Herzlich Willkommen.
Sie sind Besucher Nr.:
11.615.065



 

Das war...(Aktuelles aus der Gemeinde)


26.07.2000 Gemeinderat im Wald


Waldbronns Gemeinderäte informierten sich vor Ort im Wald über die Folgen des Orkans "Lothar". Forstdirektor Hermann Schäfer (3.v.l.) und Revierleiter Harald Mohr (2.v.l leicht verdeckt) vom Staatlichen Forstamt Karlsbad waren dabei kompetente Ansprechpartner.


Laubwald soll mehr Anteil erhalten
Forstamt informierte über Folgen des Orkans
Bisher gute Verkaufserlöse



Über die Folgen des Orkans "Lothar" informierten sich Waldbronns Gemeinderäte bei ihrer schon traditionellen Waldbegehung im Juli. Dabei konnte zufrieden vermerkt werden, dass ein Großteil des Sturmholzes aufgearbeitet ist, dank Waldbronns günstiger Lage sind rund zwei Drittel davon auch bereits verkauft. Im Beisein einiger Bürger begrüßte Bürgermeister Martin Altenbach Gemeinderat und vom Staatlichen Forstamt Karlsbad Forstdirektor Hermann Schäfer und Revierleiter Harald Mohr zu der letzten öffentlichen Sitzung vor der nun beginnenden Sommerpause.
Ausgangspunkt der Waldbegehung war der Reichenbacher Neubrunnenschlag. Hinter diesem Baugebiet war der Wald durch eine "Sturmwalze" am stärksten geschädigt. "Lothar" hat hier am Zweiten Weihnachtsfeiertag eine regelrechte Schneise geschlagen, in der fast alles umfiel, was sich dem Orkan entgegenstemmte. An diesem Punkt konnten Forstdirektor Schäfer und Waldbronns Revierleiter Mohr ihre fachlichen Erläuterungen anschaulich untermalen.
Mit vier Fragen gab Waldbronns Bürgermeister das Grundthema vor. Aus Sicherheitsgründen interessierte ihn, was mit den Baumstümpfen passier, die oft noch schräg in den Himmel ragen. Ebenso begehrte er zu wissen, was aus den Waldwegen wird und ob auf den kahlen Flächen Bäume mit anderen Holzarten als bisher gepflanzt werden oder ob der Forst auf Naturverjüngung setzt. Schließlich interessierte ihn das Thema der Holzerlöse.
Forstdirektor Hermann Schäfer legte zunächst eine Bilanz über den Umfang des Schadens und den Stand der Aufarbeitung im Waldbronner Gemeindewald vor. Danach sind von den rund 100.000 Festmeter Holz im Waldbronner Wald etwa 45 % beim Orkan umgefallen. Am stärksten betroffen waren Fichten und Kiefern mit etwa 60 % des Bestands, gefolgt von der Douglasie mit knapp der Hälfte und Kiefern und Lärchen mit 44 %. Laubbäume tauchen mit rund einem Drittel in der Schadenbilanz auf. Davon sei vorrangig die "leicht verderbliche Ware" aufbereitet worden, so Forstdirektor Schäfer, der dazu vor allem Fichten und Tannen zählte. So nahm es auch nicht Wunder, dass hier bereits 90 % des Sturmholzes aufgearbeitet sind, dicht gefolgt von der Douglasie mit 75 %. Die Laubbäume sind zur Hälfte in dieser Bilanz vertreten. Insgesamt sind von den 45.000 Festmetern Sturmholz im Waldbronner etwa zwei Drittel aufgearbeitet. Waldbronn liege damit im vorderen Feld bei der Aufarbeitung der Sturmschäden. Dies sei auch ein Verdienst von Revierleiter Harald Mohr, so Forstdirektor Hermann Schäfer.
