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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


25.07.2001 Gemeinderat im Wald


Schon Tradition ist es beim Waldbronner Gemeinderat, dass die letzte Sitzung vor der Sommerpause als Waldbegehung durchgeführt wird. Daran wollte auch Bürgermeister Harald Ehrler nicht rühren, wie er sagte. Er begrüßte im Kurpark die Gemeinderäte, anwesende Bürgerinnen und Bürger und vor allem Forstdirektor Hermann Schäfer und den für Waldbronn zuständigen Revierleiter Harald Mohr. Forstdirektor Schäfer seinerseits betonte, dass die Waldbegehung eine Art Rechenschaftsbericht der Forstverwaltung über das "Gemeindevermögen Wald" darstelle. In mehreren Stationen ging es dann durch den Gemeindewald vom Kurpark bis zur Wiesenfesthalle. Dabei erläuterte Schäfer den Gemeinderäten Fragen und Probleme unmittelbar vor Ort.
Als Ziele der Waldbegehung nannte Schäfer neben der Rechenschaftslegung vor allem den Überblick über anstehende Maßnahmen und Probleme. Der erste Blick galt dabei der Sturmholzaufarbeitung, hier legte der Forstdirektor detaillierte Zahlen vor. So fielen von den 26.000 cbm Holzvorrat bei Fichte und Tanne 62 Prozent dem Sturm zum Opfer. Mit dem Borkenkäferbefall bezifferte Schäfer den Schaden sogar auf fast 67 Prozent. Bei der Douglasie waren von 10.000 cbm rund die Hälfte betroffen. Nicht ganz so stark erwischte es Kiefer und Lärche, hier waren von 27.000 cbm 30 Prozent und bei den Laubbäumen von 37.000 cbm gar "nur" 24 Prozent betroffen. Insgesamt waren von den 100.000 cbm Holzvorrat 42 Prozent vom Sturm geschädigt.
Waldbronn, so Schäfer weiter, verfüge über 326 ha Holzbodenfläche, von denen "Lothar" auf rund 100 ha Bäume geworfen hat. Diese Fläche entspreche der Verjüngungsfläche der letzten 50 Jahre. Die Folge davon sei, dass jetzt weitreichende Entscheidungen über die Zusammensetzung des Waldes zu treffen sind und dies ein enormes Arbeitspensum für die Forstverwaltung mit sich bringe, vor allem Revierleiter Harald Mohr sei davon betroffen, der die Beschlüsse in die Praxis umsetzen müsse.
Die Wiederbewaldung entfalle nach dem Plan des Forstamts auf folgende Typen: auf 13,6 ha sollen Laubbäume angepflanzt werden, der Forstdirektor nannte hier insbesondere die Eiche, aber auch Bergahorn gedeihe gut. Auf 29,2 ha solle durch gezielte Pflanzungen ein Nadel - Laub - Mischwald entstehen, bei immerhin 50 ha setze man auf die Naturverjüngung. Bei den Anbauflächen, so das Konzept, werde nur in lockerem Verband gepflanzt, so dass zwischen den gepflanzten Bäumen noch Naturverjüngung aus dem Samen alter Bäume möglich ist. Eine gute Nachricht hatte Forstdirektor Schäfer in diesem Zusammenhang für die Gemeinderäte. Zur Wiederbewaldung gibt es Zuschüsse aus Landesmitteln.
Bedroht werden fast alle Wiederbewaldungsflächen von der Brombeere, die teils die Jungpflanzen umdrücke, so dass sie nur krumm aufwachsen, teils "ersticke" sie sie aber auch ganz und gar. Das Zurückdrängen der Brombeeren sei mit hohen Kosten verbunden, da von Hand die Brombeerranken ausgehauen werden müssen, weil der Einsatz von Herbiziden auch vom Forst nicht befürwortet werde.
Neben der Brombeere bereitet aber auch das vermehrte Auftreten des Borkenkäfers Probleme. "Lothar" habe hier viel Brutraum geschaffen, so dass es zu einer Massenvermehrung kam. Deshalb mussten viele grüne, äußerlich noch gesund aussehende Bäume eingeschlagen werden, um die Weiterverbreitung des Holzschädlings einzudämmen. Wichtig sei, dass man den Käfer noch als Larve erwische. Eingeschlagene Bäume würden entweder sofort verkauft und im Sägewerk dann entrindet. Wo dies nicht möglich sei, müsse im Wald entrindet werden, um die Larven an ihrer vollen Entfaltung zu hindern. Trotzdem komme man um den Einsatz von Insektiziden nicht herum, mit denen unverkäufliche Stammteile oder Gipfelstücke behandelt werden müssen. So stehe das Jahr 2001 im Zeichen "zufälliger Nutzungen". Ihre Höhe, so der Forstdirektor, lasse sich derzeit noch nicht abschätzen. Sicher sei nur, dass auch in 2002 ein Großteil des Holzeinschlags durch den Borkenkäfer ausgelöst werde.
Große Schäden hat die Sturmzeit durch Überbeanspruchung auch an den Waldwegen hinterlassen. Inzwischen seien aber alle Wege wieder befahr- und begehbar. Hier wurden 40 Prozent der Kosten vom Land übernommen. Auf einigen Wegen konnte noch kein Feinsplitt aufgebracht werden, da auf ihnen noch Holz abgefahren werden muss.
Vorgestellt und vom Gemeinderat einstimmig beschlossen wurde der neue Hiebsatz, das ist die Menge Holz, die jährlich dem Gemeindewald entnommen wird. Durch den Anfall an Sturmholz ist hier eine Verminderung vorzunehmen. Die Forstverwaltung schlug dazu vor, den bisherigen Hiebsatz um ein Drittel auf etwa 2.370 Festmeter statt wie bisher geplant 3.500 fm bis zum Ablauf der Forsteinrichtungsdekade in 2007 zu kürzen.