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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


11.07.2001 Eistreff - Planung


Die Sanierung des Eistreff Waldbronn wird den Gemeinderat auch weiterhin beschäftigen. Allerdings steht jetzt nicht mehr das Ob zur Debatte, der Bürgerentscheid wird von allen Gemeinderäten ausdrücklich respektiert, es geht jetzt um das Wie. Bürgermeister Harald Ehrler jedenfalls möchte den Eistreff umfassender sanieren als dies bisher geplant war. Die Einrichtung stellt einmal ein Attraktivitätsgewinn für Waldbronn dar, wie es in der Sitzung formuliert wurde, zum anderen soll sie auch tauglich gemacht werden für eine mögliche Sommernutzung.
Wie Waldbronns Bürgermeister zu Beginn ausführte, habe der Gemeinderat nach einer eingehenden Ortsbesichtigung beschlossen den Eistreff umfassender zu sanieren, als bisher geplant. Dazu wurde zunächst in einer Beraterfunktion das Krefelder Ingenieurbüro Raimund Krawinkel hinzugezogen, weil dieses Büro über viel Wissen bei Eishallen verfüge, immerhin habe es bereits 15 solcher Einrichtungen geplant und gebaut. Auf die Mitarbeit des Planungsbüros Liepelt solle in diesem Bereich verzichtet werden. Die Gebäude- und Tragwerksplanung dagegen verbleiben wie bisher beim Ingenieurbüro Piontek.
Bürgermeister Harald Ehrler skizzierte dann Grundzüge des neuen Gesamtkonzepts, wie sie sich aus Gesprächen zwischen der Projektgruppe und den Planern ergeben haben. Danach solle die Große Halle als geschlossene Halle mit einer mechanischen Be- und Entlüftung konzipiert werden. Erreicht wird damit ein besserer Schallschutz, aber auch Schwitzwasserprobleme wie bisher schon im Eislaufbetrieb lassen sich damit beseitigen. Die Bodenplatte solle niveaugleich ausgeführt und die Banden demontierbar werden. Übernommen werden soll die vorhandene Kältetechnik. Der Primärkreislauf wird dabei weiter mit R 22 gefahren, der Sekundärkreislauf unter den Eisflächen dagegen mit Sole. Keine Verwendung mehr finden soll das angedachte Icegrid - Mattensystem, da es, vor allem bei der angedachten Sommernutzung, noch nicht genügend erprobt sei. Dies bedeute aber, dass die alte Bodenplatte abgebrochen werden müsse. Völlig neu überplant werden muss dagegen der Zwischenbau mit seinen funktionalen Mängeln, dabei sollen auch bauliche Erweiterungen wie eine Vergrößerung der Pistenbar angedacht werden. Hinter das Restaurant setzte der Bürgermeister ausdrücklich ein Fragezeichen.
Das weitere Vorgehen skizzierte Ehrler so: Im September sollen dem Gemeinderat in einer Sondersitzung zwei Varianten einschließlich Kostenschätzung vorgelegt werden. Da die Vergabesumme voraussichtlich den Betrag von 5 Millionen Euro überschreiten werde, sei das europaweit vorgeschriebene Vorabinformationsverfahren vorsorglich eingeleitet worden. In diesem Jahr muss auf jeden Fall noch mit Arbeiten begonnen werden. Ehrler schlug vor, mit der Dachsanierung oder dem Abbruch der Bodenplatte den Anfang zu machen. In Frage stehe auf jeden Fall der Wiedereröffnungstermin Oktober 2002.
"Beim Eistreff ist man vor Überraschungen nie gefeit", so Heribert Purreiter (Bündnis90/DieGrünen). Der Stopp der Vergaben im Dezember erweise sich jetzt eher als positiv. Das alte Konzept hätte wahrscheinlich nie funktioniert. Die Ganzjahresnutzung finde ebenso seine Zustimmung wie die geschlossene Halle und das vorgeschlagene Zweikreiskühlsystem. Ein Fragezeichen allerdings setzte hinter das Kältemittel R 22. Eine Umstellung auf Ammoniak bedinge auch ein Auswechseln der Kühlaggregate, also könne man dies jetzt gleich tun. Prof. Dr. Kristian Kroschel (FWV) befürchtete, dass die Gemeinde durch den Planerwechsel Geld verliere. Kritisch äußerte er sich zur Sole, die Korrosionsschäden verursache. Bei der Sommernutzung solle man eine Nutzung als Festhalle mit bedenken. Er könne den Beschluss nur mittragen, wenn die Festhalle im Sommer in den Eistreff umziehe. Joachim Lauterbach (CDU) fragte ebenfalls nach den Kosten des Planerwechsels, aber auch, ob durch die gestiegenen Kosten ein höherer Landeszuschuss möglich sei. Der Bürgerentscheid müsse akzeptiert werden, aber nicht durch eine Minimallösung, so seine Forderung.
