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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


31.01.2001 Bürgerfragestunde zum Mobilfunkmast Etzenrot


"Wir haben Angst" und "Stoppt Viag Interkoma" stand auf Plakaten, die Mitglieder der Etzenroter Bürgerinitiative gegen den Antennenmast in den Kurhaussaal trugen. Wie berichtet war der Gemeinderat in seiner Sitzung am 18. Oktober einstimmig -bei einer Enthaltung- der Empfehlung des AUT gefolgt, und hatte "grünes Licht" für die Errichtung eines Mobilfunkmastes beim Wasserhochbehälter Etzenrot gegeben. Der AUT, darauf machte Bürgermeister Martin Altenbach zu Beginn aufmerksam, hatte in zwei Sitzungen das Thema "ausführlich und ausgiebig" vorberaten. Anders als bei der Eistreff - Diskussion schaltete der Bürgermeister diesmal eine -wie sich später zeigte- fast zweistündige Bürgerfragestunde der Sitzung des AUT vor, bei der die Emotionen oft hochgingen.
Vom Mobilfunkbetreiber Viag Interkom waren Frank Pott und Dietmar Schröder gekommen, um den Bürgern Rede und Antwort zu stehen. Pott, bei Viag Interkom zuständig für elektromagnetische Verträglichkeit, erläuterte, dass sein Unternehmen den Bauantrag gestellt hatte, um Etzenrot und Spielberg zu versorgen, eine Bemerkung, die bereits mit lautem Gelächter quittiert wurde, und alle vier Netzbetreiber sich auf diesen Standort geeinigt hätten.
An den 40m hohen Mast werden von jedem der Netzbetreiber drei Sektorantennen mit einer Sendeleistung von 2 mal 12 Watt montiert, wobei ein Kanal dauerhaft genutzt werde, der Zweite nur bei Bedarf zugeschaltet werde. Mit einer solchen Leistung sei keine Abstrahlung, wie befürchtet, bis Mannheim oder Stuttgart möglich. Zudem wies der VIAG - Vertreter darauf hin, dass alle diese Anlagen von der Regulierungsbehörde für das Post- und Fernmeldewesen genehmigt werden müssen. Grundlage dafür seien Grenzwerte, die von der Internationalen Strahlenschutzkommission der Welt - Gesundheits- - Organisation (WHO) festgelegt und in das Bundesemmissionsschutzgesetz aufgenommen wurden. Ändere sich diese Gesetzeslage, seien die Netzbetreiber verpflichtet, ihre Antennen den gesetzlichen Vorgaben anzupassen.
Mit dem Erhalt einer Lizenz sei für die Netzbetreiber aber auch die Pflicht zur Versorgung verbunden. Derzeit gebe in Deutschland knapp 40 Millionen Handyverträge, und für diesen wachsenden Markt müsse die Infrastruktur aufgebaut werden. Die neue UMTS - Technik spiele bei diesem Mast überhaupt keine Rolle, da diese Technik zunächst nur in Groß- und Mittelstädten aufgebaut werde. Ob sie im ländlichen Raum jemals Einzug halte, sei aus heutiger Sicht mehr als fraglich.
Von den Rednern aus Etzenrot wurde generell die Notwendigkeit für diesen Mast bezweifelt, der Mobilfunkmarkt sei gesättigt. Der Standort sei nur für Viag Interkom günstig. Wegen der noch ungeklärten Gesundheitsgefahren appellierte ein Redner, Handys nur sparsam einzusetzen. Die gepulsten Frequenzen könnten Schaden anrichten. In Frage gestellt wurden auch die Grenzwerte durch die WHO, die für ihre nicht offene Information bekannt sei. Linz und Salzburg hätten beispielsweise Grenzwerte festgelegt, die nur ein Tausendstel der WHO - Werte betragen, eine Feststellung, die von Pott bestritten wurde. Es handle sich um Vorsorgewerte, die maßgeblichen gesetzlichen Grenzwerte des Bundesgesetzgebers in Österreich seien die gleichen wie die WHO -Werte.
Kritisiert wurde die Höhe des Mastes und die "lächerlich geringen Pachtbeträge". H. Knorr wollte dazu von der Gemeinde wissen, welche außerkommerziellen Überlegungen die Gemeinde bewogen, der Errichtung der Anlage zuzustimmen und er fragte, was an "Einmalzahlungen" über die Pacht an die Gemeinde oder an wen auch immer geleistet wurde, ein Vorwurf der Bürgermeister Martin Altenbach veranlasste, die Unterstellung einer Bestechlichkeit für seine Verwaltung deutlich zurückzuweisen. Im übrigen entspreche die Gemeinde den öffentlich - politischen Interessen des Bundesgesetzgebers.
Rechtsamtsleiter Harald Irion machte darauf aufmerksam, dass solche Antennenanlagen bis zu einer Höhe von 10 M laut Bundesgesetzgeber verfahrensfrei errichtet werden können. Er zeigte Beispiele mehrerer solcher Anlagen in Waldbronn auf. Mit der Maßnahme in Etzenrot sollten solche Anlagen weit genug entfernt von der Bebauung gebündelt werden. Zudem müsse jeder Netzbetreiber eine Standortbe-scheinigung der Regulierungsbehörde vorlegen. Der Sicherheitsabstand beim geplanten Etzenroter Turm betrage 5,30 m vom Rand der untersten Antenne. Diese werde hier aber in 36 m Höhe angebracht sein.
Der Turm, so ein weiteres Argument, verändere die Landschaft. Er solle dort errichtet werden, wo sich Industrie und damit die Hauptnutzer befinden, beispielsweise im Ermlisgrund oder in der Daimlerstraße, Standorte, die überprüft aber als ungeeignet verworfen wurden wie Frank Pott erklärte. Den Mast 300 m weiter in den Wald zu rücken, schlug ein weiterer Redner vor. Harald Irion brachte dazu einen alternativen Standort beim Hohberg ins Gespräch, der vom Wasserhochbehälter abrücke, weil Gefahren für die Wasserqualität durch die Funkstrahlen befürchtet wurden. Auf die Frage von Pott "Können Sie mit diesem Standort leben?" scholl ihm ein vielstimmiges "Nein" aus dem Saal entgegen. "Sie sagen, sie wollen Etzenrot und Spielberg versorgen, wir sind doch versorgt! Was wollen Sie eigentlich hier?", fragte ein weiterer Redner. Geäußert wurden schließlich auch Befürchtungen, die Grundstücke in Etzenrot könnten an Wert verlieren. Alternativen für Antennen wurden aufgezeigt in der gesamten Umgebung, von Grünwettersbach über Spessart bis zum Wattkopf reichte da die Palette, was Bürgermeister Altenbach zu dem Stoßseufzer "Heiliger Sankt Florian" veranlasste. Gestellt wurden auch Fragen nach dem finanziellen Gewinn, den Viag Interkom aus diesem Mast ziehe.
Dietmar Schröder von Viag Interkom machte darauf aufmerksam, dass im Augenblick die Versorgung gegeben sei, bei steigender Zahl an Handys aber eine zuverlässige Versorgung nicht mehr gewährleistet sei. Wenn der gemeinsam genutzte Mast nicht möglich sei, dann müssten durch die Betreiber über die Gemeinde verteilt mehrere, dann aber genehmigungsfreie Anlagen verteilt werden.