autofahrer zum Parken. Deshalb Pauls ganz schlichter Namensvorschlag: "Parkplatz-Platz".
Dann aber ging’s zur Sache mit dem Kabarett, das dessen Urheber als Musikantenstadl für Leute mit Abitur definierte. Für die erste halbe Stunde war "Happy Birthday" angesagt, der tönende Allerwelts-Glückwunsch, den jeder kennt. Als ob ihn auch Mozart, Beethoven, Wagner, Richard Clayderman und noch etliche andere schon gekannt hätten, führte der geborene Niederbayer einmal vor, wie das wohl geklungen hätte, wenn sich die Musikheroen der Vergangenheit und ihre meist weniger heroischen Nachfahren einzeln oder gar zu zweit und auch noch gleichzeitig dieser Melodie angenommen hätten. Die beim Blues endende musikalische Zeitreise war ein auch verbal mit spielerischer Leichtigkeit serviertes pianistisches Glanzstück, für dessen Finessen das Publikum offensichtlich ein hellwaches Ohr hatte und auch dementsprechend reagierte.
Und so ging’s weiter, wobei eine Pointe die andere jagte. Mal agierte "Piano Paul" als Harmonium-Spieler beim Standesamt, mal als Pausenzeichen-Pianist beim Rundfunk, wobei er sogar diesen spröden Stoff noch zu einem Kabinettstück veredelte - ein andermal wiederum entdeckte er Gemeinsamkeiten zwischen zwei Hochfesten des Jahres, der Weihnacht und dem Karneval, die er pfiffig im Doppelpack von "Süßer die Glocken nie klingen" und "Heile, heile Gänschen" zusammenspannte. Selbst die Morgenstunde eines Autofahrers oder seine Erlebnisse, seine Gedanken und Gefühle im Stau verwandelte er in anschauliche Hörbilder, so beispielweise mit dem Stop and go im Tango-Rhythmus, mit dem sich ein eiliger Fahrer hinter einem kriechenden Laster dahinquält..
Mit diesen paar Ausschnitten aus "Piano Pauls" Programm muss es hier sein Bewenden haben. Das Fazit: Auf der Bühne ein musikalisches Kabarett vom Feinsten ohne billige Blödelei und ohne geschmackliche Ausrutscher - und vor der Bühne ein hell begeistertes, allem Anschein nach hochzufriedenes Publikum. Ein die Waldbronner Woche jedenfalls qualitätvoll bereichernder Beitrag des Kulturrings!