Günther Bauer (SPD) kritisierte das jetzige Verfahren. "Wir fangen wieder bei 1996 an", befürchtete er. Zudem sei nicht einsichtig, warum für die Sommernutzung eine geschlossene Halle nötig sei. Allein die Kosten für den Abbruch der Bodenplatte bezifferte auf über 2 Mio. DM. Die Kosten seien von ursprünglich 6 über 8,4 auf jetzt über 10 Millionen gestiegen. Wären die Vergaben durchgeführt worden, würde jetzt gebaut, "und zwar eine Eislaufhalle". Auch er übte Kritik an der Weiterverwendung des R 22, wegen dem die Halle einmal geschlossen wurde. Insgesamt sprach er sich für die bisherige Planung aus.
Bürgermeister Harald Ehrler stellte klar, dass im Sommer an 10 bis 15 Veranstaltungen wie Ausstellungen oder sonstige Events gedacht sei. Eine Nutzung als Festhalle schloss er ebenfalls, wie übrigens Günther Bauer, aus. Geschaffen werden solle eine attraktive Pistenbar, dann könne auf das Restaurant auch ganz verzichtet werden. Das Büro Liepelt habe den Planungsauftrag für die gesamte Technik gehabt. Allerdings habe Liepelt bisher erst eine Eishalle saniert, keine neu gebaut. Die Kosten bezifferte Ehrler auf 12 Mio. für die Sanierung plus 2 Mio. für Planung. In der sei der Zwischenbau bisher überhaupt nicht enthalten gewesen, er sei aber für einen funktionsfähigen Eistreff notwendig. Mit dem Wirtschaftsministerium sei im Übrigen bereits ein Termin festgelegt, bei dem es um einen höheren Zuschuss gehe, so Ehrler. Insgesamt erfordere eine neue Konzeption auch neue Überlegungen.
Dipl. Ing. Frank Zündorf ergänzte, dass R 22 noch bis mindestens 2010 im Primärkreislauf betrieben werden dürfe. Wenn es danach nicht mehr erlaubt sei, werde es durch Ammoniak ausgetauscht.
Der Zwischenbau sei im jetzigen Zustand vorübergehend akzeptabel bei einer reinen Eislaufnutzung, so Inge Lore Fischer (SPD). Sie sah einen Vorteil des Mattensystems gegenüber fest verlegten Rohren und bezweifelte den Erfolg der Sommernutzung. Ihre Fraktionskollegin Marianne Müller fürchtete, dass die höheren Kosten nur schwer zu vermitteln seien. Geradezu erschrocken sei sie, dass jetzt wieder Frigen ins Spiel komme. Sie bedauerte, dass in der Planungsgruppe keine Gemeinderäte vertreten seien.
Roland Bächlein (CDU) vermutete, dass die bisherigen Kosten "heruntergerechnet" waren, zumal das Büro Piontek schon früh auf Kosten in der jetzigen Höhe gekommen sei. Der Eistreff sei eine Investition, um die Attraktivität Waldbronns zu erhöhen. Prof. Manfred Hübscher (CDU) appellierte an seine Kollegen, nach vorne zu blicken und eine Sommernutzung einfach zu versuchen. Franz Masino (SPD) begründete die Differenz bei den Kosten mit der geschlossenen Halle, dem Lüftungssystem und dem Bodenausbau.
Bürgermeister Harald Ehrler machte abschließend darauf aufmerksam, dass noch keine Entscheidung über die Art der Sanierung gefordert sei. Es gehe nur um die Vergabe von Planungsaufträgen, um mehr Hintergrundwissen und weitere Alternativen zu erhalten. Damit konnten sich die Gemeinderäte anfreunden, so dass es 18 Ja - Stimmen bei einer Enthaltung gab. Mit großer Mehrheit abgelehnt wurde dagegen ein Antrag von Prof. Dr. Kristian Kroschel (FWV) , im Sommer die Festhalle ins Eistreff zu verlagern.