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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


13.12.2000 Ziegenzuchtverein Reichenbach löste sich auf


Ein Bild aus besseren Tagen: Die "Maimarkt - Damenriege" von Friedrich Becker um "Starziege Yvonne", die 1984 Gesamtsiegerin auf dem Maimarkt Mannheim wurde. Darüber ein Teil der Preise, die Beckers Ziegen errangen.


Ziegenzuchtverein Reichenbach:
Mit Auflösung stirbt ein Stück dörfliches Leben
Nach 38 Jahren kam das Aus
Zahlreiche Preise für Reichenbacher Ziegenzüchter



Ein Stück alter Tradition starb mit dem Ziegenzuchtverein jetzt in Reichenbach. War die Ziege früher ein geschätztes Tier, wie Bürgermeister Martin Altenbach bei der letzten Mitgliederversammlung betonte -"die Ziegen sorgten nach dem Krieg dafür, dass wir Milch hatten"-, so spielt heute die Ziegenhaltung und Zucht nur noch eine Rolle als Hobby. Und so wurde es auch in Reichenbach bis in die 90er Jahre hinein von Friedrich Becker betrieben. Sichtlich schwer war ihm die Entscheidung gefallen, den Ziegenzuchtverein aufzulösen.
Schriftführer Werner Schroth gab bei der letzten Mitgliederversammlung in der Sportlerklause des TSV Reichenbach einen Überblick über 38 Jahre Ziegenzuchtverein Reichenbach. Gegründet 1962 zu einer Zeit, als Reichenbach wie auch die umliegenden Dörfer des Albtals noch stark landwirtschaftlich geprägt waren, wurde der Ziegenzuchtverein von 15 Männern gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wurde in der "Linde" Friedrich Becker gewählt, der damit nicht nur der erste Vorsitzende wurde, sondern in den 38 Jahren auch der einzige Vorsitzende dieses Vereins blieb. Schriftführer wurde Erhard Gartner, Kassier Franz Roth.
Nach der Gründung im Februar ging es Schlag auf Schlag. Anmelddung und Eintrag beim Badischen Ziegenzuchtverband im März, die ersten Milchkontrollen, für Zuchtziegen unerlässlich, im Mai, erste Herdbuchaufnahme mit Tätowierung und Registrierung als Zuchtziege im Verbandsbuch im Juni. Im Juli 1962 wurden bereits bei einer Bezirksziegenschau die ersten Preise errungen. Von 1963 bis 1989 wurden dann nahezu alle Vereins-, Bezirks- und Verbandsziegenschauen besucht und dabei beachtliche Erfolge errungen. Preisgelder, Pokale und Plaketten in Gold, Silber und Bronze waren der Lohn für die große Mühe der Züchter.
Regelmäßig besucht wurde auch der in Sinsheim stattfindende Bockmarkt mit vereinseigenen Zuchttieren, die meist gegen beachtliche Erlöse verkauft wurden. Höhepunkte waren aber immer die Verbandsziegenschauen beim Mannheimer Maimarkt. Und hier liegt auch ein besonderer Höhepunkt des Reichenbacher Ziegenzuchtvereins. 1984 nahmen Friedrich Becker und Johann Trentl mit ihren Tieren nicht nur teil, unter 29 dort vorgeführten weißen Ziegen errang Friedrich Beckers "Yvonne" den Ehrenpreis des Ministers für Landwirtschaft, Ernährung, Umwelt und Forsten. Außerdem wurde ihr die goldene Züchtermünze der Stadt Mannheim zuerkannt und mit der Nachzuchtsammlung konnte Becker einen 1a-Preis einheimsen. Kein Wunder, dass die BNN damals titelte: "Reichenbachs meckernde Damen mit Medaille dekoriert". Aber auch Johann Trentl ging nicht leer aus. Seine "Friederike" errang einen IIb-Preis.
Traurig endete für Friedrich Becker der letzte Ausstellungsbesuch 1993 mit "Yvonne". Regen und Kälte bei der Vorführung in Mannheim und ein anschließender Ausstellungsbesuch in Frankfurt ließen Yvonne an Lungenentzündung erkranken. Und trotz größter Bemühungen des Tierarztes war es nicht möglich, Yvonnes Leben zu retten. Damit war für Friedrich Becker als letztem Ziegenhalter in Reichenbach dieses Kapitel endgültig beendet.
"Gründungsmitglied, Gründungsvorstand, Motor und Macher des Ziegenzuchtvereins seit 38 Jahren ist Friedrich, unsere Leitfigur. Sein Name zieht sich wie ein roter Faden durch die Vereinsgeschichte", würdigte Werner Schroth das Wirken Beckers. Der Ziegenzuchtverein sei ein wesentlicher Lebensabschnitt für Becker gewesen, der auch seine Familie immer in den Verein eingebunden habe.
Die letzte Entlastung der Vorstandschaft beantragte dann Bürgermeister Martin Altenbach, der an die Zeit nach dem Krieg erinnerte und eigene Erlebnisse anekdotisch beisteuerte. Die Entlastung erfolgte ebenso einstimmig wie dem Antrag auf Auflösung des Vereins zugestimmt wurde. Das noch vorhandene Vereinsvermögen wurde aufgeteilt mit je 1.000 DM an das DRK Reichenbach, die Jugend des TSV Reichenbach und die Jugendfeuerwehr Reichenbach. Den noch verbleibenden Rest wird Friedrich Becker an das Hospiz Sonnenlicht in Auerbach übergeben. Für die Beschenkten sprach Alois Anker vom DRK Dankesworte. Für die Arbeitsgemeinschaft Reichenbacher Vereine sprach Norbert Anderer. Mit einem gemütlichen Beisammensein, bei dem noch so manche Anekdote aus früheren Jahren die Runde machte, endete die letzte Mitgliederversammlung des Reichenbacher Ziegenzuchtvereins.


Aus dem Vereinsvermögen gingen jeweils 1.000 DM an DRK Reichenbach, Jugendfeuerwehr Reichenbach, Jugend TSV Reichenbach und an das Hospiz Sonnenlicht. Auf unserem Bild von links: Alois Anker (DRK Reichenbach), Werner Schroth, Thorsten Huck (Freiwillige Feuerwehr Reichenbach), Friedrich Becker und Martin Steigert (Jugend TSV Reichenbach).