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Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


28.08.2000 Kohlhepps unsichtbarer Hund


Kohlhepp und Boettcher bei ihrer Schlussszene mit Annette aus dem Publikum.


Waldbronner Woche:
Kohlhepp und Boettcher sezierten Showbiz
Gehobene Comedy im ausverkauften Kulturtreff



Nicht nur der Hund blieb unsichtbar im neuen Kabarett - Programm von Bernd Kohlhepp, auch alle Requisiten mussten die Zuschauer aus Gesten, Bewegungen und Pantomimen der beiden Akteure herauslesen. Damit ist auch schon gesagt, dass Bernd Kohlhepp in diesem Jahr nicht alleine gekommen war, in Uli Boettcher präsentierte sich ein kongenialer Partner, der auf Grund der Rollenverteilung, hier fieser Star, dort der naiv - sympathische Underdog, auch schnell die Sympathien des Publikums auf sich zog.
Kohlhepp hielt dem Schaugeschäft als arroganter, blasierter, alkoholsüchtiger Entertainer einen teilweise gnadenlosen Spiegel vor. Kohlhepp im Verein mit Uli Boettcher als sein "Gehilfe und Beleuchter", beide blätterten in diesem Programm die Facetten ihrer vielfältigen Möglichkeiten mit Lust, Freude und Können auf, so sprang der Funke schnell auf das Publikum über. Versammelt hatte sich schon fast eine Fangemeinde von Bernd Kohlhepp, die aber auch diese andere Form mit sichtlichem Vergnügen genoss.
An Kohlhepp verblüffen immer aufs Neue seine stimmlichen Variationsmöglichkeiten. Ob er ein Chanson verballhornt, ein getragenes Lied mit kabarettistischen Brechungen interpretiert, oder einfach nur rockt, immer war er nah am Original und doch schimmerte unübersehbar und augenzwinkernd die Parodie durch. Dabei blieb beim Nachdenken über das Thema oft genug das Lachen im Hals stecken. Wie "Herr Kohlhepp" von oben herab und durchaus bösartig mit "Herrn Boettcher" -"Was bringt einen Menschen dazu Beleuchter zu werden? Was ist da in der Jugend schief gelaufen?"- umsprang, erinnerte an manche verbürgten Backstage - Geschichten.
Höhepunkte waren sicher "Herrn Kohlhepps" Interpretation des "Kleinen grünen Kaktus", bei dem beide bei den pantomimisch virtuos gestalteten Tonstörungen bewiesen, wie sie aufeinander eingespielt sind. Oder sein Song über Herrn Boettcher "er ist so bequem" zur Melodie des bekannten "bei mir biste scheen..". Brillant auch Kohlhepps Interpretation und sprachliche Variation des Schillerschen Tauchers, "anhand von bestimmten Umständen kann Herr Kohlhepp beweisen, dass er dieses Gedicht früher als Schiller geschrieben hat", so Herr Boettcher bei der Ansage. Wie dann allerdings im Verlauf des Textes der Alkohol seine Wirkung tat, war grandios ausgespielt, besonders die immer hektischer werdenden Wortspiele mit dem "Feuerwasser".
Wie beide aufeinander eingespielt sind, bewiesen Kohlhepp und Boettcher bei der Bayerischen Szene, Boettcher sprach den Text und Kohlhepp mimte das Ganze in Playback. Ach ja, auch das Publikum bekam natürlich wieder sein Fett weg, besonders die erste Reihe lebt hier ständig in akuter Gefahr, den "unsichtbaren Hund", so übrigens der Name des Programms, halten zu müssen, einen Gamsbock zu mimen oder auf die Bühne zum Tanz geholt zu werden. Alles in allem ein vergnüglich nachdenklicher Abend, der schon Vorfreude auf das kommende Jahr verbreitete.

Bernd Kohlhepp (links), schon zum vierten Mal Gast bei der Waldbronner Woche, hatte in diesem Jahr mit Uli Boettcher einen adäquaten Partner an seiner Seite.