Aufarbeitungsschwerpunkte waren für den Forst im Benehmen mit der Gemeinde zunächst einmal die Räumung der öffentlichen Straßen und der Wege zur AVG. An zweiter Stelle der Prioritätenliste stand der "Neubrunnenschlag". Hier seien Bürger sehr stark von Auswirkungen betroffen gewesen. Danach habe man aus forstlicher Sicht vor allem Wertholz wie Buchen aufgearbeitet, da nach ihnen eine große Nachfrage bestand. Letzter Punkt waren dann die Fichten als "verderbliche Ware", zumal bei ihnen noch die Borkenkäfergefahr hinzu kommt.
Revierleiter Harald Mohr gab Erläuterungen zur Organisation des Holzeinschlags und zur Vermarktung. Zunächst sei man am Zweiten Weihnachtstag mit den ständigen Waldarbeitern und der Feuerwehr daran gegangen, Straßen und Häuser frei zu sägen, wobei bei den Straßen eine Prioritätenliste zu Grunde lag. Zusätzlich wurden dann Unternehmer aus "allen Herrenländern" angeheuert, sie mussten nur sofort zur Verfügung stehen. So begann bereits am 4. Januar ein Unternehmer aus Oberfranken mit einem Starkholz - Harvester. Bald danach sei eine zweite Maschine im Einsatz gewesen. Dennoch seien manche Bäume selbst für diese Maschinen zu groß gewesen, oder hätten sich zu stark verkeilt. Sie mussten dann zunächst entzerrt und vom Wurzelstock getrennt werden. Neben zahlreichen Schleppern seien zum Schluss rund 10 Mann mit drei Maschinen im Wechsel im Einsatz gewesen.
Die Waldarbeitertruppe war international besetzt, so Mohr. Neben Österreich waren Jugoslawien, Rumänien, Polen und sogar Finnland vertreten. Bei der Verständigung habe man teilweise einen Dolmetscher benötigt, ersatzweise habe man mit Hilfe von Zeichnungen Anweisungen klar gemacht. Derzeit seien 27.000 Festmeter aufgearbeitet, 17.000 davon auch verkauft, vor allem Buche, Fichte und Kiefer habe Abnehmer gefunden.
Im Laufe des Weges erläuterte dann Forstdirektor Schäfer wie der Forst im Waldbronner Wald weiter vorgehen wolle. Auf etwa sieben Hektar "labilem Boden" sollen Eichen gepflanzt werden. Weiter setze man auf die Naturverjüngung, die teilweise schon erkennbar sei. Da sie aber von der Brombeere bedroht werde, soll eine lockere Pflanzung von Fichten, Douglasien und Buchen die Naturverjüngung ergänzen und unterstützen. Die Gemeinderäte wies Schäfer auch darauf hin, dass es für solche Pflanzaktionen Zuschüsse aus Mitteln des Landes gebe. Dies gilt auch für die Wege. Die Überbeanspruchung während der Wintermonate hat viele Wege zerstört, die Grundinstandsetzung wird hier mit 40 % der Kosten vom Land gefördert.
Nasslagerplätze, so eine Frage von Helmut Völkle (CDU) seien an bestimmte Bedingungen geknüpft. Sie müssen mit schweren Fahrzeugen anfahrbar sein und über ausreichend Wasser in der Umgebung verfügen. Bei uns komme dafür nur das Albtal in Betracht. Hier allerdings kollidiere die Anlage eines Nasslagerplatzes mit dem Naturschutz. Die Nasslagerung stelle sich für Waldbronn auch nicht, da hier von Anfang an wegen der günstigen Verkehrslage das Holz gut verkauft werden konnte.
Eine weitere Frage ging nach den schräg stehenden Baumstümpfen und den Wurzellöchern. Hier sahen die Gemeinderäte aus Sicherheitsgründen Handlungsbedarf. Abschließend äußerte sich der Forstdirektor zur kommenden Forsteinrichtung. Ab 1. August stehe dem Staatlichen Forstamt Karlsbad dafür ein Sachverständiger zur Verfügung, der etwa zum Jahresende den Waldbronner Wald unter die Lupe nehmen werde. Seine Aufgabe sei es, einen Vorschlag zur Forsteinrichtung zu erstellen, über den der Gemeinderat dann beraten und entscheiden müsse.