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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


27.04.2001 Galsan Tschinag las im Rathausmarkt


Der süßliche .Duft der verrauchten Jurtenplanen lag in der Luft; flackerndes Kerzenlicht tauchte das Innere des Rundzeltes in einen gedämpften, warmen Ton. In der schwarzen Jurte, die die Buchhandlung Müller - Schönbrunn auf dem Waldbronner Rathausmarkt aufstellen ließ, saßen die Zuhörer um Galsan Tschinag, Schriftsteller aus dem Volk der Tuwa - Nomaden geschart. Tschinag saß auf einem kleinen Podest, gekleidet in die mongolische Tracht, und las aus seinem neu erschienenen Buch "Der weiße Berg", dem letzten Teil seiner autobiographischen Trilogie. Es handelt von dem jugendlichen Tuwa-Nomaden Dshurukuwaa, der, zum Schamanen berufen, sich mit dem Einbruch der Moderne in seiner Heimat auseinandersetzen muss.
Tschinag bezeichnet sich als einen Schamanen, also einen Menschen, der seine tierischen Wurzeln noch nicht abgelegt hat, der die Natur noch lesen und verstehen kann, ohne auf seinen Vorstand angewiesen zu sein. Goethe und Beethoven waren die größten deutschen Schamanen, wird er später erzählen, auch wenn es im Deutschen keinen äquivalenten Begriff dafür gibt. Und so bleiben seine Schilderungen doppelt interessant: Zum einen der vermittelten Kultur wegen, zum anderen auch wegen der farben- und metaphernreichen Sprache, die eine andere Wahrnehmung widerspiegelt. "Ich erspüre die Stille. Sie ist so weiß wie Schnee, wie Milch", liest er mit kehliger, ernster Stimme. Diese Ernsthaftigkeit überträgt sich auf das ganze Zeltinnere, das zu einer kleinen Oase im Alltag geworden ist.
Als er später auf Fragen antwortet, die die Zuschauer ihm stellen, so ahnt man, dass hinter diesen Fragen mehr nur als bloße Wissbegierde liegt, sondern auch nach einer Lebenswahrheit gesucht wird, wie sie heute kaum noch zu finden ist. Und wenn er die Fäden spinnt zwischen Weltpolitik, der Gesellschaft und dem, was ihm die Natur eingibt, dann ist es mucksmäuschenstill in der Runde. Fine weiße Stille wie der Schnee.