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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


19.11.2000 Feierstunde zum Volkstrauertag


Feierstunde auf dem Friedhof Busenbach:

Volkstrauertag 2000
Rede von Bürgermeisterstellvertreter Joachim Lauterbach

In Waldbronn fand die Feierstunde anlässlich des Volkstrauertages auf dem Friedhof Busenbach statt. Die feierliche Umrahmung erfolgte durch den Musikverein "Edelweiß" Busenbach und den Gesangverein "Freundschaft" Busenbach. Im Anschluss an die Feierstunde wurden an den Ehrenmalen in allen drei Ortsteilen Kränze niedergelegt.
Die Ansprache in Busenbach hielt Bürgermeister-Stellvertreter Joachim Lauterbach und führte dabei aus:
"Heute am Volkstrauertag gedenken wir, mehr als 50 Jahre nach den schrecklichen Geschehnissen des 2. Weltkrieges der Opfer von Krieg und Gewalt, der gefallenen Soldaten und all der Zivilpersonen, die durch Kriegshandlungen durch Konzentrationslager oder durch Euthanasie auf. der Flucht oder bei der Vertreibung ihr Leben lassen mussten. Wir gedenken all derer, die unter Gewaltherrschaften gerade in den ehemaligen sozialistisch kommunistisch geführten Ländern in Mittel- und Osteuropa Opfer ihrer Überzeugung oder ihres Glaubens wurden oder wegen der Teilung Deutsch-lands und Europas ihr Leben verloren.
Wir trauern jedoch nicht nur, weil wir einen persönlichen Verlust beklagen, sondern um all diesen Toten, die für ihren Glauben an Pflichterfüllung und ihre persönliche Lauterkeit im Einsatz der Verteidigung ihrer Werte Ehre zu erweisen. Wir bekennen uns damit zur Würde des einzelnen Menschen, die dem nationalen Machtstreben nicht geopfert und untergeordnet werden darf.
Wir gedenken nicht nur der Opfer deutscher Nationalität, sondern aller Toten, ungeachtet ihrer Herkunft. Wir gedenken in diesem Zusammenhang auch der Toten, die durch Naturkatastrophen, Flugzeugabstürze, Lawinenunglücke und Seilbahntragödien ihr Leben lassen mussten.
Unendliches Leid haben die Kriege über alle Menschen in Europa und der Welt gebracht.
Heute am Volkstrauertag wollen wir uns ermahnen, die Geschehnisse der Vergangenheit gerade in einer sehr bewegenden Zeit für uns Deutschen, in der es uns möglich ist in Frieden zu leben, nicht zu vergessen.
Auch heute müssen die Menschen in Europa wissen und begreifen, dass Friede nicht selbstverständlich ist. Wie schnell kriegerische Auseinandersetzungen stattfinden können, haben wir in den vergangenen Jahren im ehemaligen Jugoslawien leider feststellen müssen.
Wie die Menschheitsgeschichte zeigt, ist der Friede immer bedroht und unsicher. In diesem Zusammenhang müssen die aktuellen Spannungsfelder zwischen Israel und Palästina, die Unruhen im spanischen Baskenland und die Auseinandersetzungen in Nordirland erwähnt werden.
Auch nach 1945 haben überall auf der Welt viele Millionen Menschen die Schrecken des Krieges und kriegerischen Aus-einandersetzungen kennen lernen und erleben müssen.
Wer den Krieg verhindern will, muss sich daher Gedanken machen, wie er die Menschen daran hindert, ihn vom Zaun zu brechen. Er muss sich Gedanken darüber machen, warum es trotz der schlimmen Erfahrungen, trotz zahlloser Appelle, trotz einer großen Zahl von Verträgen und Versprechungen immer wieder zu Krieg gekommen ist.
Wir alle dürfen nicht müde werden, alles dafür zu tun, dass die Menschen nie wieder mit Waffen aufeinander losgehen. In einer Zeit der wirtschaftlichen Globalisierung und der sich immer weiter öffnenden Grenzen, müssen wir unsere Ideologien über andere, verschiedene Gesellschaftssysteme überprüfen und Wege zur Versöhnung und friedlichem Miteinander finden. Beharrlichkeit, Geduld und ein feinfühliges Gespür für die Empfindlichkeiten und Schwierigkeiten anderer Völker, die bei uns leben, sollten uns dabei leiten.
Das Verständnis, das zwischen den Franzosen und den Deutschen in den letzten Jahrzehnten effektiv praktiziert wird, ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa.
Versöhnung und Verständnis kann aber nicht gelingen, wenn sie sich nur auf die Appelle der Politiker, der Kirchen, der Gewerkschaften und sonstigen Organisationen beschränkt.
Es sind die vielen kleinen Begegnungen zwischen Familien, in den Schulen, am Arbeitsplatz, in den Vereinen und sonstigen Organisationen, die das Gebäude der Versöhnung und des Verständnisses zwischen den Völkern haben entstehen lassen. Der heutige Tag beinhaltet damit eine große Verpflichtung für uns alle, die den Frieden bewahren und die Wiederholung von vergangenem Unheil vermeiden wollen.
Die Gewalttaten und Anschläge der vergangenen Monate an ausländischen Mitbürgern müssen auf das Schärfste verurteilt werden. Alter, Geschlecht, Religion, gesellschaftliche Stellung spielen hier eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist der Wille, aus der Geschichte für die Zukunft zu lernen.
Es ist Aufgabe eines jeden Einzelnen, im Angesicht des millionenfachen Todes, für sich und mit Toleranz gegenüber dem anderen einen Weg zu finden, der ein Miteinander aller Menschen erlaubt.
Ein französischer Frontkämpfer aus dem 1. Weltkrieg formuliert dies folgendermaßen: "Nicht durch Entwaffnung wird man den Krieg unmöglich machen, wenn in den Herzen Hass zurück bleibt, ist es klar, dass man zu gegebener Zeit auch Waffen finden wird."
Wenn wir heute am Volkstrauertag uns über die kriegerischen Auseinandersetzungen der Weltkriege und aller Kriege Gedanken machen, dann erweisen wir nicht nur diesen Toten die ihnen gebührende Ehre, sondern wir erkennen auch, dass ohne das Mahnen und das Darauf hinweisen der schrecklichen Geschehnisse es eine menschenwürdige Zukunft nicht geben kann.
"Die Toten mahnen - schaffet Frieden!"
Dieser Aufruf und die Verpflichtung zum Frieden sind das Erbe und der Auftrag unserer Gefallenen und Toten. Für diesen Auftrag müssen wir mit Toleranz und Zivilcourage einstehen und überall dort aufstehen, wo der Friede gefährdet ist. Lassen Sie uns dazu mit unseren Möglichkeiten beitragen, dieses kostbare Gut des Friedens zu bewahren. Um die Toten zu ehren, legt die Gemeinde nun Kränze an den Gedenkstätten nieder.